Vierter  Teil.

Die  persönlichen  Ursachen  höherer  Arbeitsintensität
bei  kürzerer  Arbeitszeit.

Wir  fanden,  daß  der  unmittelbare  Träger  höherer  Arbeitsintensität ­
  bei  kürzerer  Arbeitszeit  auf  der  subjektiv-persönlichen ­
  Seite  des  Produktionsprozesses  zu  suchen  ist  (vgl.
S.  54—55  dieser  Arbeit),  daß  die  Technik  als  eine  conditio
sine  qua  non  fungiere.  Wenn  dem  so  ist,  müssen  die  im
Wesen  der  menschlichen  Arbeitskraft  liegenden  Ursachen
aufgesucht  werden,  die  trotz  kürzerer  Arbeitszeit  gleiche,
ja  vermehrte  Leistungsfähigkeit  bewirken.  Man  kann  diese
Faktoren  allgemein  beschreiben  als  Folge  größerer  Erfrischung ­
  durch  längere  Erholungszeit,  geringere  Anstrengung
bei  kürzerer  Dauer  der  Arbeit,  Gewinn  an  physischer  und
intellektueller  Energie.
Nun  ist  keineswegs  selbstverständlich,  daß  bei  Kürzung
des  Arbeitstages  irgendeine  Kräfteersparnis  eintreten  muß.
Nach  dem  Prinzip  von  der  Erhaltung  der  Energie  erfordert
die  auf  eine  kürzere  Spanne  Zeit  verdichtete  Arbeitsleistung
mindestens  den  gleichen  Kraftaufwand.  Physikalisch  ist
etwa  die  geleistete  Arbeit,  abgesehen  von  der  Reibung  gleich
groß:  ob  man  ein  Gewicht  langsam  eine  schiefe  Ebene  entlang ­
  aufwärtsschiebt,  oder  es  schnell  die  Höhe  hinaufzieht.
Ja,  aus  der  physiologischen  Sphäre  kennt  jeder  genug  Fälle,
wie  Laufen,  Bergsteigen,  Gewichtheben,  bei  denen  das  Zusammendrängen ­
  der  Leistung  auf  weniger  Zeit  eine  Mehranstrengung ­
  hervorruft 1 .  Es  bliebe  nur  der  Gewinn  längerer
Erholungszeit,  der  durch  die  größere  Erschöpfung  eines  beschleunigten ­
  Arbeitstempos  wieder  getilgt  würde.  —  Worauf

1  Wie  sich  diese  Verhältnisse  vom  Standpunkt  der  experimentellen
Physiologie  darstellen,  zeigt  eine  Tabelle  bei  Tigerstadt,  Physiologie
des  Mensehen,  1908.  II,  S.  44.  Hier  werden  verschiedene  Formen
physiologischer  Arbeit,  wie  Berg-  und  Treppensteigen,  Lasttragen,
Kurbeln  mit  der  Hand,  Kudern,  Ziehen  und  Treten  miteinander  verglichen. ­
  Durchgehend  ist  die  pro  Sekunde  berechnete  Arbeitsleistung
um  so  größer,  je  kürzer  die  Arbeitsdauer  gewesen  ist.