Einleitendes.

Die  neuere  Nationalökonomie  hat  in  ihrer  ethisch-realistischen ­
  Tendenz  stets  betont,  daß  die  sachlichen  Produktionselemente ­
  Natur  und  Kapital  als  besondere  ökonomische  Kategorie ­
  eine  wesentlich  andere  Stellung  im  System  der  Wirtschaft
einzunehmen  hätten,  als  die  Arbeit.  Dieser  Faktor  der  Produktion ­
  müsse  von  einem  grundsätzlich  anderen  Standpunkt
aus  betrachtet  und  beurteilt  werden,  als  die  sachlichen  Produktionselemente. ­
  —  Zusammenfassend  läßt  sich  sagen,  daß
man  den  Arbeiter  als  einen  Endzweck,  als  eine  selbständige
ethische  und  ökonomische  Persönlichkeit  ansehen  lernte.  Von
der  Ethik  her,  indem  ein  Wirtschaftssystem,  das  den  Menschen
zum  bloßen  Mittel  eines  Zwecks  degradierte,  als  unmoralisch
gebrandmarkt  wurde;  von  der  Ökonomik  her,  insofern  die
Bedeutung  des  Arbeiters  als  eines  Endzwecks  der  Wirtschaft,
seine  Funktion  als  Konsument  hervorgehoben  wurde.  Diese
Sonderstellung  der  Arbeit  ergreift  innerhalb  der  ökonomischen
Provinz  noch  weitere  Gebiete.
Jede  Kostenerhöhung  der  sachlichen  Produktionsmittel,
jede  Kürzung  ihrer  Nutzungszeit  gefährdet,  alle  übrigen  Umstände ­
  gleich  gedacht,  die  Rentabilität  einer  Unternehmung,
mindert  ihre  Erträge.  Auf  der  andern  Seite  steigert  unter
sonst  gleichen  Voraussetzungen  jede  Verlängerung  der  Nutzungsdauer, ­
  jede  Verminderung  der  Sachkosten,  Produktivität  und
Rentabilität.  Dagegen  wird  der  persönliche  Faktor  der  Produktion ­
  keineswegs  in  gleich  notwendiger  Weise  durch  diese
Bestimmungen  getroffen.  Produktionskosten  und  Nutzungsdauer ­
  erscheinen  hier  als  Arbeitslohn  und  Arbeitszeit.  Ihre
Beziehungen  zu  den  Gesamtkosten  der  Unternehmung  können
sich  besonders  gestalten,  weil  der  persönliche  Träger  der
Arbeit  als  lebendiger  Organismus  biologische  und  intellektuelle
Qualitäten  eigener  Art  zur  Geltung  bringt.  Er  ist  ein  organischphysiologischen, ­
  nicht  mechanisch-physikalischen  Normen  unterworfenes ­
  Wesen.  Das  vergessen  alle  die,  welche  meinen,  daß
die  Arbeit  ein  rein  mechanischer  Prozeß  sei,  der  ziemlich
gleichmäßig  wie  die  Tätigkeit  einer  Lokomotive  abrollt,  und
bei  dem  der  letzte  Augenblick  so  wertvoll  ist,  wie  die  früheren.
Forschungen  138.  —  Bernhard.  1