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•  Das  Spezialkönnen,  die  Berufsgeschicklichkeit  tritt  vor
Qualitäten,  wie  Einsicht,  Willenskraft,  konzentrierter  Aufmerksamkeit ­
  zurück.  Du  Bois-Reymond  spricht  in  diesem
Sinne  von  einer  Despezialisierung  der  Arbeit:  „Die  Menschen
müssen  sich  immer  mehr  despezialisieren,  um  sich  den  Forderungen ­
  des  modernen  Lebens  anzupassen,  während  sich  die
Maschinen  immer  mehr  spezialisieren 1 .“  Der  neue  Typus  des
„zuverlässigen  Arbeiters“  entsteht,  der  pünktlich  und  genau
seine  Pflicht  erfüllt 1  2 .
ln  den  Mersey-Eisenwerken  verdienen  die  ersten  Hammerschmiede* ­
  7—900  Pfd.  St.  jährlich,  weil  ein  mißlungener
Schlag  des  von  ihnen  geleiteten  Dampfhammers  ein  Stück
im  Werte  von  2500—3000  Pfd.  St.  verderben  kann 3 .  —
Der  Maschinenspinner  erzeugt  ein  2000  mal,  der  Weber
am  Kraftstuhl  ein  40  mal  größeres  Produkt  als  der  Handspinner ­
  oder  -weber.  Ersichtlich  hat  ein  Fehler,  der  Betriebsstörungen ­
  nach  sich  zieht,  bei  beiden  Kategorien  total
verschiedene  Bedeutung 4 .  Die  Arbeiterin  an  der  Krempelmaschine ­
  trägt  für  Maschinen  von  zusammen  rund  22  500  Mk.
die  Verantwortung.
Der  Wärter  einer  Dampfmaschine  produziert  überhaupt
nur  Sicherheit.  Von  seiner  Zuverlässigkeit  und  seinen  richtigen ­
  Eingriffen  hängt  der  Gang  der  Fabrik,  ja  das  Leben
der  Arbeiter  ab.  Von  den  13  Dampfkesselexplosionen,  die
infolge  Wassermangels  1906  in  Deutschland  stattfanden,  waren
7  auf  Nachlässigkeit  der  Bedienung  zurückzuführen 5 .  Die
hohe  Verantwortlichkeit,  die  die  Tätigkeit  in  der  modernen
Industrie  vielfach  mit  sich  bringt,  kann  sogar  Ursache  neurasthenischer
  Erkrankungen  werden 6 .  Graziadei  stellt  als
1  A.  du  Bois-Reymond,  Erfindung  und  Erfinder,  1906,  S.  260.  —
Übrigens  macht  auch  Liesse  auf  diesen  interessanten  Punkt  aufmerksam:
„Mais  le  machinisme  moderne,  tendant  ä  exiger  de  l’ouvrier  une  surveiilance
  qui  implique  des  connaissances  g6n4rales  et  une  plus  grande
extension  intellectuelle,  il  s’ensuivrait  que  l’ouvrier  aurait,  en  realite,
une  spdcialisation  moins  etroite,  que  ne’  l’('tait,  celie  de  l’ouvrier  d’autrefois
  usant  des  outils  primitifs“  (Liesse,  a.  a.  O.  S.  141).
2  H.  Ehrenberg,  Die  Eisenhüttentechnik  und  der  deutsche  Hüttenarbeiter, ­
  1906,  S.  100,  101,  120.
3  Roscher,  Syst.  d.  Volkswirtsch.,  Bd.  3,  1899,  S.  775.
4  „Die  Kontrolle  des  mechanischen  Webstuhls  erfordert  eine
unausgesetzte  angestrengte  Aufmerksamkeit,  jede  Korrektur  muß  geschickt ­
  und  schleunigst  vollzogen  werden,  der  mechanische  Stuhl  darf
in  der  beschränkten  Arbeitszeit  nicht  lange  stillstelien.  .  .  .  Die  Muskelkraft ­
  des  mechanischen  Webers  wird  weniger  angestrengt  als  die  des
Handwebers;  aber  ihr  Nervensystem  um  so  viel  mehr“  (PI.  Brauns,  Der
Übergang  v.  d.  Handweberei  z.  Fabrikbetrieb  i.  d  niederrhein.  Samtu.
  Seidenindustrie.  Forschungen,  herausgeg.  v.  Schmoller  u.  Sering,
1906,  S.  184.
3  Z.  d.  V.  d.  1.,  1907,  S.  1558.
«  G.  Heilig,  Fabrikarbeit  und  Nervenleiden,  S.  26.  —  Hellpach
(Grenzwissenschaften  der  Psychologie,  S.  192)  macht  auf  den  gleichen
Umstand  als  ätiologisches  Moment  von  Neurosen  bei  Beamtentätigkeit