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ist  es  bei  Handbetrieb  nicht  möglich,  in  11  Stunden  die  gleiche
Leistung  wie  in  12  zu  erzielen,  obgleich  die  Intensität  ein
wenig  steigt.  So  stellt  ein  Betrieb  fest,  daß  sechs  Arbeiter  statt
2648  nur  2629  Stiche  machen.  Dagegen  hat  eine  größere
Stickerei  mit  Motorbetrieb  unter  den  gleichen  Bedingungen
eine  Mehrleistung  von  7,7  °/o  zu  verzeichnen  1 .  —
Die  Rückständigkeit  der  Kleinmeister  geht  freilich  so  weit,
daß  durchaus  rentable  Handwerksmaschinen  aus  Unkenntnis,
Eigensinn  oder  Geldmangel  nicht  angeschafft  werden 1  2 .  Zu
alledem  kommt  noch  der  alte  Schlendrian  des  Handwerks.
Es  wird  gebummelt  und  geht  gemütlicher  her  als  in  der  großen
Industrie.  Adam  Smith  sucht  nachzuweisen,  daß  der  Handwerker, ­
  der  seine  Verrichtungen  und  Werkzeuge  alle  halben
Stunden  wechselt,  und  seine  Hände  jeden  Tag  auf  zwanzigerlei
Art  braucht,  notwendigerweise  der  Gewohnheit  des
Schlenderns,  des  gleichgültigen,  lässigen  Arbeitens  anheimfallen ­
  muß.  Wie  dem  auch  sei:  durch  größere  Regelmäßigkeit, ­
  Pünktlichkeit,  Zuverlässigkeit  ließe  sich  vielleicht  doch
etwas  erreichen.  Der  eigentliche  Grund  dafür,  daß  keine
höhere  Arbeitsintensität  eintreten  kann,  liegt  freilich,  wie  zu
zeigen  versucht  wurde,  in  den  technischen  Zuständen.  Dies
muß  Sombart  gegenüber  gesagt  werden,  wenn  er  glaubt,  daß
der  Handwerker  keinen  prinzipiellen  Hinderungsgrund  hat,
seine  Leistung  wie  ein  Lohnarbeiter  zu  intensivieren 3 .
Während  veraltete  Handwerksmethoden  einer  Verdichtung
der  Produktionsakte  auf  eine  kürzere  Zeitperiode  widerstehen,
läßt  sich  diese  Beschränkung  keineswegs  auf  jede  Handtätigkeit ­
  schlechthin  ausdehnen.  Es  gibt  Fälle  spezifischer  Handarbeit, ­
  wie  die  anstrengende  Tätigkeit  der  Häuer  im  Bergbau, ­
  deren  Arbeit  mehr  auf  Kraft  und  Ausdauer  als  auf  Berufsgeschicklichkeit ­
  und  Spezialkönnen  beruht.  Die  Häuer
von  Northumberland  haben  z.  B.  einen  sprichwörtlich  schnellen
Schlag.  Eigentliche  Abbaumaschinen  sind  ja  noch  ziemlich
sporadisch.  Das  Arbeitsprodukt  weist  keine  vom  Arbeiter
abhängigen  Qualitätsdifferenzen  auf.  Jeder  eventuelle  Zuwachs
an  Energie  und  Spannkraft  kann  sofort  in  mehr  Leistung

1  Schüler,  Schriften,  S.  99—100;  ders.:  Arch.  f.  soz.  Gesetzgeb.  u.
Stat.,  Bd.  IV,  S.  92  f.
2  Dem  Kleinbinder  fehlt  so  die  Bindemaschine,  dem  Glaser  die
Rundschneidemaschine,  dem  Schlosser  Blechschere  und  Lochstanze.
Viele  Schuhmacher  sind  ohne  Nähmaschine,  zahlreiche  Bäcker  ohne
Teigteilmaschine  (G.  Müller,  S.  161).  Ferner  gibt  es  Meister,  die  eine
Handwerksmaschine  unbenutzt  stehen  lassen,  weil  sie  starrköpfig  an
dem  alten  Verfahren  hängen.  —  Im  großen  und  ganzen  müssen,  wie
Zöpfl,  Nationalök.  d.  techn.  Betriebskraft,  S.  193,  hervorhebt,  die
Arbeitsmaschinen  des  Großbetriebs  dem  Handwerk  fehlen,  so  lange  es
Handwerk  bleiben  und  nicht  die  Massenartikel  der  Arbeitsmaschinen,
sondern  individuelle  Arbeitsleistungen  liefern  will.
3  W.  Sombart,  Der  moderne  Kapitalismus,  1902,  II,  S.  509—510.