138.

47

Einfluß  auf  die  Regelung  der  Pausen;  im  einzelnen  kommt  es
aber  sehr  darauf  an,  ob  er  sich  seine  Zeit  beim  Beginn  und
während  der  Arbeit  gut  oder  schlecht  einteilt.  Bei  Verkürzung
des  Arbeitstages  kommt  oft  ein  neuer  Geist  der  Pünktlichkeit
zur  Herrschaft.  Eine  frischere  Atmosphäre  von  Arbeitsfreude
zieht  in  die  Werkstatt  ein.  Besonders  die  Akkordlöhnen
passen  beim  Beginn  und  während  der  Arbeit  mehr  auf,  da
sie  wissen,  daß  ihnen  keine  Überstunden  bleiben,  um  Versäumtes ­
  nachzuholen.  Alle  sind  pünktlicher 1 .  Eine  Schiffsbaufirma ­
  findet  etwa,  daß  die  Arbeiter  nach  Fierabsetzung  der
wöchentlichen  Arbeitszeit  von  53  auf  48  Stunden  nicht  soviel
Zeit  vergeuden  und  mehr  als  früher  leisten.  Bei  dem  alten
System  fingen  15—20°/o  der  Leute  erst  nach  Verlust  einer
Viertelstunde  wirklich  an  zu  arbeiten 1  2  3  *  * .
Das  Trödeln  am  Nachmittage  hört  auf,  während  vorher
„die  Natur  ihr  Recht  gefordert  hatte“.  Freese  stellt  eine
Verringerung  der  Strafgelder  wegen  Verspätung  fest.  Bei
langer  Arbeitszeit  ist  der  gesamte  Produktionsprozeß,  trotz  der
größeren  Pausen,  von  einem  gewissen  laisser-aller  durchsetzt.
Von  der  Arbeitsintensität  der  Überstunden  wurde  schon  früher
gesprochen.  —  In  gegebener  Spanne  Zeit  nützt  vielleicht  allein
der  amerikanische  Arbeiter,  soweit  es  an  ihm  liegt,  seinen
Arbeitstag  richtig  aus,  während  der  ebenbürtige  deutsche  Arbeiter ­
  infolge  der  verfehlten  Akkord-  und  Prämienpolitik  von
oben  sein  Können  bei  weitem  nicht  auf  das  Höchstmaß  steigert 8 .

Fünftes  Kapitel.
Die  Betriebsorganisation  als  Voraussetzung  höherer
Arbeitsintensität.
Die  durch  die  Arbeitsordnung  gegebene  allgemeine  Verteilung ­
  von  Ruhe  und  Tätigkeit  stellt  nur  eine,  gewissermaßen ­
  äußerliche  und  leicht  zu  fassende  Seite  des  Einflusses
dar,  den  die  Betriebsorganisation  auf  die  Arbeitsintensität  übt.
Dieser  geht  noch  weiter,  umfaßt  wichtige  Faktoren  anderer
Art.  Die  Betriebsorganisation  ist  nicht  nur  Arbeitsordnung
im  engeren  Sinn,  sondern  auch  die  Form,  die  allen  Vorgängen
der  Fabrik  die  Bahn  vorzeichnet.  Sie  ist  Rahmen  des  gesamten ­
  Produktionsprozesses,  die  zusammenfassende  Einheit
aller  Betriebselemente,  deren  Ablauf  sie  regelt  und  ordnet.
1  Vgl.  J.  Rae,  S.  114—115.  —  Derselbe,  Neue  Fortschritte  zur
Achtstundenbewegung  in  England,  Arch.  f.  soz.  Gesetzgeb.  u.  Stat.,
1898,  S.  18/19.  —  H.  v.  Nostiz,  Das  Aufsteigen  des  Arbeiterstandes  in
England,  S.  512.  —  ßayr.  Jahresber.,  1907,  S.  195  usw.
3  Soz.  Praxis,  1898,  S.  1371.
3  Dieser  wichtige  Punkt  gut  hervorgehoben  bei  J.  H.  West,  Verfehlte ­
  Akkordpolitik,  Deutsche  Industriezeitung,  1905,  S.  162—163.