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hundert  über  150  besaß 1 .  Unter  Joseph  II.  werden  1772  in
Österreich  nicht  weniger  als  22  Feiertage  in  Arbeitstage  verwandelt ­
 1  2  3 .  Außer  mit  der  Zahl  der  Feiertage  schwankt  die
jährliche  Arbeitszeit  nach  Berufen.  Sie  wird  weiter  von  der
Wirtschaftslage  sowie  den  durch  Krankheit  und  Streiks  verlorenen ­
  Tagen  bestimmt 8 .
Die  Sitte,  den  siebenten  Tag  der  Woche  zu  ruhen,  scheint
den  Bedürfnissen  der  menschlichen  Natur  am  zweckmäßigsten
zu  entsprechen,  da  sich  diese  Institution  im  Anschluß  an
religiöse  und  astronomische  Vorstellungen  dauernd  bei  den
verschiedensten  Völkern,  bei  Ägyptern,  Babyloniern,  Hebräern,
Indiern,  in  China,  Arabien,  Persien  eingebürgert  hat 4 .  Griechen
und  Römern  scheint  der  regelmäßige  Sonntag  trotz  zahlreicher
Feiertage  gefehlt  zu  haben 5 .  Von  der  historischen  Entwicklung
des  Sabbats  im  Altertum,  des  Sonntags  im  Mittelalter  und
Neuzeit  braucht  hier  nicht  weiter  die  Rede  zu  sein.  Überall ­
  hat  sich  wahrscheinlich  ein  Wort  Proudhons  bestätigt:
„L’observation  montre  que  lä  oü  le  dimanche  n’est  pas  respectö,
on  ne  travaille  pas  davantage,  peut-etre  moins  que  (Tailleurs.“
Heute  sind  England  und  Amerika  mit  strenger  Sonntagsheiligung ­
  durchaus  konkurrenzfähig.  Ebenso  ist  die  Leistungsfähigkeit ­
  der  Industrie  nach  Durchführung  der  Sonntagsruhe
bei  uns  im  großen  ganzen  auf  gleicher  Höhe  geblieben 6  * .  Ein

1  J.  Möser,  Gedanken  über  die  Abschaffung  der  Feiertage,  Patriotische ­
  Phantasien,  1842,  II,  S.  146.  —■  Roscher,  System  d.  Volksw.  I,
1906,  S.  190.
2  Archiv  f.  Nat  u.  Stat,  VIII,  S.  241.
3  Im  Staate  New  York  betrug  z.  B.  die  jährliche  Arbeitszeit  1898:
in  der  Metall-  und  Maschinenindustrie  272,  im  Baugewerbe  224,  bei
den  Buchdruckern  259  Tage  (nach  dem  19  th  annual  Report  of  the
Bureau  of  Labor  1901).  —  Arbeiter  im  Freien  haben  weniger  Arbeitstage, ­
  Erdarbeiter  z  B.  240—270.  In  Deutschland  kommen  auf  einen
Versicherten  5  —  6  Krankentage  (Schmoller,  Grundriß  II,  S.  350).  Nach
Engels  (Preis  der  Arbeit,  S.  42)  beträgt  die  mittlere  Zahl  der  Krankentage ­
  im  Alter  von  20  Jahren  6,01  Tage;  für  40  Jahre  7,95;  für  60  Jahre
17,1,  für  65  Jahre  22,8  Tage.  —  In  England  zählte  man  1890—1900
zwischen  2,5  und  31  Millionen  durch  Streik  verlorene  Tage,  durchschnittlich ­
  1,25  Tage  jährlich  (Schmoller  II,  S.  407)  Leone  Levi  berechnet ­
  1879  das  Gesamteinkommen  der  englischen  Arbeiter  auf
503  Mill.  £g\  für  freiwillige  oder  erzwungene  Ruhetage,  Erkrankungen  usw.
sind  nach  seiner  Schätzung  bei  4239000  Arbeitern  der  Textil-,  Metallindustrie, ­
  des  Bergbaues  80  Mill.  (£  abzuziehen,  d.  h.  mehr  als  ein
Fünftel  (Scherzer,  Weltindustrien,  S.  264)
4  Kräpelin,  Zur  Hygiene  der  Arbeit,  Neue  Heidelberger  Jahrb.,
1896,  S.  239.  —  Macauly,  Speeches  1854  (Ten  Hours  Bill),  S.  444/45.  —
L.  v.  Buch,  Elem.  d  pol.  Ök.,  1896,  S.  41.  —  Schmoller,  Grundriß  II,
S.  282.  Stieda,  Jahrb.  f.  Gesetzgeb.  u.  Verw.,  1888  u.  1889,  S.  1129
bis  1150,  Die  Sonntagsfrage  in  älterer  Zeit,  S.  1150—78  im  19.  Jahrhundert. ­

6  E.  Reich,  Studien  über  die  Feiertage,  1874,  S.  6,  8.
6  Stieda,  Hdwb.  d.  St.,  Bd.  VI,  Art.  Sonntagsarbeit,  S.  777.  —
Jahrb.  1889,  S.  61.