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zeichnet  Professor  Kämmerer  die  Entwicklung  der  modernen
Maschinenbaukunst.  Sie  sei  bestrebt,  allen  Handlangerdienst,
alle  Transportbewegungen  der  Maschine  selbst  aufzubürden,
so  daß  der  Mensch  nur  überlegende  und  regelnde  Tätigkeit
auszuüben  habe,  etwa  wie  der  Steuermann  eines  Schiffes.  Die
gewaltige  Maschine  eines  modernen  Walzwerks  mit  allen  ihren
selbsttätigen  Hilfsvorrichtungen  werde  mittels  Fernsteuerung
von  einem  einzigen  Menschen  beherrscht,  der  keinerlei  körperliche ­
  Arbeit  zu  verrichten  habe,  aber  mit  Anspannung,  Überlegung ­
  und  Geistesgegenwart  sein  Reich  regieren  müsse 1 .
Die  Tätigkeit  des  modernen  Maschinenarbeiters  strengt
im  ganzen  mehr  die  Aufmerksamkeit,  die  Nerven  und  Zentralorgane ­
  an  als  die  Muskeln.  Sie  reibt  bei  gleicher  Dauer
stärker  auf  als  mechanische  Handarbeit,  ermüdet  den  ganzen
Organismus 2 .  Unter  diesen  Umständen  wird  kürzere  Arbeitszeit ­
  eine  Bedingung  des  technischen  Fortschritts,  der,  wie
Wörrishofer 8  ausführt,  dazu  zwingt,  die  Arbeitsdauer  zu  vermindern, ­
  um  die  Qualität  auf  der  Höhe  zu  halten.  Die  unter
dem  Text  gegebenen  Hinweise  sollen  diesen  wichtigen  Punkt
noch  etwas  mehr  herausstellen 4 .  —  Bei  dem  großen  Streik

1  In  dem  neuesten  Walzwerk  von  Krupp,  der  Priedrieh-Alfred-Hütte
  in  Rheinhausen  befindet  sich  ein  solches  Ungetüm  von  16  000  PS,
das  Blöcke  von  4—5  t  verwalzt.
2  Vgl.  dazu  Mosso,  Die  Ermüdung,  S.  280.
3  Zeitschr.  f.  d.  gesamte  Staatswissenscbaft,  1893,  S.  500.
4  Jede  qualifizierte  Arbeit  muß  mit  Lust  und  Liebe  vorgenommen
werden;  sie  bedarf  einer  genügend  langen  Erholung,  kurzer  Arbeitszeit.
Was  im  schlimmsten  Fall  an  Menge  verloren  geht,  wird  an  Güte  gewonnen ­
  (vgl.  H.  Frankel,  S.  30).  Jede  Ermüdung  äußert  sich  nicht  nur
in  einem  quantitativen  Sinken,  sondern  in  einer  regelmäßigen  qualitativen ­
  Verschlechterung  der  Leistung.  Der  psychologische  versuch
zeigt,  daß  der  Gedankengang  verflacht  und  die  Spannung  der  Aufmerksamkeit ­
  nachläßt  (Kraepelin,  Zur  Hygiene  der  Arbeit.  Neue
Heidelberger  Jahrb.,  1896,  S.  226—227).
Ein  Fabrikant  behauptet,  daß  in  der  letzten  Stunde  eines  Zwölfstundentages ­
  mehr  unbrauchbare  Arbeit  geleistet  würde  als  in  zwei
normalen  Stunden  (J.  Rae,  S.  121);  ein  anderer  findet,  daß  die  Fehler
nach  Einführung  des  Achtstundentages  um  60  °/o  abnehmen  (Gewerbl.-techn.
  Ratgeber,  1903/4,  S.  3.69).  —  Der  Direktor  eines  Werkes  sagte
zu  Inspektor  Horner,  daß  gewöhnlich  die  erste  Stunde  des  Tages  davon
in  Anspruch  genommen  würde,  die  Verfehlungen  der  letzten  Stunde
des  vorigen  in  Ordnung  zu  bringen.  —  In  der  Textilindustrie,  besonders
in  den  Webereien  erhalten  die  Arbeiter  für  fehlerfreie  Leistungen
Qualitätsprämien  (L.  Bernhard,  Die  Akkordarbeit  in  Deutschland,  S.  127).
Einem  Spinner  können  zahlreiche  Fehler,  wie  Schleifen  im  Garn,  verstrecktes ­
  Garn,  schlechte  Aufwindung  passieren  (H.  Fritz,  Baumwollspinnerei, ­
  S.  32).  —  Deshalb  hat  diejenige  Massenfabrikation,  die  unter
der  Flagge  „billig  und  schlecht“  auf  den  Weltmarkt  segelt,  am  ehesten
einigen  Grund,  eine  Schwächung  der  Konkurrenzfähigkeit  durch  kürzere
Arbeitszeit  zu  befürchten.  Die  englische  Textilindustrie  hat  erst  bei
den  hohen  Garnnummern,  den  Qualitätswaren,  ihre  Überlegenheit  gegen
den  indischen  Wettbewerb  durchsetzen  können  (Schulze-Gävernitz,  Der
Großbetrieb,  S.  160).

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