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138.

Bei  gleichen  Zeitlöhnen  steigt  der  Rohertrag,  ohne  daß  Wandlungen ­
  in  Technik,  Geschwindigkeit  der  Maschinen  und  Selbstkosten ­
  eintreten.  Statt  von  6—5  Uhr  mit  zwei  Pausen,  lauft
der  Betrieb  von  8—5  Uhr  mit  einer.  Die  erste  Pause  konnte
ausfallen,  da  die  Leute  schon  gefrühstückt  hatten.  Jede  Unterbrechung ­
  bringt  den  Verlust  einer  Viertelstunde  mit  sich,  der
aus  dem  Fertigmachen  zum  Aufhören  und  mit  den  Vorbereitungen ­
  beim  Wiederbeginn  der  Arbeit  entspringt.  Ferner
steigt  die  Arbeitsfähigkeit  in  den  Morgenstunden.  Früher
wurde  vor  dem  Frühstück  wenig  getan,  die  Leistung  war
50°/o  weniger  wert.  Schließlich  wird  ein  Weg  nach  Hause
gespart.  —  Übrigens  mißt  auch  Mather  der  Verlegung  des
Frühstücks  vor  die  Arbeit  einen  bedeutenden  Einfluß  auf  die
Steigerung  der  Arbeitsleistung  zu.  Nach  der  Mahlzeit  ist  die
Muskelleistung,  wie  experimentell  festgestellt  wurde,  höher
als  vorher;  Nahrungsaufnahme  begünstigt  die  geistige  Leistungsfähigkeit ­
  1 .
Der  Inhaber  einer  Offenbacher  Schuhfabrik  erklärt:  „Der
Neunstundentag  bewährt  sich  vorzüglich.  Ich  habe  damit
erreicht,  daß  die  Frühstücks-  und  Vesperpausen  mit  dem
unvermeidlichen  Biertrinken  wegfallen.  Die  Arbeiter  sind
und  bleiben  nüchtern,  leisten  dadurch  mindestens  dasselbe  wie
in  10  Stunden,  was  ich  durch  mehrwöchentliche  Versuche
genau  feststellte“ 1  2 .  —  Auch  das  Dejeuner  des  französischen
Arbeiters  bedeutet  nicht  nur  einen  unverhältnismäßig  großen
Zeitverlust,  sondern  hat  noch  den  Nachteil,  gewöhnlich  in  der
Kneipe  mit  Alkoholgenuß  eingenommen  zu  werden.  Nach
den  Versuchen  Aschaffcnburgs  setzt  schon  mäßiger  Alkoholgenuß ­
  die  Leistungsfähigkeit  bei  praktischer  Arbeit  um  1,1,2  °/o
herab 3 .  In  solchen  Fällen  könnte  eine  zweckmäßige  Änderung
der  Arbeitsordnung  erzieherisch  wirken  und  die  Leistung
trotz  kürzerer  Arbeitszeit  auf  der  Höhe  halten.
England  und  Amerika  haben  im  allgemeinen  bei  relativ
kurzem  Arbeitstag  eine  einzige  Mittagspause 4 .  Die  sogenannte

1  Römer,  Versuche  über  Nahrungsaufnahme  und  geistige  Leistungsfähigkeit. ­
  Psychologische  Arbeiten,  heran-geg.  v.  Kraepelin,  It.  S  695.
—  vgl.  Kraepelin,  Zur  Hygiene  der  Arbeit.  Neue  Heidelberger  Jahrbücher, ­
  1896,  S.  242.  —  Die  Steigerung  der  Leistungsfähigkeit  ist  sehr
wohl  mit  der  Tatsache  vereinbar,  dal!  sich  nach  gröberen  Mahlzeiten
während  einer  kleinen  Spanne  Zeit  eine  gewisse  Indisposition  zur  Arbeit
einstellt.  Die  körperlichen  Energien  werden  nämlich  während  dieser
kurzen  Periode  in  bedeutendem  Maße  durch  den  Verdauungsprozeß  absorbiert. ­

2  Soz.  Praxis,  1905,  S.  33.  —  Ähnlicher  Erfolg  z.  B.  Jahresbericht
d.  Großherzogi.  Bad  Fabrikinspektion,  1905,  S.  42.
3  G.  Asehaff'enburg,  Praktische  Arbeit  unter  Alkoholgenuß,  psych.
Arb.,  herausgeg.  v.  Kraepelin,  Bd.  1,  8.  626.
4  P.  Möller,  S  164.  —  Shadwell  (England,  Deutschland  und  Amerika,
S.  333;  erwähnt  übrigens  auch  für  englische  Verhältnisse  eine  Frühstückspause. ­
