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eine  „grausame  Ironie“.  Oldenbergs  Urteil  wird  in  keiner
Weise  den  höheren  Schichten  der  gelernten  Arbeiter  gerecht,
wenn  es  für  einzelne  Fälle  und  gewisse  Gewerbe  auch  zutreffen ­
  mag.  Übrigens  kommt  es  nicht  gerade  auf  „Kunstgenuß“, ­
  sondern  auf  eine  vernünftige  Ausspannung  und  Erholung ­
  der  Kräfte  an.
Ein  Sachkenner  wie  Stieda  tritt  dafür  ein,  daß  der  deutsche ­
  Arbeiter  bei  weiterer  Kürzung  der  Arbeitszeit  seine  freie
Zeit  gut  ausnutzen  -wird  h  Gerade  die  instinktive  Sehnsucht
nach  höherer  Kultur  liegt  zu  einem  guten  Teil  der  großen
Bewegung,  die  auf  Minderung  der  Arbeitszeit  gerichtet  ist,
zugrunde 2 .  —  Tille  vergleicht  die  Ergebnisse  der  großen
Industrieenquete  von  1878,  die  Textil-  und  Eisenindustrie
umfaßte,  mit  den  heutigen  Zuständen  in  bezug  auf  die
Leistungsfähigkeit  der  Arbeiter 3 .  Die  Fortschritte  sind  überwältigend, ­
  während  zugleich  die  Dauer  des  Arbeitstages  seit
1878  ganz  bedeutend  gesunken  ist.
Als  der  Fabrikant  Freese  den  Achtstundentag  einführte,
haben  die  Frauen  der  Arbeiter  Angst  vor  dem  Kneipengehen
der  Männer.  Dies  hat  sich  nicht  bestätigt.  Die  Leute  füllen
ihre  freie  Zeit  mit  Spazierengehen,  Arbeit  in  Laubenkolonien
u.  dergl.  aus.  Die  Leserzahl  der  Bibliothek  ist  gestiegen  4 .  Die
Gewerbeinspektoren  berichten,  daß  von  mißbräuchlicher  Benutzung ­
  der  vermehrten  freien  Zeit  nichts  zu  bemerken  ist,  daß
sich  die  Leute  der  Familie,  dem  Ackerbau  oder  Haus-  und
Gartenarbeiten  widmen 5 .  Auch  das  Blaumachen  hört  mehr  und
mehr  auf,  besonders  nach  Kürzung  des  Arbeitstages s .  Ebenso
trifft  die  Behauptung,  daß  die  Arbeitsleistung  an  den  Montagen
um  20—25  °lo  sinkt,  vielfach  nicht  mehr  zu.  Wo  dies  dennoch ­
  der  Fall  ist,  wird,  wie  früher  angedeutet  wurde,  noch
lange  nichts  für  alle  Arbeiter  bewiesen  (siehe  S.  75  dieser
Arbeit).
Übrigens  spielt  auch  das  Wohnungsproblem  in  die  in
Frage  stehenden  Verhältnisse  herein.  Ein  Mann,  dessen
Wohnstätte  alles  andere  als  ein  „freundliches  Heim“  bedeutet,
ist  der  Versuchung  des  Wirtshauses  weit  mehr  ausgesetzt
als  der,  auf  dessen  Behausung  ein  Schimmer  von  Daseinsfreude
1  Stieda,  Hdwb.  d.  St,  V,  Art.  Normalarbeitstag,  S.  989.
2  V.  Böhmert,  Die  zweckmäßige  Verwendung  der  Sonntags-  und
freien  Zeit.  Schriften  der  Zentralstelle  für  Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen, ­
  Nr.  2,  S.  23.  —  ßrassey,  Work  and  Wages,  S.  148.  —  H.  v.
Nostiz,  S.  505  -506.
3  A.  Tille,  Verhandl.,  Mitt.,  Ber.  d.  Zentralverb,  deutsch.  Industr.
Nr.  101,  S.  56.
4  H.  Freese,  Fabrikantensorgen,  1896,  S.  20—21.
8  Ber.  d.  Kgl.  Preuß.  Reg.-  u.  Gew.-Räte  für  1902,  S.  196;  1904,
S.  307;  1905,  S.  361;  1907,  S.  95.  —  Die  Arbeitszeit  der  Fabrikarbeiterinnen, ­
  S.  llö—116,  318.
0  Jahresber.  für  1904,  S.  72.  —  Diese  erfreuliche  Tatsache  wurde
dem  Verfasser  durch  persönliche  Auskünfte  bestätigt.

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