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seinerzeit  72  Stunden  beträgt 1 .  Niemand  wird  leugnen,  daß
es  schlechte  oder  veraltete  Maschinen  gibt,  denen  selbst  der
beste  Arbeiter  keine  Mehrleistung  abzuringen  vermag.  „Aus
solchen  Fällen“,  sagt  Schüler,  „holen  einzelne  ihre  Beweise
für  die  angebliche  Schädigung  des  verkürzten  Arbeitstages.
Aber  es  sind  Ausnahmefälle;  unendlich  häufiger  ist  alles  eingebracht, ­
  und  zwar,  wie  zahlreiche  Industrielle  betonen,  bald
nach  der  Quantität  der  Leistung,  bald  durch  ihre  verbesserte
Qualität 1  2  * .“
Ein  großer  englischer  Eisenindustrieller  erklärt  geradezu:
„Zwei  absolut  identische  Maschinen  können  nach  ihren  Leistungen
völlig  voneinander  abweichen,  je  nachdem  Fähigkeit  und  Impuls ­
  —  ability  and  push  —  auf  Seiten  des  Arbeiters  fehlen 8 .
In  einer  großen  englischen  Schuhfabrik  schwankt  die  wöchentliche ­
  Produktion  bei  einer  bestimmten  Aufzwickmaschine  je
nach  Geschicklichkeit  und  Eifer  des  Arbeiters  zwischen  666
und  1270  Paar  Stiefeln 4 .  Auch  Schönhoff  berichtet,  das  gleiche
Maschinen  bei  gleichen  Aufgaben  die  verschiedensten  Resultate
zeitigten 5  6 .  Ja,  in  vielen  Fällen  wird  sich  der  persönliche
Faktor  bei  Maschinenarbeit  noch  bemerkbarer  machen  als
bei  Handarbeit,  da  er  bei  jener  auf  mehr  Material  zu  wirken
vermag.  Rae  will  bei  Tätigkeiten  ohne  Maschine  die  Arbeit
von  drei  Engländern  der  von  vier  bis  sechs  Franzosen  gleichsetzen, ­
  bei  Arbeiten  mit  Maschine  aber  der  von  neun  Franzosen.
Eine  starke  Übertreibung  auf  Kosten  der  „insularity“,  die
doch  einen  sehr  wahren  Kern  birgt.
Auf  solcher  Grundlage  erwächst  höhere  Intensität  der
Arbeit.  Nur  so  ist  es  möglich,  wie  der  ehemalige  Minister
Chamberlain  aus  seiner  Tätigkeit  als  Maschinenbauer  berichtet,
daß  dieselben  Arbeiter  mit  denselben  Maschinen  ihre  Stundenleistung ­
  bedeutend  steigern,  nachdem  die  Arbeitszeit  allmählich ­
  von  12  auf  9  Stunden  herabgesetzt  wird;  nur  so  wird
erklärlich,  daß  in  einer  Schweizer  Maschinenfabrik  der  durchschnittliche ­
  Stundenlohn  von  58  auf  63  Rappen  steigt,  obschon
die  Arbeitszeit  eine  Reduktion  von  15,25°  o  erfahren  hat®.
Nicht  weniger  hat  sich  jüngst  die  Einführung  dreifacher  Achtstundenschichten ­
  in  einer  großen  Maschinenbauanstalt  des
Handelskammerbezirks  Potsdam  bewährt.  Die  Löhne  bleiben
hier  auf  der  alten  Höhe,  „da  die  Leute  durch  intensiveres
Arbeiten  den  Ausfall  der  längeren  Arbeitszeit  ausgleichen 7 .
1  Hdwb.  d.  Staatsw.,  1.  Aufl.,  I,  Suppl.,  S.  151.
2  F.  Schüler,  Ausgew.  Schriften,  1905,  S.  92.
*  J.  Rae,  S  111.
4  S.  u.  B.  Webb,  Theorie  u.  Praxis  der  engl.  Gewerkvereine,  1898,
L,  S.  366
5  Schönhoff,  The  Economy  of  high  Wages,  1892,  S.  26.
6  Brentano,  Das  Verhältnis  von  Arbeitslohn  und  Arbeitszeit  zur
Arbeitsleistung,  S.  79.  —  Soziale  Praxis,  1906,  S.  69.
1  Jahresber.  d.  Potsdamer  Handelsk.,  Sitz  Berlin,  1907,  S.  89.