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Arbeitszeiten  der  schweizer  Industrie  Abbruch  getan  hätte 1 .
Viel  schärfer  mußte  freilich  die  Konkurrenz  zwischen  Massachusets
  mit  gesetzlichem  Zehnstundentag  auf  der  einen  Seite,
Connecticut  und  Rhode-Island  mit  längerer  Arbeitszeit  auf  der
anderen  entbrennen.  1874  wird  der  Untergang  der  Textilindustrie ­
  von  Massachusets  prophezeit.  Jeder  Nachteil  kürzerer
Arbeitszeit  hätte  verderbliche  Folgen  gehabt.  Klima  und
Arbeiter,  Rohstoff  und  Kapitalzins,  Einkaufsgelegenheiten  und
Märkte  :  alles  war  gleich  in  den  drei  Staaten.  Man  kann  fast
von  einem  experimentum  crucis  sprechen.  1881  stellt  Carol
D.  Wriglit,  der  hervorragende  Statistiker,  eine  genaue  Untersuchung ­
  an.  „Es  unterliegt  keinem  Zweifel,“  so  faßt  er  zusammen, ­
  „daß  Massachusets  in  10  Stunden  pro  Kopf,  Spindel
und  Webstuhl,  jedesmal  die  gleichen  Kategorien  verglichen,
ebenso  viel  produziert  wie  andere  Staaten  mit  11  und  mehr
Stunden,  ferner,  daß  die  Löhne  hier  ebenso  hoch,  wenn  nicht
höher  sind,  als  in  Staaten,  wo  die  Betriebe  länger  laufen 1  2 .“
Schon  1872  führt  übrigens  der  Bericht  des  Labour  Bureau
24  Betriebe  an,  unter  denen  sich  Schiffs-  und  Maschinenbauanstalten ­
  ,  sowie  Schuh-,  Draht-,  Stuhl-,  Klaviertabriken  befinden, ­
  und  bei  denen  freiwillige  Einführung  des  Zehnstundentages ­
  günstige  Ergebnisse  gezeitigt  hat 3 .  Die  große  deutsche
Umfrage  über  „die  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen“  vom
Jahre  1902  enthält  in  Fülle  parallele  Beobachtungen.  Leinenwebereien ­
  und  Hutfabriken,  Betriebe  der  Porzellan-,  Glas-,
Schuh-  und  Zigarrenindustrie  haben  mit  dem  Zelinstundentag
glückliche,  teilweise  glänzende  Erfolge  erzielt.  Uhren-  und
Zündholzfabriken  schließen  sich  an 4  * .  Ohne  Verluste  wurde
neunstündige  Arbeitszeit  in  Schuh-  und  Möbelfabriken  eingeführt ­
 6 .
Eine  kaum  erwartete  Bestätigung  dieser  Ergebnisse  fanden
einzelne  Industrielle,  die  bei  schlechtem  Geschäftsgang,  in  der
toten  Saison  ihre  Produktion  durch  Minderung  der  Arbeitszeit ­
  einzuschränken  gedachten;  Verhältnisse,  wo  nach  der
Lage  der  Dinge  technische  und  ertragsteigernde  Betriebsverbesserungen ­
  a  limine  ausgeschlossen  waren.  Trotzdem  sind
die  Resultate  so  erstaunlich,  daß  auf  sie  besonderer  Nachdruck
gelegt  werden  muß.  Eine  Spiralenfabrik  setzt  die  Arbeitszeit

1  Hdwb.  d.  St.  I,  S.  1028.  —  Immer  ist  natürlich  die  Voraussetzung
zu  beachten,  daß  nicht  andere  günstige  Produktionsbedingungen,  etwa
die  billigen  italienischen  Wasserkräfte,  später  einen  Konkurrenzvorsprung ­
  herbeiführen,  der  sich  aber  nicht  den  langen  Arbeitszeiten  zurechnen ­
  läßt.  (Vgl.  Zeitschr.  d.  V.  deutsch.  Ing.,  1905,  S  401.)
-  Report  on  Uniform  Hours  of  Labour,  p.  137,  nach  S.  Webb  S.  98.
3  J.  Rae,  S.  26.
4  Die  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen,  S.  126,  160,  166,  224,
236,  238,  239.
3  Jahresbericht  d.  Kgl.  Preuß.  Reg.-  u.  Gew.-Räte,  1902,  S.  43,
1903,  S.  219.