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Tatsachenmaterial.  Heute  sei  es  falsch,  immer  auf  einige
Hilfsarbeiten  an  der  Maschine  hinzuweisen,  die  noch  im  Takt
durch  Menschenhand  vollzogen  werden  müßten,  und  die  man
von  jeher  so  gern  als  ein  Beispiel  der  Verdummung  der
Arbeiterschaft  durch  die  Maschine  hinstelle.  Diese  Hilfsarbeiten
verschwänden  schon  heute  in  dem  großen  Getriebe;  die  ganze
Entwicklung  dränge  dahin,  diese  Arbeiten  dem  Organismus
der  Maschine  einzufügen 1 .
Für  den  jetzigen  Stand  der  Dinge  mag  diese  Auffassung
viel  zu  optimistisch  gefärbt  sein;  im  ganzen  ist  die  Entscheidung ­
  dieser  Fragen  für  die  folgenden  Erörterungen
keineswegs  wesentlich.  Gerade  weil  sich  die  von  sinkender
Arbeitszeit  begleitete  Tendenz  steigender  geistiger  Anforderung
zunächst  an  die  qualifizierten  Arbeitskräfte  wendet,  werden
diese  eigentlichen  führenden  Träger  der  Produktion  den  Ausschlag ­
  geben.  Diese  Arbeitskräfte  sind  knapp  und  stellen
einen  wichtigen  Faktor  im  internationalen  Konkurrenzkampf
dar.  Sie  sind  umsomehr  maßgebend,  als  der  industrielle  Fortschritt ­
  in  steigendem  Grade  auf  ein  höherstehendes  Menschenmaterial ­
  angewiesen  ist.
Noch  einmal  sei  es  gesagt:  ob  diese  Tendenz  heute  nur
einer  mehr  oder  minder  großen  Elite  zugute  kommt,  ob  und
in  welchem  Maße  ein  anderer  Teil  zu  einem  Stück  toter
Maschine  herabgedrückt  wird  —  diese  Frage  in  dieser  Allgemeinheit ­
  aufzuwerfen  und  gar  zu  beantworten,  hält  sich  der
Verfasser  wirklich  nicht  für  kompetent 2 .  Die  folgenden  Darlegungen ­
  haben  ihren  methodisch  festen  Rückhalt,  indem  sie
sich  darauf  beschränken,  die  Motive  und  Grundzüge  einer
bedeutsamen  und  zweifellos  bestehenden  Bewegung  zu  analysieren ­
  und  herauszuarbeiten.  Nach  diesen  Vorbemerkungen
können  wir  der  Sache  selbst  näher  treten.
Schon  früher  (S.  25  u.  38  dieser  Arbeit)  wurde  darauf  hingewiesen, ­
  daß  die  Arbeit  mit  dem  technischen  Fortschritt

sich,  wenn  man  die  Gesamtaspekte  großer  technischer  Epochen  einander
gegenüberstellt.  Primitive,  antike,  mittelalterliche  und  moderne  Technik
spiegeln  den  Fortschritt  von  grob-physischer  zu  geistig-leitender  Arbeit
wieder.  Die  Arbeit  der  Naturvölker  beruht  überwiegend  auf  roher
Kraftanstrengung  (vgl.  Bücher,  Arbeit  und  Rhythmus,  1902,  S.  10).
Auf  die  physische  Anstrengung,  die  handwerkliche  Technik  beansprucht,
wurde  schon  S.  57  u.  59  dieser  Arbeit  hingewiesen.
’  U.  Wendt,  S.  28.
2  Was  den  Einfluß  der  modernen  Industrie  auf  Seelenleben  und
Kulturniveau  der  arbeitenden  Klassen  betrifft,  so  soll  dieses  noch  recht
dunkle  Problem  der  Gesellschaftswissenschaften  —  prinzipiell  wenigstens
—  im  Text  nicht  berührt  werden.  Es  fehlt  auch  dazu  vollkommen  an
empirischem  Material,  vor  allem  an  exakten  und  mit  psychologisch
fundamentierten  Methoden  gewonnenen  Beobachtungen.  Hierin  wird
vielleicht  eine  künftige  „differenzielle“  Psychologie  Wandel  schaffen.
Im  Grunde  beruhen  bisher  die  meisten  allgemeinen  Urteile  dieser  Art
zu  einem  guten  Teil  auf  reinen  Impressionen.