43 das Vorkommen im Eisass schon seit Jahrhunderten bekannt waren und für medizinische Zwecke ausgebeutet wurden, kam es zu einer regelrechten zielbewussten Fördertätigkeit doch erst sehr spät. — Als Begründer der elsässischen Petroleumindustrie kann man A. le Bel bezeichnen, der im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts schon ca. ioo Leute mit dem Einsammeln des zu Tage tretenden Oeles beschäftigte. Seine Familie übertrug die Ausbeutung der ihr verliehenen Konzession 1889 an die »Pechel- bronner Oelbergwerke«, die noch jetzt bestehen und weitaus die grösste elsässische Petroleumgesellschaft sind. Neben ihr ent standen, als einige ergiebige Oellager angebohrt wurden, in rascher Folge mehrere Dutzend Unternehmungen, die aber meistenteils nur ein Eintagsdasein fristen konnten. Nichtsdestoweniger stieg die Produktion von 8530 dz. Rohöl im Jahre 1874 au f 156 3 20 dz. 20 Jahre später und auf über 220000 dz. im Jahre 1904. Während die Oelgewinnung im Eisass ihre ruhigen Bahnen ging und sozusagen in der Verborgenheit blühte, machte das zweite Fundgebiet, Oelheim-Wietze, um so mehr von sich reden; nicht immer rühmlich. Die Fundstätten liegen zu beiden Seiten des kleinen Flusses Wietze, bis zu seiner Mündung in die Aller. In den ersten Jahren bohrte man nur an seiner linken Seite, 16—20 km westlich von Celle. Die ölführenden Tonschichten streichen von Südwest nach Nordost, die Bohrlöcher hatten eine Tiefe von 40—100 m. In der zweiten Oelzone, auf der rechten Seite der Wietze, wo man 1900 fündig geworden ist, muss man schon auf 200 m hinabgehen, um die Oelschicht anzutreffen. Der dritte Oelhorizont wurde 1904 bei 650 m Tiefe erreicht. Welche Ergiebigkeit er hat, ist mir nicht bekannt. Die zweite Oelzone ist, wie qualitativ, so auch quantitativ bis jetzt die beste. Nachdem in dieser Gegend 1862 von der Hannoverschen Regierung in uneigennütziger Weise ein Versuchsschacht nieder gebracht war, folgte eine langsame Bohrtätigkeit, die aber 1883, als Mohr die erste springende Quelle mit grösserem Ertrage er- bohrte, einem wilden von Spekulanten künstlich genährten Oel- fieber, ähnlich dem pennsylvanischen, dem sog. »Oelheimer Rum mel«, Platz machte. Dutzende von Gesellschaften entstanden über Nacht, unternehmende »Gründer«, wie August Sternberg in Berlin, mischten sich hinein. Doch der Erfolg zeigte sich nicht in der erwarteten Weise, und der Rückschlag kam bald und kräftig.