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Die  gleiche  Tendenz  kommt  auf  der  ganzen  Breite  der
Textilindustrie  zum  Durchbruch.  Der  englische  Weher
versieht  3—4,  in  neuerer  Zeit  sogar  6—8  Stühle;  ein
Italiener  meist  einen,  ein  Deutscher  durchschnittlich  zwei
Stühle  *.  —  Die  Textilindustrien  von  Lancashire  und  Glasgow
konkurrieren  ernsthaft  miteinander.  Abgesehen  von  einigen
Spezialitäten  schlägt  Lancashire  Glasgow  stets,  sobald  es  auf
die  Quantität  ankommt.  Der  von  Glasgow  abgesandte  Kommissar ­
  führt  in  seinem  Bericht  aus,  daß  die  Webekosten  in
Schottland  höher  sind  als  in  Lancashire,  obgleich  der  Schotte
nur  den  halben  Lohn  bezieht.  Er  leistet  dafiir  weniger,  bedient ­
  nur  zwei  Webstühle,  während  der  Lancashiremann
mindestens  vier  übernimmt 1  2  3 .
Die  amerikanische  Industrie  stellt  bekanntlich  bei  hohen
Löhnen  und  relativ  kurzen  Arbeitszeiten  an  ihre  Arbeiter
hohe  Anforderungen.  1893  werden  in  den  Merrimack  Mills
(Massachusets)  8  Stühle  von  einer  Person  übernommen;  in
Nashua  (New-Hampshire)  je  nach  Gewebeart  und  Geschicklichkeit ­
  2,  4,  6  Stulile.  In  einem  Etablissement  überwachen
15  Weber  oder  Weberinnen  4  Stühle,  17  haben  5,  126  6,
1  hat  7  und  18  haben  8  unter  sich 8 .  Diese  Verhältnisse
setzten  französische  VV'eber,  die  als  Delegierte  auf  die  Ausstellung ­
  von  Chicago  gesandt  waren,  in  Staunen.  Nach  französischem ­
  Brauch  bedient  ein  Weber  nur  zwei  Stühle.
In  dem  neusten  Stadium  der  amerikanischen  Textilindustrie ­
  kommt  das  Prinzip  „mehr  Maschinen  in  einer  Hand“
wieder  deutlich  zur  Geltung.  Je  vollendeter  die  Maschine,
desto  mehr  Stühle.  Der  amerikanische  Northropstuhl  automatisiert ­
  den  Spulenwechsel.  Statt  8  erhält  ein  Weber
jetzt  16—20  Stühle  zur  Aufsicht 4 .  Er  hat  vor  allem  die
Spulentrommel  zu  füllen  und  zerrissene  Kettenfäden  anzuknüpfen. ­
  In  amerikanischen  Webereien  gibt  es  Leute,  die
ihre  Arbeit  in  eine  Hetzjagd  verwandeln.  Sie  bedienen  bis
zu  30  und  40  Stühlen,  indem  sie  in  einem  Rennen  bleiben 5  *  * .
Solche  Auswüchse  können  natürlich  zu  Schädigungen  des
Nervensystems  führen.
W r ährend  die  Arbeitszeit  allmählich  sinkt  und  die  Produktion ­
  steigt,  nimmt  in  allen  Zentren  des  Textilgewerbes  die
Gesamtzahl  der  Spindeln  und  Webstiihle  weit  stärker  zu,  als
die  Zahl  der  Arbeiter.  Die  englische  Entwicklung  weist
1856—1885  folgenden  Verlauf  auf 0 :
1  Vgl.  E.  Müller,  Hdb.  d.  Weberei,  1896,  S.  713.
2  J.  Rae,  8.  155.
3  E.  Levasseur,  L’ouvrier  americain,  1898,  I,  S.  97.
4  E.  Levasseur,  1,  S.  98,  137.  —  E.  Müller,  Hdb.  d.  Weberei,  S.  1117.
5  Der  Northropwebstuhl,  Deutsche  Technische  Rundschau,  1905,
Nr.  23.
8  Schulze-Gävernitz,  Zum  soz.  Frieden,  1890,  II,  S.  276.