8 4 Von den galizischen nach Deutschland exportierenden Ge sellschaften und der eigenen deutschen Produktion habe ich bereits gesprochen. Zu erwähnen wäre nur noch, dass das galizische Kartell im Mai 1906 die Ostdeutsche Petroleumgesellschaft m. b. H. Breslau, und die Sächsische Petroleum-Importgesellschaft m. b. H. Dresden (letztere mit nur 25 000 Mk. Anfangskapital, im Juli auf 50000 Mk. erhöht) gründete. Dies sind nur Notwehrmassregeln, da die D.-A. P.-G. um diese Zeit eine grosse Dresdner Firma, die bisher den Vertrieb des galizischen Oeles besorgt hatte, dazu vermocht hatte, die Verbindung mit den Galiziern abzubrechen und zu ihr in Beziehungen zu treten. Als letzte der Petroleumimporteure bleibt hier die mit der Refiners Co., der Producers Oil Co. und der United States Pipe Line Co. in Verbindung stehende Pure Oil Co. zu erwähnen. Welche Stellung sie eigentlich einnimmt, ist nicht ganz klar. Sie selbst behauptet zwar, völlig »unabhängig« zu sein, doch dürfte diese Behauptung nicht zutreffen. Im Gegenteil lässt die ganze Art ihres Vorgehens darauf schliessen, dass sie nur mehr eine Scheinorganisation gegen die St.O.C. bez. deren Tochter gesellschaften ist. Dieser Schluss liegt um so näher, als notorisch grosse Posten ihrer Aktien in Rockefellers Besitz sind. Die Pure Oil Co. leidet infolge des Rückgangs der Produktion Pennsylvaniens an chronischem Oelmangel. Sie soll auch finanziell schwach sein, kann deshalb mit den Preisen der Konkurrenzge sellschaften oft nicht Schritt halten und verliert aus diesen beiden Gründen mehr und mehr an Boden. Neuerdings soll sie sich dem galizischen Kartell genähert haben. Auffallend ist es, dass sie seit Frühjahr 1906 eifrig mit der Einrichtung des Tankbetriebes vorgeht, trotzdem dessen Einrichtung grosse Kosten erfordert. Sollte vielleicht gar Rockefeller dahinterstecken? und die Raffinade für die in Deutschland gebräuchlichen Lampen geeigneter zu ma chen. Die Folge wird sein, dass sich die Einfuhr rumänischen Oeles nach Deutsch land jetzt wohl ziemlich beträchtlich heben wird. Ob die P.P. A.-G. mit dieser Mischung durchkommt, bleibt abzuwarten. Doch hat sie den grossen Vorteil für sich, dass sie wegen geringerer Einstandskosten jetzt billiger verkaufen, also eine grössere Preisspanne gegen die D.-A. P.-G. als */2 Pfg. per Liter einhalten kann. Dies ist für sehr viele Händler ausschlaggebend, die bei einer Preisspanne von nur V 2 Pfg« iF re Bezugsquelle nicht wechseln würden.