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hygienischen  Forderungen  am  besten  genügen.  Die  westeuropäisch-amerikanische ­
  Sitte  relativ  kurzer  Arbeitstage,
wöchentlicher  Ruhepausen  und  weniger  großer  Festtage  gewährleistet ­
  eine  höhere  Produktivität  als  die  Verteilung  von
Arbeit  und  Ruhe,  der  etwa  Rußland  und  Italien  folgen  b  In
diesen  Ländern  genießt  die  Bevölkerung  freilich  mehr  ganze
Feiertage:  die  tägliche  Arbeitszeit  ist  aber  ungleich  länger,
woraus  gerade  die  Neigung  zu  Ausschweifungen  an  den  Ruhetagen ­
  entspringt 1  2 .
Schließlich  sei  ein  radikaler  Vorschlag  E.  v.  Hartmanns
erwähnt 3 .  Um  die  nationale  Produktion  bedeutend  zu  steigern,
solle  der  feste  Sonntag  durch  einen  allgemein  gleitenden  Ruhetag ­
  ersetzt  werden.  Das  Brachliegen  des  Kapitals  an  52  Tagen
im  Jahre  sei  eine  Verschwendung,  die  vermieden  wird,  wenn
die  Arbeit  Sonntags  weiterläuft  und  ein  Siebentel  der  Arbeiter
abwechselnd  jeden  Tag  frei  hat.  Die  Berechtigung,  diesen
Gedanken  anzuführen,  liegt  darin,  daß  er  in  der  Wirklichkeit
schon  eine  Rolle  spielt.  Große  Hotel-  und  Restaurationsbetriebe, ­
  vorzüglich  aber  die  Verkehrs-  und  Transportgewerbe,
die  im  öffentlichen  Interesse  keine  Sonntagsruhe  vertragen,
haben  den  gleitenden  Ruhetag  bereits  realisiert.  —  Diese  einleitenden ­
  Betrachtungen  seien  durch  ein  paar  Macaulysche
Worte  abgeschlossen,  die  mit  ihrer  machtvollen  Rhetorik
ebenso  als  Motto  für  das  folgende  gelten  können:  „Während
der  Fleiß  ausset.zt  und  der  Pflug  in  der  Furche  liegt,  während
die  Börse  schweigt  und  Fein  Rauch  aus  der  Fabrik  aufsteigt,
findet  ein  Vorgang  statt,  der  für  den  Reichtum  der  Nationen
ebenso  wichtig  ist,  wie  irgend  ein  Vorgang,  der  an  geschäftigeren ­
  Tagen  ausgeführt  wird 4 .“
1  Vgl,  A.  Shadwell,  England,  Deutschland  und  Amerika,  1907,
S.  335.  Über  den  englischen  Sonntag  vgl.  K.  Peters,  England  und  die
Engländer,  S.  200.  —  Feiertage  in  Rußland:  in  den  Kohlenfeldern  des
Donezbeckens  hat  das  Jahr  z.  B.  nur'  240  Arbeitstage  (Zeitschrift  für
Sozialw.,  1902,  S.  134).
2  Auch  hier  gilt  die  Bemerkung  von  A.  Smith  (Wealth  of  Nations,
Chap.  8  ed.  Routledge,  1893,  p.  64)  „It  will  be  found,  that  the  man
who  works  so  moderatly  as  to  be  able  to  work  constantly,  not  only
preserves  his  health  longest  but  in  the  course  of  the  year  executes  the
greatest  quantity  of  work.“
3  E.  v.  Hartmann,  Die  sozialen  Kernfragen,  1894,  S.  377—383.
4  Macauly,  Rede  zur  Zehnstunden-Bill,  Speeches  1854,  S.  453.