32 die Verteuerung der Futtermittel die Produktionskosten der Fleisohproduzenten sich ungebührlich erhöhen müssen. Auch der Bauernbündler Abg. Dirr gab zu, daß unter den gegen wärtigen Teuerungsverhältnissen die Landwirte nicht an den hohen Schutzzöllen festhalten dürften. Die Phalanx der extremen Zöllner ist also schon durchbrochen. Die Getreidezölle und die Reichsfinanzen. Der Umschwung in der Zollpolitik im Jahre 1877 hatte seine erste Ursache darin, daß die Reichseinnahmen im Gefolge der Krisis von 1873 zurückgegangen waren. Um die Mehrheit zu erhalten, welche ihm neue Steuern bewilligte, schuf Fürst Bismarck damals, wie schon dargelegt, das Bündnis zwischen Agrariern und Industriellen auf Grundlage des Schutzzolls. Was waren die Folgen der von ihm eingeführten Getreidezllöe? Da trotz derselben Getreide fortdauernd eingeführt wurde, wuchsen die Zolleinnahmen des Reichs; immerhin war das Maximalerträgnis der Bismarckschen Getreidezölle nicht höher als 111,4 Millionen Mark im Jahre 1890. Erst unter Caprivi, als die Bevölkerung um 10 Millionen Seelen gestiegen ■war, im Jahre 1896 wurde das Erträgnis trotz der Herabsetzung der Getreidezölle größer. Es bewegte sich in der Zeit von 1896 bis 1905 zwischen 128,8 und 180,8 Millionen Mark im Jahr. Seit der Erhöhung der Zölle durch Bülow ist es bis auf 257 928 000 Mark im Jahre 1907 gestiegen. Aber nicht alles, was das deutsche Volk infolge der Getreidezölle hat zahlen müssen, ist dem Reiche zu gut gekommen. Denn einmal hat das Reich von dem, was es an Getreide zöllen erhob, einen großen Teil in Ausfuhrprämien wieder herauszahlen müssen. In dem Rechnungsjahre 1908 betrug dies 102,2, in 1909 100,4, in 1910 123,5, in den letzten drei Jahren zusammen also nicht weniger als 325 Millionen Mark, und die £ Zentrumsarbeiter, die betört durch die Aussicht auf eine am