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Arbeitsweise  der  Feilenhauer,  bei  deren  vornübergebeugter
Haltung  die  Brust  und  Baucheingeweide  zusammengedrückt
werden,  so  daß  die  Atmung  ungenügend  wird 1 .
In  der  folgenden  Schilderung  Paul  Göhres  kommt  deutlich
zum  Ausdruck,  daß  der  „außerordentliche“  Kraftverbrauch,
der  Leergang  der  Arbeit  mehr  Anstrengung  kostet,  als  der
Ablauf  der  eigentlichen  Produktionsakte.  „Nicht  eigentlich
die  meist  schweren  Handgriffe  und  Arbeitsleistungen,  sondern
dieses  Zusammenleben,  Zusammenatmen,  Zusammenschwitzen
vieler  Menschen,  diese  dadurch  entstehende  ermüdende  Druckluft, ­
  das  nie  verstummende,  nervenabstumpfende,  gewaltige
quietschende,  dröhnende,  ratschende  Geräusch  und  das  unausgesetzte ­
  elfstündige  Stehen  in  ewigem  Einerlei,  oft  an  ein
und  derselben  Stelle  —  dies  alles  zusammen  macht  unsere
Fabrikarbeit  zu  einer  alle  Kräfte  anspannenden,  aufreibenden
Tätigkeit 1  2 .  “
Die  Unfallstatistik  der  gewerblichen  und  landwirtschaftlichen ­
  Berufsgenossenschaften  weist  deutlich  auf  das  Abflauen
der  Spannkraft  im  Laufe  des  Tages  hin.  Hier  tritt  die
psychologische  Seite  der  Ermüdung  als  Schwächung  der  apperzeptiven
  Vorgänge,  d.  h.  in  dem  Nachlassen  der  Aufmerksamkeits-
  und  Willensspannung  hervor.  Nach  den  Tagesstunden
betrachtet,  erreicht  die  Unfallhäufigkeit  vormittags  zwischen
9  und  12  Uhr,  nachmittags  zwischen  3  und  6  Uhr  ein  Maximum 3 .
Die  Berichte  der  Fabrikinspektoren  betonen  vielfach,  daß  sich
die  Unfälle  besonders  in  den  1  et  zten  Stunden  ereignen,  daß
sich  ihre  Zahl  bei  kürzerer  Arbeitszeit  vermindert  hat 4  5 .
Aus  allen  diesen  Gründen  bringt  eine  Verminderung  der
Arbeitszeit  Morbidität  wie  Mortalität  mehr  oder  weniger  schnell
zum  Sinken.  Maschinenbauanstalten  wie  Allan  &amp;  Co.,  Baumwollfabriken
  nach  Einführung  der  Zehnstundenbill,  sowie
andere  Werke  konstatieren  die  bessere  Gesundheit  ihrer
Arbeiter s .  Eine  große  deutsche  Textilfabrik,  die  längere  Zeit
mit  wesentlich  verkürzter  Arbeitszeit  arbeitet,  findet,  daß  die
Zahl  der  Krankheitsfälle  „in  bemerkenswertem  Grad“  zurückgeht ­
 6 .  —  Fromont  führt  1892  bei  der  Verhüttung  der  Zinkblende ­
  eine  Achtstundenschicht  ein.  Seit  1893  weist  die

1  Die  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen,  S.  108—109.  —  Calm,
Die  Berufskrankheiten  der  Metallarbeiter.  Deutsche  technische  Rundschau
  1904,  8.  180.  —  M.  Rubner,  S.  737.
o  ,  ^re,  Drei  Monate  als  Fabrikarbeiter,  1891,  S.  74.
J  Keichsarbeitsblatt,  1906,  S.  737.  —  Ein  auf  eine  einzelne  Industrie
beschranktes  Beobachtungsfeld  bringt  diese  Tatsache  am  besten  in
19*068  15'  16**  »ArbeiterunfUIle  an  den  Holzbearbeitungsmaschinen“,
’ 4  Hdb  d  Staatswiss.  I  S  1015.  -  Jahresber.  1907,  S.  493.  -
Jahresber.  d.  Grroßherzogl.  Bad.  Fabrikinspekt.  f.  1903,  S  65
5  J.  Rae,  S.  59,  119.
«  Die  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen,  S.  109.