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tag  die  Mittagsruhe  nicht  entbehren.  Darauf  weist  die  gegen
Mittag  anwachsende  Unfallhäufigkeit  eindringlich  hin.  Auch
Kraepelin  hält  auf  Grund  seiner  Versuchserfahrungen  die
Verlegung  der  Hauptmahlzeit  in  die  Mitte  des  Tages  für  vorteilhafter ­
  als  die  Verschiebung  derselben  an  das  Ende  der
Arbeit 1 .  Die  Muskelleistung  ist  nach  der  Mahlzeit  höher  als
am  Vormittag 1  2 .  Auf  dem  internationalen  Kongreß  für  Arbeiterkrankheiten ­
  hat  Pieracini  gezeigt,  daß  die  Produktionskurve
bei  Hand-  und  geistigen  Arbeitern  in  der  letzten  Stunde  vor
Mittag  und  Abend  beträchtlich  abnehme 3 .  Überhaupt  vertragen ­
  nur  kräftige  Arbeiter  —  Frauen  dagegen  schon  weniger
leicht  —  die  Beseitigung  der  anderen  kleinen  Pausen 4  5  6 .
Die  Dauer  der  Mittagsruhe  ist  von  lokalen  Einflüssen
abhängig.  In  der  Großstadt  und  auf  dem  Lande  kommen
andere  Bedürfnisse  zur  Geltung  als  in  der  Mittel-  und  Kleinstadt®. ­
  In  der  Enquete  von  1902  erklären  4 /s  der  deutschen
Aufsichtsbeamten  eine  allgemeine  Verlängerung  der  Mittagspause ­
  von  1  auf  Vh  Stunden  für  unnötig®.  Eine  halbe  Stunde,
wie  sie  in  Amerika  vielfach,  bei  uns  vereinzelt  vorkommt,
dürfte  das  hygienische  Minimum  bilden,  das  in  einzelnen  Fällen
schon  überschritten  wird 7 .  Nur  unter  besonders  günstigen
Umständen  kann  die  Mittagspause  an  das  Ende  der  eigentlichen ­
  Arbeit  gelegt  werden.  Zwei  Spinnereien  führen  englische ­
  Arbeitszeit  auf  folgendem  Wege  ein.  In  der  einen  läuft
der  Betrieb  für  alle  Erwachsenen  ununterbrochen  von  6V2  bis
1  Uhr.  Nach  einstündiger  Mittagspause  findet  die  Reinigung
statt;  um  2 3 /4  Uhr  verlassen  die  Arbeiter  die  Fabrik.  Bei
der  anderen  wird  von  6  bis  2  mit  halbstündiger  Ruhe  um
12  durchgearbeitet;  auch  hier  ist  alles  um  2 a U  fertig.  „In
beiden  Spinnereien  sind  Arbeiter  und  Arbeitgeber  mit  der
Neueinrichtung  durchaus  zufrieden.  Produktions-  und  Lohnausfälle ­
  sind  bis  jetzt  nicht  eingetreten.  Auch  ist  von  mißbräuchlicher ­
  Benutzung  der  gewährten  freien  Zeit  nichts  bemerkt ­
  worden 8 .“
Im  ganzen  hat  der  Arbeiter  tale  quäle  natürlich  keinen

1  Kraepelin,  Zur  Hygiene  der  Arbeit,  Neue  Heidelberger  Jahrbücher, ­
  ls96,  S.  242.  —  Vgl.  ferner  G.  Heilig,  Fabrikarbeit  und  Nervenleiden. ­
  Berliner  Dissertation  1908,  8.  23.
2  Psychologische  Arbeiten,  herausgeg.  v.  Kraepelin,  III,  S.  689.
8  Soziale  Praxis,  1906,  S.  1054.
4  J.  Rae,  S.  37.  —  Schüler,  Schriften,  S.  112.
5  Es  kommt  auf  die  Entfernung  der  Wohnung  von  der  Betriebsstätte ­
  an.  Vgl.  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen,  S.  90,  302.
6  Die  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen,  S.  302,  327.
7  Morgener  (Die  englische  Arbeitszeit.  „Konkordia“,  Zeitschrift
der  Zentralstelle  für  Volkswohlfahrt,  1908,  S.  134)  weist  auf  Fälle
sinkender  Leistung  bei  zu  kurzer  Mittagspause  hin.  M.  Rubner
(Lehrb.  d.  Hygiene,  1907,  S.  738)  betont,  daß  die  Ernährung  der  Arbeiter
vielfach  leidet,  weil  die  Mittagspause  zu  kurz  ist.
8  Preußische  Jahresberichte,  1904,  S.  307.