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und  Gemütlichkeit  ruht.  Obgleich  sich  allmählich  eine  Besserung ­
  anbahnt,  lassen  die  deutschen  Zustände  bekanntlich  noch
viel  zu  wünschen  übrig  h  In  moralischer  wie  hygienischer
Hinsicht  werden  bessere  Wohnungsverhältnisse  die  Ausnutzung
der  Ruhezeit  künftig  ergiebiger  gestalten  und  die  segensreichen
Folgen  kürzerer  Arbeitszeiten  weiter  verstärken.
Die  Verbesserung  der  »Arbeitsbedingungen  ist  unter
ethischen,  ökonomischen  und  sozialen  Gesichtspunkten  gleich
bedeutsam.  Sittlicher  und  wirtschaftlicher  Fortschritt  stehen
in  Wechselbeziehung;  sie  sind  als  zwei  Seiten  des  gleichen
Kulturprozesses  einander  unentbehrlich.  —  Die  englische  Entwicklung ­
  bleibt  das  lehrreichste  und  anziehendste  Beispiel
einer  solchen  Hebung  der  arbeitenden  Klassen.  In  ihrem
neuesten  Stadium  scheinen  gewisse  dunkle  Punkte  aufzutauchen, ­
  deren  Bedeutung  und  Tragweite  zurzeit  wohl  niemand
richtig  abzuschätzen  vermag.  Derartige  historische  Prozesse
verlaufen  wohl  selten  ohne  Gegentendenzen,  Schwankungen,
Haltepunkte,  gelegentliche  Rückschläge.  Sie  gleichen  mehr
der  Spirale  als  der  geraden  Linie.  Im  Geistigen  ist  es  eben,
wie  Lessing  einmal  schön  sagt,  nicht  wahr,  daß  die  kürzeste
Linie  immer  die  gerade  ist.
So  stellen  die  zurzeit  in  England  auftretenden  Symptome
aller  Wahrscheinlichkeit  nach  mehr  vorübergehende,  unvermeidliche ­
  Störungen  als  Zeichen  der  Zersetzung  und  des  Verfalls ­
  dar.  Ob  und  wie  weit  die  Vorwürfe  der  go-easy-Politik,
des  Müßiggangs,  der  Pflichtvergessenheit  und  Bequemlichkeit,
der  Verschwendung  und  physischen  Degeneration  wirklich  berechtigt ­
  sind,  kann  erst  die  Zukunft  lehren 1  2 .  In  dem  Leben
der  Völker  —  eindringlich  haben  das  wieder  die  Japaner  gezeigt ­
  —  garantieren  letzten  Endes  allein  die  ethischen  Qualitäten
den  Fortschritt.  Eine  Nation,  die  dieser  Fähigkeiten  ermangelt,
ist  dem  Niedergang  geweiht,  ob  die  Arbeitstage  nun  etwas  länger
oder  kürzer,  die  Arbeitsbedingungen  etwas  mehr  oder  weniger
gut  sind.
1  Fachs,  Art.  Wohnungsfrage,  Hdwb.  d.  St.  VII.  —  A.  Shadwell,
England,  Deutschland  und  Amerika,  S.  412  f.,  421—422.  —  Philippovich,
Volkswirtsehaftspolitik  II,  S.  337.  —  Herkner,  Die  Arbeiterfrage,  1905,
S.  629  f.
2  A.  Shadwell,  S.  600.  —  Schulze-Gävernitz,  Britischer  Imperialismus ­
  und  englischer  Freihandel  zu  Beginn  des  20.  Jahrhunderts,  1906,
S.  361,  390.