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Unternehmer  der  Töpferei-,  Steingut-  und  Porzellanindustrie
sagt,  daß  seine  Sonntags  feiernden  Leute  bei  gleichen  Stücklöhnen ­
  mehr  verdienen,  als  die  Arbeiter  anderer  Betriebe  ohne
Sonntagsruhe.  Ein  anderer  behauptet  sogar,  daß  die  Akkordarbeiter, ­
  wenn  ihnen  Sonntagsarbeit  und  Überstunden  gestattet ­
  seien,  15—20  °/o  weniger  als  sonst  verdienten  *.  In
einem  englischen  Steinbruch  wirkte  eine  zweitägige  Ruhepause ­
  gelegentlich  so  günstig,  daß  in  5  Tagen  dasselbe  wie
in  6  Tagen  geleistet  werden  konnte 2 .  Ein  verkürzter  Sonntag ­
  ruft  vielfach  den  blauen  Montag  hervor,  eine  alte,  sicher
bis  ins  16.  Jahrhundert  zurückgehende  Unsitte,  die  von  den
Arbeitern  bei  Überanstrengung  eigenmächtig  in  Anspruch  genommen ­
  wurde 3 .  Allgemein  darf  man  sagen,  daß  der  Ausfall ­
  der  Sonntagsarbeit  wöchentliche  und  Jahresleistung  nicht
vermindert,  soweit  es  von  den  Fähigkeiten  des  Arbeiters  abhängt. ­

In  eindringlicher  Weise  wird  das  Bedürfnis  nach  wöchentlicher ­
  Erholung  und  totaler  Ausspannung  der  Kräfte  zur
völligen  Beseitigung  der  Ermüdungsstoffe  durch  die  Unfallstatistik ­
  illustriert.  Wenn  auf  1  Tag  1  Unfall  kommt,  weisen
die  Zahlen  der  gewerblichen  Berufsgenossenschaften  1897
folgendes  Bild  auf 4 :  Sonntag  0,15,  Montag  1,23,  Dienstag  1,17,
Mittwoch  1,10,  Donnerstag  1,10,  Freitag  1,00,  Sonnabend  1,19.
Die  landwirtschaftliche  Statistik  verläuft  für  1901  ähnlich:
0,29,  1,22,  1,06,  1,05,  1,09,  1,12,  1,17  (Sonnabend).  Durchschnittlich ­
  zeigt  der  Montag  und  Sonnabend  eine  Zunahme
der  Unfälle.  Hierbei  ist  zu  beachten,  daß  sich  die  Hälfte
aller  Unfälle  nach  der  Berechnung  E.  Roths  durch  den  Arbeiter
selbst  vermeiden  läßt 6 .  Die  höhere  Unfallziffer  des  Montags
ist  auf  schlechte  Sonntagsgebräuche  zurückzuführen.  —  Eine
räumlich  enger  begrenzte  Beobachtungsreihe  bringt  diese  Tatsachen ­
  noch  besser  in  Relief.  Der  Gewerbeinspektor  für
Schwaben  und  Neuburg  zeigt,  daß  1892  die  Zahl  der  Unfälle  mit
der  Woche  wächst.  Von  den  546  Unfällen,  ereigneten  sich  pro
Mille  800  am  Montag,  Dienstag  und  Mittwoch  780,  am  Donnerstag ­
  950,  Freitag  940  und  Sonnabend  970 8 .
Abgesehen  von  gelegentlicher  Erholung  durch  Arbeiterferien, ­
  bei  Urlaub,  Krankheit,  Arbeitslosigkeit  usw.  dürften
wöchentliche  Feiertage  bei  kurzen  täglichen  Arbeitszeiten  den

vt  c'  Ü n ü uete  über  Sonntagsarbeit,  1885.  Nach  Stieda,  Hdwb.  d.  St.,
V1,  774.
8  n  E'^ht  Hours  for  Work,  1894,  p.  45.
Wirtschaft,  1882 ke S  H.®  Länge  der  Arbeitszeit  in  Industrie  und  Land--
  Rekhsarbeitsblatt  1906  Nr.  8,  S.  737.
o  lu"  nc  R° th &gt;  / ldb -  d -,  Hyg-,  herauegeg.  v.  Weyl,  Bd.  8,  Gewerbehyg.,
24,~  26;  v gl.  ferner  die  Ursachen  der  Unfälle  und  Invalidität,  Reichsarbeitsblatt ­
  1906,  S.  739.
6  ß.  Rost,  Der  achtstündige  Normalarbeitstag,  1896,  S.  144.