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Einem  Marx  ist  dieser  Zug  bei  der  Charakteristik  des
kapitalistischen  Betriebs  natürlich  nicht  entgangen:  „Abgesehen
von  der  neuen  Kraftpotenz,  die  aus  der  Verschmelzung  vieler
Kräfte  in  eine  Gesamtkraft  entspringt,  erzeugt  bei  den  meisten
produktiven  Arbeiten  der  bloße  gesellschaftliche  Kontakt  einen
Wetteifer  und  eine  eigene  Erregung  der  Lebensgeister,  welche
die  individuelle  Leistungsfähigkeit  der  einzelnen  erhöhen 1 .“
Eine  psychologisch  gleiche  Konstellation  kehrt  für  viele
Lebensgebiete  an  allen  Brennpunkten  der  Kultur  wieder,
nämlich  überall  da,  wo  die  Gesamtstimmung  des  Milieus  das
Individuum  zu  ungewöhnlichen  Leistungen  anregt.  Hierfür
läßt  sich  z.  B.  die  Erfinderluft  anführen,  die  in  amerikanischen
Werkstätten  zu  wehen  pflegt.  —  Die  Kunstzentren  der
Renaissance,  wie  Florenz  und  Venedig  erfüllte  eine  Atmosphäre, ­
  die  auf  jeden  mehr  oder  weniger  abfärbte,  und  die
auch  geringeren  Talenten  eine  gewisse  Höhe  des  Stils  aufprägte, ­
  welche  vielen  ohne  diese  Einflüsse  unzugänglich  geblieben ­
  wäre.  Das  moderne  Pariser  Kunstleben  weist  ähnliche
Phänomene  in  internationaler  Ausdehnung  auf.
„II  est  curieux  de  constater  comment  les  ouvriers  nouvellement
  arrives  subissent,  äleurinsu,  la  contagion  de  Pexemple,
de  ce  que  nous  oserions  appeler  ,1’esprit  de  la  maison*  et
combien  rapide  est  leur  adaptation  aux  habitudes  nouvelles.“
—  Das  ist  eine  Beobachtung  Fromonts,  nachdem  zwölfstündige
Schichten  durch  achtstündige  ersetzt  worden  waren 1  2  3  *  *  *  * .
In  vielen  Betrieben  ist  eine  Erhöhung  der  individuellen
Produktion  an  die  komplementären  Leistungen  anderer  gebunden. ­
  In  der  Hutfabrikation  treibt  z.  B.  die  Akkordarbeiterin ­
  an  der  Konusmaschine  das  Krempelmädchen  noch
durch  besonderes  Klopfen  an,  ein  Zeichen,  daß  ihr  Material
fehlt.  Es  liegt  in  der  Natur  der  Dinge,  daß  diese  gegenseitige ­
  Anregung  bei  Gruppenarbeiten  deutlicher  und  bewußter
hervortritt.  Schon  das  Fehlen  eines  einzigen  Mitglieds  lähmt
die  Arbeit  der  Anwesenden.  Im  Handbuch  der  Entlöhnungsmethoden
  heißt  es  Uber  diese  Arbeitsweise:  „Die  einzelnen
Mitglieder  der  Gruppe  feuern  sich  gegenseitig  an,  ihre  besten
Kräfte  anzuspannen,  damit  sich  der  gemeinsame  Verdienst  so
hoch  wie  möglich  stelle.  In  dieser  Weise  erhalten  die  langsameren ­
  Arbeiter  einen  beständigen  Ansporn  durch  die
Leistungsfähigkeit,  die  ihre  energischeren  Nachbarn  betätigen 8 .“
1  Marx,  Das  Kapital  I,  1872,  S.  334.
2  L.  G.  Fromont,  Une  Experience  Industrielle  de  Reduetion  de  la
Journee  de  Travail,  1906,  S.  86.
3  Schloß-Bernhard,  Handbuch  der  Entlöhnungsmethoden,  1906,
S.  117.  —  Bücher  entwirft  von  der  Gruppenarbeit  folgendes  Bild:  „Die
gemeinsame  Arbeit  regt  zum  Wetteifer  an;  keiner  will  an  Kraft  und
Ausdauer  hinter  dem  andern  zurückstehen,  und  überdies  tönt  der  laute
Pulsschlag  der  Arbeit  in  die  Obren  der  Nachbarn,  deren  Spott  bei  zu
häufiger  Unterbrechung  oder  zu  lässigem  Gang  der  Schläge  nicht  zu
säumen  pflegt“.  (Arbeit  und  Rhythmus,  S.  29.)