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auf  die  Hälfte  herab.  Zu  der  Verwunderung  der  Besitzer
beträgt  die  Abnahme  der  Produktion  nicht  50  °/o,  sondern  nur
10  0, o  \  Ähnliche  Beobachtungen  machte  Freese  in  seiner
Jalousiefabrik.  Der  Gewerbeinspektor  für  Liegnitz  schreibt
1902:
„In  mehreren  Textilfabriken  wurde  im  Frühjahre  1902  vorüber,
gehend  die  Arbeitszeit  um  2—3  Stunden  verkürzt.  Ein  Unternehmer
erreichte  durch  diese  Maßnahme  nicht  die  beabsichtigte  Einschränkung
der  Erzeugnisse.  Die  Arbeiterinnen,  welche  im  Akkord  beschäftigt
wurden,  leisteten,  wie  der  Gewerbetreibende  versichert,  in  acht  Stunden
ebensoviel  wie  bisher  in  10  Stunden.  Um  die  Produktionseinschränkung
herbeizuführen,  sah  er  sich  deshalb  veranlaßt,  Arbeiterinnen  zu  kündigen“ ­
  1  2 .
In  dem  Bericht  für  1901  heißt  es:
„In  der  Zeit  schlechten  Geschäftsgangs  zeitigte  die  Reduktion  der
Arbeitszeit  die  bemerkenswerte  Erscheinung,  daß  selbst  eine  erhebliche
Verkürzung  unter  sonst  gleichen  Umständen  keine  wesentliche  Verminderung ­
  der  Produktion  mit  sich  brachte.  Der  Besitzer  einer  Tuchweberei ­
  lehnte  es  ab,  eine  Produktionsminderung  durch  kürzere  Arbeitszeit ­
  zu  bewirken,  weil  nach  seiner  Erfahrung  die  Arbeiter  in  der
kürzeren  Arbeitszeit  durch  angestrengtere  Tätigkeit  ebensoviel  leisten
würden,  wie  in  der  längeren“ 3 .
Im  Regierungsbezirk  Schleswig  erzielen  die  Arbeiterinnen
einer  Weberei,  deren  Arbeitstag  auf  7*/2  Stunden  herabgeht,
fast  gleiche  Verdienste.  Die  Ausnützung  der  Webstühle  steigt
von  56  °/o  auf  66°,o 4 .  Gleiche  Beobachtungen  anderwärts 5  6 .
Es  gibt  zwei  weitere  Tatsachenreihen,  die  indirekt  auf  die
Beziehung  höherer  Arbeitsintensität  zu  kürzerer  Arbeitszeit
hinweisen.  Einmal  die  Feststellung,  daß  in  vielen  Fällen
Überstunden  auf  die  Dauer  die  Gesamtleistung  nicht  nennenswert ­
  steigern;  dann  der  Umstand,  daß  auch  Kürzung  der
Arbeitszeit  in  großem  Stil  keine  entsprechende  Neueinstellung
von  Arbeitskräften  nach  sich  zieht.  Wenn  sich  die  Zahl  der
Arbeitslosen  nicht  vermindert,  so  darf  die  Annahme,  daß  der
beschäftigte  Teil  eine  annähernd  gleiche  Leistung  produziert,
zur  Erklärung  herangezogen  werden.
Nach  Einführung  des  schweizer  Elfstundengesetzes  wurde
noch  für  Einzelfälle  die  Erlaubnis  zu  Überzeitarbeit  gegeben.
Anfangs  wird  oft  von  dieser  Einrichtung  Gebrauch  gemacht.
1  Schüler,  Schriften,  S.  99.  —  Freese,  Fabrikantensorgen  S.  18.
2  Jahresberichte,  1902,  S.  130.
3  Jahresberichte,  1901  (Reg.-Bez.  Frankfurt),  S-  33—34.
4  Jahresberichte  für  1901,  8.  157.  —  Vielleicht  würde  sich  diese
hypertrophische  Arbeitsweise  auf  die  Dauer  nicht  aufrechterhalteu
lassen  (vgl.  z.  ß.  Jahresber.  1901,  S.  215).  Bewiesen  ist  aber  damit  die
allgemeine  Möglichkeit,  trotz  automatischer  Maschinen,  das  Arbeitstempo ­
  zu  steigern.
6  Die  Arbeitszeit  d.  Fabrikarbeiterinnen,  S.  147,  160,  185,  204.