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Technik  hat  dagegen  die  gleiche  Existenzbasis,  wie  Handspinner ­
  und  -weher:  lange  Arbeitszeiten  und  niedrige  Löhne.
Bei  allen  Handstühlen  entspricht  der  Produktionsverlust  vielfach ­
  genau  dem  Ausfall  an  Arbeitszeit,  eine  Tatsache,  die
auch  durch  die  Erfahrungen  der  irischen  Flachsspinnerei  bestätigt ­
  wurde 1 .  Die  alten  Tuchmachermeister  waren  aus  diesem
Grunde  so  einsichtsvoll,  für  die  Zeit  von  Michaelis  bis  Weihnachten ­
  zwei  Pfennig  mehr  Stücklohn  zu  geben.  In  diesen
Monaten  sank  nämlich  die  Arbeitszeit  auf  sieben  Stunden,  da
das  Weben  bei  Kerzenlicht  verboten  war 1  2  3 .  Die  gesetzliche
Normierung  eines  kürzeren  Arbeitstages,  die  den  größeren
Unternehmungen  mindestens  nicht  schadet,  würde  den  kleinen
an  einem  gewissen  Punkt  den  Lebensfaden  abschneiden.  „Die
praktische  Wirkung  der  Neunstundenbewegung  war  der  Ruin
der  kleinen  Unternehmer.“  —  Diesen  Eindruck  hat  ein  Fabrikant
bei  einem  Rückblick  auf  die  26jährige  Wiederkehr  des  neunstündigen ­
  Normalarbeitstages  im  englischen  Maschinenbau 8 .
In  der  Schweiz  leisten  die  kleinen  Werkstätten  schon  hartnäckigen ­
  Widerstand,  als  sie  sich  einem  Maximalarbeitstag
von  11  Stunden  unterwerfen  sollen.
Kleine  Betriebe  arbeiten  länger  als  größere:  das  ist  eine
häutig  festzustellende  Regel,  die  der  Gewerbeinspektor  von
Erfurt  in  die  Worte  kleidet:  „Je  kleiner  der  Betrieb,  desto
länger  die  Arbeitszeit“ 4 .  Durchgehend  wird  diese  Tatsache
z.  B.  in  den  Werkstätten  der  wiener  Spenglerei  bestätigt 5  6 .
In  Prag  haben  1893  von  136  beobachteten  Kleinbetrieben
nicht  weniger  als  65,  d.  h.  rund  die  Hälfte,  regelmäßig  eine
die  normale  elfstündige  überschreitende  Arbeitszeit,  eine  geringere ­
  nur  27 8 .
„Kein  Industriezweig“,  sagt  Marx,  „hat  eine  so  altertümliche, ­
  ja  wie  man  aus  den  Dichtern  der  römischen  Kaiserzeit
ersehen  kann,  vorchristliche  Produktionsweise  beibehalten,
wie  die  Bäckerei 7 .“  Ungefähr  40000  Teigteilmaschinen  werden
1  Brentano,  S.  35,  81.
"  R.  Martin,  Zur  Verkürzung  der  Arbeitszeit  in  der  mech.  Textilindustrie, ­
  Arch.  f.  soz.  Gesetzgeb.  u.  Stat.,  VIII,  S.  241.
3  S.  u.  B.  Webb,  Theorie  und  Praxis  der  englischen  Gewerkvereine, ­
  1898,  II,  S.  252.
4  Jahresbericht  der  Gewerbeaufsichtsbeamten  für  1896,  S.  193.  —
Ebenso  Jahresbericht  d.  Großherzogi.  bad.  Fabrikinspekt.  f.  1898,  S.  30.
—  Lange  Arbeitszeiten  im  Kleingewerbe  und  Widerstand  gegen  Kürzung
derselben,  siehe  St.  Bauer,  Die  Entwicklung  zum  Zehnstundentag,  Arch.
f.  soz.  Gesetzgeb.  u.  Stat.,  1904,  S.  209,  210.
6  Die  Arbeits-  und  Lebensyerhältnisse  der  Wiener  Lohnarbeiterinnen, ­
  1897,  S.  423.
0  H.  Wäntig,  Gewerbliche  Mittelstandspolitik,  1898,  S.  267.  —
Vgl.  hierzu  S.  266—268  die  weiteren  zahlreichen  Belege  aus  den  Berichten ­
  der  österreichischen  Gewerbeinspektoren  und  Enqueten,  sowie
S.  264  den  Nachweis,  daß  das  Kleingewerbe  beständig  die  Sonntagsruhe ­
  durchlöchert.
7  Marx,  Kapital,  1872,  I,  S.  242.