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138.

Erstes  Kapitel.
Die  technische  Analyse  der  Textilindustrie.
Die  Verdichtung  des  Produktionsprozesses  vollzieht  sich
durch  Verminderung  der  Pausen  an  Zahl  und  Dauer,  d.  h.
eine  größere  Anzahl  Produktionsakte  wird  auf  eine  gleichbleibende ­
  Spanne  Zeit  zusammengedrängt.  Zahlreiche  Instanzen ­
  weisen  darauf  hin,  daß  diese  Möglichkeit  auch  der
Textilindustrie  offensteht,  wenn  sie  vielleicht  auch  hier
schwieriger  als  anderwärts  zu  verwirklichen  ist.
„In  den  Webereien“,  so  sagt  der  Gewerbeinspektor  von  München-Gladbach,
  „liegt  es  in  der  Hand  der  Arbeiter,  durch  bessere  Ausnutzung
der  Zeit,  d.  h.  durch  flinkere  und  aufmerksamere  Bedienung  ihres
Stuhles  und  die  dadurch  bedingte  Verringerung  in  Zahl  und  Dauer
derjenigen  Pausen,  während  welcher  die  kleineren  Nebenarbeiten  ausgeführt ­
  werden  und  der  Stuhl  stille  steht,  in  der  verkürzten  Arbeitszeit ­
  dasselbe  zu  leisten  wie  bei  weniger  Aufmerksamkeit  in  der  längeren
Arbeitszeit  V‘
Der  Arbeitsgang  der  Textilindustrie  umfaßt  genug  Eingriffe, ­
  die  je  nach  der  Geschicklichkeit  und  Intelligenz,  der
Frische  und  Schnelligkeit  des  Arbeiters  in  längerer  oder
kürzerer  Zeit  vor  sich  gehen.  Produktionszeit  und  nominelle
Arbeitsdauer  sind  keineswegs  identisch.  Je  nach  Maschine
und  Rohstoff  bestehen  hier  natürlich  Unterschiede.
Während  ein  Krempel  ununterbrochen  läuft,  machen  bei
einem  Wolf  moderner  Konstruktion  unvermeidliche  Stillstände
25  °/o  der  gesamten  Arbeitszeit  aus.  Herbeischaffen  und  Wegbringen ­
  der  Baumwolle,  Reinigung  und  Instandsetzung  der
Maschine  rufen  diese  Zeitverluste  hervor.  Auch  für  die
Leistungsfähigkeit  des  Öffners  kommen  höchstens  3 b  der
Arbeitsdauer  in  Betracht 2 .  Putzen,  Weg-  und  Herbeischaffen
der  Wollen  bedingen  unvermeidliche  Pausen.  —  Das  Vorspinnen ­
  macht  Eingriffe  wie  Abnehmen  und  Aufsetzen  der
Spulen,  Putzen  usf.  erforderlich.  An  Leistung  geht  dadurch
verloren:  beim  Grobflyer  Vs—  1 U,  beim  Mittelflyer  1 U—Vs,  für
den  Feinflyer  Vs,  beim  Doppelfeinflyer  V5  -  Vs  3 .
Die  Leistung  der  eigentlichen  Spinnmaschine  ist  nicht
bloß  von  der  Spindelzahl,  der  Länge  des  Auszugs  und  der
Zeit  abhängig,  die  zum  Spinnen  und  Aufwinden  eines  Auszugs
angewendet  wird.  Pausen  entstehen.  Die  leeren  Spulen
werden  von  den  Spindeln  genommen,  neue  müssen  aufgesteckt
1  Rost,  Der  Aehtstundennormalarbeitstag,  S.  97.
2  E.  Müller,  Handbuch  der  Spinnerei  (Hdb.  d.  mech.  Technolog.,
herausgeg.  v.  Karmarseh),  1892,  8.  67.  —  H.  Fritz,  Baumwollspinnerei,
s.  100.
3  E.  Müller,  S.  149.