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138.

In  der  Spitzenindustrie  von  Nottingham  hat  die  Einführung ­
  neuer  Maschinen  die  Löhne  bis  zu  100  °lo  gehoben.
Auch  die  alten  Arbeiter  hätten  die  neuen  Maschinen  bedienen
können.  Statt  dessen  stellen  die  Fabrikanten  sorgfältig  ausgesuchte, ­
  hochgelöhnte  Leute  an,  da  ihnen  bei  der  Größe  der
neuen  Kapitalanlage  eine  Beschädigung  der  Maschine  durch
Ungeschicklichkeit  oder  Trunkenheit  sehr  peinlich  gewesen
wäre 1 .  —  Der  Buchdrucker,  der  die  Schnellpresse,  eine  komplizierte ­
  teure  Maschine,  bedient,  wird  besser  bezahlt  als  der
Setzer,  dessen  Tätigkeit  schon  ehemals  als  eine  Art  Zwischenstufe ­
  von  Handwerk  und  Wissenschaft  galt 1  2  3 .  —  Die  maschinell
betriebene  Uhrenfabrikation  in  Amerika  beansprucht  höhere
Fähigkeiten  als  das  alte  System;  die  Verdienste  sind  größer 8 .  —
Ob  es  sich  nun  um  die  große  Foudriniere  in  der  Papierfabrikation, ­
  eine  Maschine  von  etwa  7  m  Weite  und  2  m
Geschwindigkeit,  oder  um  einen  Automaten,  der  sich  mit
Stahldraht  speist  uud  fertige  Schrauben  abliefert,  handelt,  ob
die  Bedienung  von  Setz-  oder  Sohlennähmaschine  in  Frage
steht,  in  allen  Fällen  kommt  es  auf  hochentwickelte  Intelligenz
und  ein  ausgebildetes  Verantwortlichkeitsbewußtsein  an.  Ähnliche ­
  Eigenschaften  setzt  die  Bedienung  moderner  Revolverbänke ­
  voraus.  Die  Arbeiter  einer  italienischen  Maschinenfabrik ­
  sind  zum  großen  Teil  unfähig,  derartig  verbesserte
Maschinen  zu  leiten 4 .
„Die  richtige  Bedienung  einer  Maschine,“  so  schrieb  jüngst
der  Techniker  Du  Bois-Reymond,  „erfordert  verhältnismäßig
hohe  intellektuelle  Funktionen,  sie  verlangt  im  allgemeinen
ein  Wissen  und  Nachdenken,  welches  über  das  bei  den  gewöhnlichen ­
  Handwerken  angewendete  oft  wesentlich  hinausgeht ­
 5 .“  Mit  Recht  bezeichnet  Wendt  die  Vorstellung,  daß
zur  Bedienung  einer  Maschine  keine  Vorkenntnisse  gehören,
als  laienhaft 6  * .  In  seiner  Rede  vom  26.  Januar  1903  kenn-1

  D.  A.  Wells,  Recent  Economy  Changes,  1891,  S.  371.
^  U.  Wendt,  S.  28.
3  A.  Marshall,  Hdb.  d.  Volkswirtschaftslehre,  S.  283.
4  A.  Graziadei,  II  Lavoro  Umano  e  la  Macchina.  Giornale  degli
Economisti,  1899,  S.  330.  —  Hülle,  Schnellbetrieb  im  Werkzeugmaschinenbau, ­
  Werkstattstechnik,  1907,  S.  480.  —  G.  Schlesinger,  Die  Entwicklung
der  Werkzeugmaschinen  und  ihr  wirtschaftlicher  Einfluß,  Z.  d.  V.  d.  I.,
1908,  S.  424.
5  A.  du  Bois-Reymond,  Erfindung  und  Erfinder,  1906,  S.  26.  —-Vgl.
  ferner  Jahresberichte  der  Kgl.  Preuß.  Reg.-  u.  Gew.-Räte,  1906,
S.  160.
6  U.  Wendt,  S.  240.  —  Geistiges  Verständnis  der  Maschine  tritt
an  Stelle  der  Handgeschicklichkeit,  Der  gelernte  Arbeiter  „verliert
zwar  einen  Teil  der  Künstlerschaft,  die  in  der  alten  Handarbeit  beruhte, ­
  aber  er  gewinnt  an  Maschinenkunde,  an  Dispositionsvermögen,
an  schnellem  Blick,  an  raschem  Urteil,  an  höheren  Gesichtspunkten.
Auch  mit  Analphabeten  ist  dem  industriellen  Betrieb  heute  nicht  mehr
geholfen.“  A.  a.  O.  S.  28.