V  o  r  w  o  r  t.

Die  Verkürzung  der  Arbeitszeit  stellt  eine  Seite  jener
großen  Bewegung  dar,  die  eine  Verbesserung  der  Arbeitsbedingungen ­
  und  die  Hebung  der  arbeitenden  Klassen  in
sozialer  und  geistiger  Hinsicht  anzubahnen  strebt.  —  Die  vorliegende ­
  Arbeit  beschäftigt  sich  mit  der  Möglichkeit  höherer
Arbeitsintensität  bei  kürzerer  Arbeitszeit,  eine  Möglichkeit,
die  durch  die  Tatsachen  vielfach  realisiert  werden  konnte.  Die
eigentliche  Aufgabe  bestand  darin,  systematisch  die  hierbei
mitspielenden  Bedingungen  und  Faktoren  darzustellen,  sowie
ihre  Wirksamkeit  isoliert,  ja  teilweise  völlig  abgelöst  von  der
Beziehung  zur  Arbeitszeit,  nachzuweisen.
Eine  derartige  Behandlung  unter  möglichster  Berücksichtigung ­
  aller  Umstände  ist  dem  Problem  bisher  noch  nicht
zuteil  geworden.  Vielleicht  könnte  man  Marx  anführen,  der
von  anderen  Gesichtspunkten  her  und  mit  anderen  Zielen  in
dem  „die  Intensifikation  der  Arbeit“  betitelten  Abschnitt,  des
Kapitals  (Bd.  1,  1872,  S.  428—439)  auf  einen  Teil  der  Fragen
zu  sprechen  kommt.  Abgesehen  von  der  Kürze  der  Behandlung ­
  sind  seine  Ausführungen  allein  von  den  theoretischen
Ideen  her  orientiert,  d:  h.  alles  kreist  um  den  Gedanken  der
„Produktion  des  relativen  Mehrwerts“.
Eine  Sonderstellung  nimmt  in  der  Literatur  Abbes  glänzende ­
  Untersuchung  in  Hinsicht  auf  die  persönlichen  Ursachen
höherer  Arbeitsintensität  ein.  Sein  Grundgedanke  wurde  nur
in  allgemeinerer  Form  weitergeführt  und  nach  der  psychologischen ­
  Seite  hin  ergänzt.  —  Im  großen  und  ganzen  ging
die  sonstige  literarische  Behandlung  bisher  darauf  aus,  die
Tatsachen  in  einem  rein  empirischen  Verfahren  nebeneinander
zu  stellen  und  auf  diesem  Wege  allgemeinere  Schlüsse  zu
bilden.  Die  objektiv-sachlichen  Bedingungen  höherer  Arbeitsintensität, ­
  z.  B.  der  Stand  der  Technik,  werden  manchmal
gestreift.  Von  einem  Faktor  wie  der  Betriebsorganisation
ist  fast  nirgends  die  Rede.  Dessen  bedurfte  es  freilich  nicht,
da  die  Ziele,  die  sich  die  Arbeiten  von  Brentano,  S.  Webb
und  H.  Cox,  Rae,  Rost  und  anderen  gesteckt  hatten,  in  ganz
anderer  Richtung  lagen.  Ohne  das  hier  gebotene  Tatsachenmaterial ­
  wäre  die  vorliegende  Arbeit  nicht  möglich  gewesen.