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138.

Wir  sahen,  daß  die  Weberei  ihre  Arbeitsintensität  relativ
leichter  steigern  kann  als  die  Spinnerei.  Außer  den  technischen ­
  Zuständen  im  engeren  Sinn  sind  noch  andere  Faktoren
anzuführen,  die  das  Arbeitstempo  unmittelbar  beeinflussen.
Gutes  Rohmaterial,  wie  es  der  englische  Spinner  bearbeitet,
hat  weniger  Fadenbrüche  als  schlechtes.  Daher  geht  die
Schweizer  Textilindustrie  nach  Einführung  des  Elfstundentages ­
  vielfach  zu  besserer  Baumwolle  Uber,  die  schnellere  Behandlung ­
  gestattet.  Die  bessere  Ausnutzung  der  Stühle  in
England  wird  durch  die  Spezialisierung  der  Fabriken  auf  bestimmte ­
  Artikel  begünstigt.  Diese  Bedingung  wird  später  für
andere  Verhältnisse  ausführlich  zu  erörtern  sein.  Wer  stets
dieselbe  Garnnummer  spinnt,  dieselben  oder  ähnliche  Muster
webt,  leistet  mehr  und  macht  weniger  Fehler.  Die  großen
Spinnereien  Oldhams  und  Boltons  spinnen  wenige,  ja  nur  eine
einzige  Nummer.  Die  Webereien  von  Nordlancashire  beschränken ­
  sich  auf  einen  gutgehenden  Stapelartikel.  Der
deutsche  Fabrikant  führt  dagegen  viele  Muster.  Wenn  die
Maschinen  häufig  umgestellt  und  die  Arbeiter  auf  andere
Arbeit  eingeschult  werden,  sinkt  die  Leistung.  Die  Maschinen
werden  stärker  abgenutzt.  Der  Nachteil,  der  den  Elsässern
dadurch  erwuchs,  daß  sie  die  Zahl  ihrer  Garnnummern  vermehrten, ­
  -wurde  auf  15  °,  o  geschätzt 1 .
Schließlich  sei  noch  ein  Blick  auf  den  automatischen
Charakter  und  die  Geschwindigkeit  der  Maschinen  geworfen,
insofern  sie  eine  Steigerung  der  Leistung  in  der  Zeiteinheit
bedingen.  Bei  einer  rein  automatischen  Maschine  wäre  der
Ertrag  durch  das  Produkt:  Arbeitszeit  X  Geschwindigkeit
festgelegt.  Aus  dieser  Anschauung  heraus  stellt  etwa  ein
Jutespinner  die  typische  Behauptung  auf:  „In  unserer  Branche
geht  alles  nach  dem  Uhrwerk,  und  eine  Viertelstunde  Zeitverlust ­
  bedeutet  auch  eine  Viertelstunde  Zeitverlust  beim
Wochenabschnitt 1  2  3 .“  In  Wahrheit  sind  die  Fälle,  wo  eine
Maschine  mit  feststehender  Geschwindigkeit  absolut  unabhängig ­
  von  dem  individuellen  Können  des  Arbeiters  läuft,
recht  sporadisch.  Die  ununterbrochen  laufenden  Krempel
der  Spinnerei  könnten  hierher  gerechnet  werden.  Selbst  bei
ihnen  lassen  sich  nicht  alle  toten  Zeiten  aus  der  Welt  schaffen.
Wenn  die  Arbeiterin  sich  entfernt,  plaudert  usw.,  entstehen
Pausen,  in  denen  die  Maschine  natürlich  leer  läuft.
Jede  Steigerung  der  Maschinengeschwindigkeit  zwingt
auch  den  Menschen  zu  einer  Entfaltung  größerer  Arbeits-1

  Schulze-Gävernitz,  Der  Großbetrieb,  1892,  S.  100,  108.  —  Vgl.
ferner  Schüler,  Schriften,  S.  115.  —  Schönhoff',  The  Economy  of  High
Wages,  1892,  p.  235.
3  Nach  R.  Martin,  Arch.  f.  soz.  Gesetzgeb.  u.  Stat.  VIII,  S.  276.  —
Ähnliche  Anschauungen  z.  B.:  Die  Arbeitszeit  d.  Fabrikarbeiterinnen,
S.  149-150,  159,  162.