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        <title>Die Entwicklung der Weißgerberei</title>
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            <surname>Ebert</surname>
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      <div>285 
größeren Kapitalbedarfs außerordentlich schwierig 4 ), so ist dieser Über 
gang für die Weißgerber geradezu unmöglich. Die Schafleder, welche 
früher ein billiges Rohmaterial der Weißgerber bedeuteten H, ein 
Material, welches auf dem Markte nur niedrige Preise erzielte, sind 
heute durch die Chromgerbung zu einem wertvollen marktfähigen Pro 
dukt geworden, an welchem außerdem noch die ganzen Konjunktur- 
verhältnisse des Wollhandels hängen. Meisterkurse 8 ), Handwerksorgani 
sationen 4 ), Innungen 5 * * ) usw?) sucht man vergeblich nach Weißgerbern ab; 
hier steht man am deutlichsten, daß das Handwerk sich selbst aufge 
geben hat, daß ihm die Lebensfähigkeit fehlt. Der gewöhnliche hand 
werksmäßige Weißgerber, welcher also die historische Fortsetzung des 
mittelalterlichen Weiß- und Sämischgerbers darstellt, steht heute aus 
dem Aussterbeetat; er gerbt einige hundert, selten über 1000 Felle 
jährlich, davon die meisten sämisch, nur wenig weiß, und wie er schon 
im 15., 16., 17. Jahrhundert seine Not durch alle möglichen Hand 
werksübergriffe nach Rot zu mildern gesucht hat, so finden sich auch 
jetzt noch in seiner Werkstatt stets einige Farben, in welchen er wenige 
Schaf- und noch weniger Kalbfelle im Lohnwerk gerbt. Gesellen besitzt 
er nicht und seine Lage ist eine außerordentlich gedrückte. Im großen 
und ganzen freilich ist der Kampf, wie ja auch die Zahlen gezeigt haben, be 
reits entschieden; der alte Weiß- und Sämischgerber gehört fast schon 
zu den historischen Gestalten. 
In diesem trüben Bilde des Niederganges, oft des erbarmendsten 
Hungers, dumpfer Werkstätten und schmutziger Wohngelegenheiten stehen 
als eine freundlichere Gestalt die modern euWeiß-undLohgerber, 
welche ihre Daseinsberechtigung erst aus derG e w e r b e f re i h e i t Hableiten. 
Sie sind grundsätzlich von den bisher besprochenen Weiß- und Sämisch 
gerbern zu unterscheiden. Während die Weiß- und Sämischgerber als 
ein Gewerbe des Landes erscheinen, sind die Weiß- und Lohgerber ein 
Gewerbe zur Bedarfsdeckung der mehr städtischen Kultur; Lohngerberei 
gibt es bei ihnen fast nicht, dagegen ist eine Abhängigkeit vom Fell 
händler nicht selten, so daß eine mehr oder weniger versteckte Art von 
Hausindustrie existiert, wenn sie natürlich auch niemals als solche be 
zeichnet wird. Während der Weiß- und Sämischgerber nur vereinzelt 
vorkommt, treten die Weiß- und Lohgerber häufig in größeren Massen 
0 Schuh und Leder 1904, Nr. 15, S. 42. 
2 ) Allgem. Gerberzeitung 1905, Nr. 10, S. 1: Lange 1839, S. 37; vgl. auch S. 27 ff. 
3 ) Schuh und Leder 1902, Nr. 33, S. 23 ff. 
4 ) Vgl. Wirtschaflskunde 1904, S. 672 ff. 
s ) I. f. G. &amp; V. 1894, S. 144ff.; 1903, S. 577ff., 625. 
6 ) Vgl. Wirlschaftskunde 1904, S. 548 ff.; Junghans 1896, S. 105 ff.; auch 
Seidler 1896, S. 390 ff. ') Vgl. auch S. 281 ff/</div>
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