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138.

Arbeitern:  „Wir  vertrauen  ihrer  Ehre,  daß  sie  während  des
Achtstundentages  für  unsern  Betrieb  ihr  Bestes  tun 1 .“
Auch  die  an  Akkordarbeitern  gemachten  Beobachtungen
tun  dar,  wie  wenig  der  Grad  der  Intensivierung  von  bewußten
Willensimpulsen  abhängt.  Im  Zeißwerk  stieg  die  Leistung
der  Stücklöhner  bei  kürzerer  Dauer  der  Arbeit  zuerst  weit
über  das  Durchschnittsniveau,  indem  alle  Kräfte  aufs  Äußerste
angespannt  wurden.  Diese  Übertreibung  erschöpfte  die  Leute
in  zwei  bis  drei  Wochen.  Die  Leistung  sank,  um  auf  einer
kleinen,  aber  dauernden  Steigerung  von  3,3%  zu  verharren.
Die  Anpassung  vollzog  sich  automatisch,  denn  die  Arbeiter
selbst  hatten  geglaubt,  nur  die  stündliche  Durchschnittsleistung
des  früheren  Neunstundentages  zu  entwickeln 1  2  3 .
Abbe  sagt  deshalb  in  zugespitzter  Formulierung,  daß  sich
die  Beschleunigung  des  Arbeitstempos  unabhängig  von  dem
guten  oder  bösen  Willen  der  Arbeiter  vollzieht 8 .  Das  ist  nur
cum  grano  salis  richtig,  wenn  die  allgemeine  Disposition,  der
Wille  „zur  Arbeit  schlechthin“  stillschweigend  schon  vorausgesetzt ­
  wird.  Bei  den  Arbeitern  des  Zeißwerks  brauchte  diese
Voraussetzung  freilich  nicht  erwähnt  zu  werden.  —  Leistungsfähigkeit ­
  und  Leistungswilligkeit  sind  indessen  nicht  identisch
zu  setzen,  wie  Herbig  mit  Recht  jüngst  wieder  betont  hat 4 .
Die  psychologische  Analyse  des  Arbeitsvorgangs  ergibt,  daß
die  Ärbeitskurve  beständigen  Schwankungen  unterliegt,  die
von  einsetzenden  und  abflauenden  Willensimpulsen,  d.  h.  apperzeptiven
  Antrieben  herrühren  5 .
Welche  Bedeutung  eine  das  erlaubte  Maß  überschreitende
Diskrepanz  von  Leistungsfähigkeit  und  Leistungswilligkeit  annehmen ­
  kann,  zeigt  hier  und  da  der  Versuch  englischer  und
amerikanischer  Gewerkvereine,  eine  go-easy-Politik  einzubürgern ­
 6  * .  —  Jene  Fälle,  in  denen  kürzere  Arbeitszeit  einen
1  S.  Webb  and  H.  Cox,  The  Eight-Hours-Day,  S.  255.
2  Abbe,  S.  219.
3  Abbe,  S.  220—221.
4  Herbig,  Das  Verhältnis  des  Lohns  zur  Leistung  mit  besonderer
Berücksichtigung  des  Bergbaus,  Jahrb.  f.  Gesetzgeb.  u.  Verw.,  1908,
S.  621  f.
5  Vgl.  Kraepelin,  Die  Arbeitskurve,  Philosophische  Studien,  herausgegeben ­
  v.  Wundt,  Bd.  19,  S.  472—474.  —  Die  bei  geistiger  Tätigkeit
gewonnenen  Versuchsergebnisse  lassen  in  einem  gewissem  Grade  eine
Übertragung  auf  industrielle  Arbeit  zu;  und  zwar  aus  drei  Gründen:
1.  Das  Ermüdungsphänomen  ist  viel  mehr,  als  man  bisher  glaubte,
psychologischer  Natur  und  nicht  bloß  Erschöpfung  der  Muskelsubstanz!
2.  Industrielle  Arbeit  ist  überhaupt  nur  nach  gewissen  Seiten  körperliche ­
  Tätigkeit,  wird  es  zusehends  immer  weniger.  Diese  Behauptung
ist  später  in  anderem  Zusammenhang  zu  rechtfertigen.  3.  Zwischen
den  Gesetzen  körperlicher  und  geistiger  Arbeit  besteht  eine  auffällige
Analogie,  die  auf  eine  zugrundeliegende,  allgemeinere  Gesetzmäßigkeit
der  lebendigen  Substanz  überhaupt  hinweist.
6  Regulation  and  restriction  of  Output,  11  th.  Rep.  of  the  Comm.
of  Labor,  Wash.  1905.  —  Die  Darstellung  von  Reiswitz,  Ca’canny  1902,