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merkbar.  Die  Textilindustrie  ist  nach  den  jüngsten  Ermittlungen ­
  davon  frei 1 .  Arbeitgeber  wie  die  Angestellten  selbst
bestätigen,  daß  die  Arbeiter  in  der  Gegenwart  persönlich  mehr
leisten  als  etwa  vor  20  Jahren.
In  der  Weberei  ist  höhere  Intensität  der  Arbeit  auf
gleicher  Produktionsbasis  noch  leichter  durchführbar  als  in
der  Spinnerei,  „ln  der  Weberei“,  so  schreibt  der  Berichterstatter ­
  für  Baden,  „hängt  die  Arbeitsleistung  zum  größten
Teil  vom  Arbeiter  selbst  ab,  und  in  vielen  Fällen  wurde  von
den  Fabrikleitern  ohne  weiteres  eingeräumt,  daß  auch  bei
verkürzter  Arbeitszeit  dieselbe  Produktion  sich  erzielen  lasse
und  der  Betrieb  rationeller  sei 1  2 .“  Beim  gewöhnlichen  Webstuhl ­
  geht  mindestens  ein  Viertel  des  Arbeitstages  durch  Pausen
verloren.  In  der  Weberei  der  Tuch-,  Buckskin-  und  Paletotstoffe ­
  schwanken  die  toten  Zeiten  je  nach  der  Leistungsfähigkeit ­
  des  Webers  zwischen  2 x /a  und  5  Stunden 3 .
Durchschnittlich  alle  5  Minuten  gehen  Schußfäden  aus
und  werden  ersetzt,  oder  sie  reißen  und  werden  wieder  angeknüpft. ­
  Weitere  Unterbrechungen  entstehen,  denn  eine  neue
Kette  muß  angeschnellt  werden;  außerdem  reißen  etwa  20
Kettenfäden  täglich 4 .  Wenn  der  Schußfaden  ausgeht,  steht
der  Stuhl  still,  das  Schiffchen  wird  herausgenommen  und
durch  ein  neues  ersetzt;  der  Stuhl  aber  muß  wieder  in
Gang  gebracht  werden.  Schließlich  ist  die  leere  Spule  im
Schützen  zu  erneuern.  Dazu  wird  die  alte  entfernt,  die  neue
auf  eine  aus  dem  Schützen  herausklappbare  Spindel  gesteckt
und  der  Fadenanfang  durch  ein  Ohr  im  Schützen  gesaugt.
Ein  Achtstuhlweber  muß  diese  Operationen  täglich  960mal
durchfuhren.  Wenn  man  bei  einem  zehnstündigen  Arbeitstag
außerdem  V2  Stunde  für  Reinigung  und  Schmierung  der
Maschine  ansetzt,  erfolgen  die  beschriebenen  Eingriffe  alle
halben  Minuten.  In  Wirklichkeit  komplizieren  sich  diese
Verhältnisse,  da  meist  mehrere  Stühle  zugleich  Stillstehen  und
dadurch  die  toten  Zeiten  verlängern 5 .
Streng  genommen  sind  die  vielzitierten,  von  selbst  laufenden
Webstühle  des  Aristoteles  heute  wie  ehemals  Fata-Morgana-Bilder
  einer  Zukunft,  die  die  Frage  der  Arbeitszeit  eo  ipso
gelöst  hätte.  Im  Gegenteil.  Der  Sachkenner  Birtwhistle  behauptet, ­
  daß  keine  der  seit  1850  eingeführten  Verbesserungen
die  Arbeit  der  Weber  nennenswert  erleichtert  habe.  Der
Weber  besorge  mehr  Stühle,  von  denen  jeder  einzelne  wegen
1  Eleventh  Report  of  the  Commission  of  Labor.  Regulation  and
Restriction  of  Output,  Wash  1905;  nach  Reichsarbeitsblatt  1907,  S.  54.
2  Die  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen,  S.  222.
3  E.  Müller,  Handbuch  d  Weberei,  1896,  S.  713.  —  R.  Martin,
Zur  Verkürzung  d.  Arbeitszeit  i.  d.  mech.  Textilindustrie.  Arch.  f.  sozi
Gesetzgeb.  u.  Stat.  VIII,  S.  253.
i  Deutsche  Technische  Rundschau,  1905,  8.  472.
5  Deutsche  Technische  Rundschau,  1905,  ibid.