.138.

21

werden.  Fäden  reißen  ab  und  müssen  geknüpft  werden.
(Die  Häufigkeit  der  Brüche  hängt  von  Garnnummer  und  Rohstoff ­
  ab.)
„Geschicklichkeit  und  Aufmerksamkeit  des  Spinners,  Güte  und
sorgfältige  Vorbereitung  der  Baumwolle  bedingen  die  gelieferte  Garnmenge ­
  wesentlich.  .  ..  Große  Maschinen  liefern  nicht  ganz  in  dem  Verhältnis ­
  einer  größeren  Spindelzahl  mehr  Garn,  weil  mit  der  Vermehrung
der  Fäden  die  Übersicht  erschwert  wird  und  leichter  Störungen  eintreten

Ebenso  hängt  noch  in  der  Selfaktorspinnerei  viel  vom
Spinner  ab.  um  qualitativ  wie  quantitativ  gute  Arbeit  zu
liefern.
„Häufig  kommt  es  vor,  daß  eine  Maschine  unter  der  Führung  eines
guten  Arbeiters  die  tadelloseste  Arbeit  verrichtet;  wechselt  man  den
Arbeiter,  so  kann  es  zuweilen  Vorkommen,  daß  man  selten  einen  guten
Abzug  zu  sehen  bekommt 1  2  3 .“
In  der  Kamm  wollspinnerei  wird  bei  zwölfstündiger  Arbeitszeit ­
  9  Stunden  wirklich  gerponnen 8 .  Betragen  die  Unterbrechungen ­
  ein  Viertel  des  Arbeitstages,  so  dominiert  die
Maschine  keineswegs  völlig.  Nach  der  Schätzung  eines  Spinnmeisters ­
  kann  eine  fähige  Spinnerin  die  zweifache  Leistung
einer  unfähigen  produzieren.  Diese  dem  Verfasser  von  einem
Praktiker  gemachte  Angabe  greift  wohl  zu  hoch,  gibt  aber
einen  Anhaltspunkt,  um  was  es  sich  eigentlich  handelt.  In
der  Luckenwalder  Wollwarenfabrik  von  W.  Müller  schwanken
die  wöchentlichen  Akkordlöhne  einer  Spinnerin  bei  gleichen
Maschinen  ungefähr  zwischen  10  und  15  Mk.
Was  persönliche  Leistungsfähigkeit  betrifft,  so  steht  der
englische  Spinner  an  der  Spitze.  Er  bringt  es  bei  einer
Maschine  von  800  Spindeln  auf  eine  Tagesleistung  von  66  Pfd.,
Garn  Nr.  40,  während  ein  Franzose  nur  48  Pfd.  liefert 4  5 .  In
England  laufen  die  Spindeln  95  °/o  der  Gesamtarbeitszeit  tatsächlich, ­
  in  Württemberg  nur  90  °/o.  Obgleich  ihre  Geschwindigkeit ­
  im  Elsaß  10  °/o  abnimmt,  werden  hier  nur  80  °/o,
in  England  92—95  %  der  theoretisch  möglichen  Leistung
herausgebracht 8 .  Der  chinesische  und  japanische  Arbeiter
bedient  nur  2—300  Spindeln  und  verliert  dennoch  25  °/o  der
Spinnzeit 6  * ;  die  italienische  Spinnerin  sogar  40  °/o,  weil  sie  die
Fäden  zu  langsam  anknüpft.  In  der  englischen  Industrie
macht  sich  heute  die  Ca’canny-Politik  der  Gewerkvereine  be-1

  A.  a  O.  S.  184.
2  Fritz,  S.  822.
3  E.  Müller,  S.  420.
4  Roscher,  System  I,  1906,  S.  117.
5  Schulze-Gävernitz,  Der  Großbetrieb,  1892,  S.  117,  118.
6  A.  Tille,  Der  Wettbewerb  weißer  und  gelber  Arbeit  in  der
industriellen  Produktion,  1904  (Soz.-wirtsch.  Zeitfr.,  Heft  2),  S.  56.