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Um  den  ganzen  Unterschied  hervortreten  zu  lassen,  halte  man
gegen  diese  Produktionsmethode  die  Tätigkeit  des  Maschinenarbeiters, ­
  der  mit  Hilfe  von  Schablonen  und  Lehren  nach
Normalien  und  Standards  arbeitet.  Wenn  ein  Handwerker
einmal  bei  sogenannter  Dutzendware  mehrere  Exemplare  zugleich ­
  herstellen  kann,  so  Stellt  sich  dies  schon  oft  um  die  Hälfte
billiger  als  Einzelstückarbeit 1 .  Im  großen  ganzen  wechselt  die
Arbeit  innerhalb  und  außerhalb  der  Werkstatt  beständig,  weil
der  Kleinmeister  seine  Tätigkeit  nach  Zeit,  Ort,  Güte  und
Dauer  den  Wünschen  des  Kunden  unterordnen  muß.  Ganz
deutlich  zeigt  sich  dies  auf  dem  wichtigsten  Gebiet,  das  dem
Handwerk  verblieben  ist,  den  Reparatur-  und  Anbringungsgewerben. ­

Diese  Verhältnisse  ändern  sich  nicht  wesentlich,  wenn
einfache  Handwerksmaschinen  angewendet  werden.  Die
physische  Leistungsfähigkeit  bleibt  begrenzt,  da  der  Handwerker ­
  meist  nicht  Motorkraft,  sondern  Hand-  oder  Fußbetrieb
benutzt.  Erst  die  Kraftmaschine  macht  wirklich  Muskelenergie
frei,  während  die  einfache  Handwerksmaschine  erst  eine  Ersparnis ­
  an  Nervenkraft  bedeutet.  Der  Handstuhl  stellt  etwa
eine  solche  Maschine  dar,  als  deren  Motor  der  Mensch  fungiert *  1  2 .
Bei  Minderung  der  Arbeitszeit  ist  der  Verlust  am  Handstuhl ­
  meist  ein  voller.  In  der  Schweizer  Stickereiindustrie

Werkzeugen  ausgeführt  wird.  ...  In  der  Regel  schlendert  man  ein
wenig,  wenn  man  seine  Hand  von  einer  Art  Beschäftigung  auf  eine
andere  wendet.  Wenn  man  zuerst  an  die  neue  Arbeit  geht,  ist  man
selten  recht  rührig  und  herzhaft.  Der  Geist  ist,  wie  man  zu  sagen
pflegt,  noch  nicht  bei  der  Sache,  und  eine  Zeitlang  trödelt  man  mehr,
als  daß  man  die  Zeit  zu  Rat  hält  (A.  Smith,  a.  a.  0.,  S.  7).  Vgl.  auch
G.  Müller,  a.  a.  0.,  S.  154.
1  E.  Herrmann,  Prinzipien  der  Wirtschaft,  S.  269.  —•  Dementsprechend ­
  wird  auch  in  der  Industrie  die  Anzahl  der  Arbeitsstücke
berücksichtigt  und  Einzelstückarbeit  höher  bezahlt  (L.  Bernhard,  Die
Akkordarbeit  usw.,  S.  146).
2  Folgende  Schilderung  zeigt  deutlich,  wie  große  körperliche  Anforderungen ­
  die  Bedienung  des  Handstuhls  mit  sich  brachte.  „Die
Arbeit  auf  dem  Handstuhl  war  mit  sehr  großen  körperlichen  Beschwerden ­
  und  Anstrengungen  verbunden.  Der  Handweber  saß  eigentlich ­
  kaum  an  seinem  Webstuhl,  sondern  er  lag  mehr  vor  dem  Baum,
er  arbeitete  sozusagen  hängend  mit  Händen  und  Füßen  zugleich.  Diese
Art  der  Arbeit  griff  seinen  Körper  so  sehr  an,  daß  einzelne  Teile  desselben ­
  bei  langandauernder  Arbeit  wund  wurden;  empfindliche  Schmerzen
an  den  Knöcheln  und  Spitzen  der  Finger  infolge  des  Werfens  und
Auffangens  der  Schützen,  sowie  des  Zurückschiebens  der  Lade,  waren
die  Folgen  der  Arbeit  des  Handwebers;  an  der  Geschwulst  auf  den
Fingerknöcheln  war  der  Handweber  zu  erkennen.  Eine  solche  Arbeitsleistung ­
  war  schwer,  insbesondere  bei  der  Samtweberei  und  stellte  hohe
Anforderungen  an  die  körperliche  Leistungsfähigkeit  der  Arbeiter,  wenn
auch  die  Muskelkraft  dabei  nicht  so  sehr  m  Anspruch  genommen  wurde,
wie  bei  manchen  anderen  Gewerben.“  (H.  Brauns,  Der  Übergang  von
der  Handweberei  zum  Fabrikbetrieb  in  der  Niederrheinischen  Samtund
  Seidenindustrie,  Forschungen,  herausgeg.  v.  Schmollet-  u.  Sering,
1906,  S.  184.)