86 seine weitverzweigte, musterhafte Organisation, nicht zum wenigsten auch durch die Qualität seines Oeles ein entschiedenes Ueber- gewicht über seine Konkurrenten hat, die nur langsam und unter den grössten Anstrengungen ihre Stellung gegen ihn verstärken konnten. Allerdings haben sie während des letzten Jahrzehnts bemerkenswerte Fortschritte gemacht und das Monopol, das der Trust besass, in mehr als einem Lande vernichtet. Doch bedeutet das letztvergangene Jahr, 1905, wieder einen entschiedenen Um schwung. Die schweren Schäden, die die russische Erdölindustrie durch die Brände in Baku erlitt, ermöglichten dem Trust, trotz der Shell und der unabhängigen Oelgebiete in Hinterindien (Burmah Oil Co.) und Japan, in Asien, welcher Erdteil bis jetzt am wenigsten von ihm abhängig war, erobernd vorzudringen. Auch Europa scheint seinem Einfluss wieder mehr anheim zu fallen. Der Streit tobt jetzt in allen Kulturländern, am heissesten natürlich da, wo es einen hohen Preis gilt. Ein solches Land ist eben Deutschland, und um die Herr schaft gerade in diesem bis jetzt zweitgrössten Konsumtionsgebiete der Welt spielt sich jetzt ein besonders erbitterter Kampf ab, dessen einzelne Phasen oben kurz geschildert worden sind. Aber die grossen Finanzgruppen treten, wie schon erwähnt, nicht direkt, mit offenem Visier, als Kämpfer auf, sondern sie agieren, um ihre Identität zu verbergen, unter verschiedenen Masken. Reisst man diese jedoch herab, so schmilzt die Zahl der Gesellschaften zusammen. Dem kritischen Blick erscheinen dann nur die wohlbekannten drei Gesichter, die einzelnen Firmen als das, was sie in Wirklichkeit sind: als Vertriebsgesellschaften. Dass diese Absonderung manche Vorteile für sich hat, ist nicht zu verkennen. U. a. wird das Risiko dadurch beschränkt. Dies ist besonders wichtig für die deutschen Banken, die selbst im schlimmsten Falle nicht über ihre tatsächliche finanzielle Be teiligung bei der betreffenden Gesellschaft hinaus in Anspruch genommen werden können. Beim Standard Oil Trust spricht dieser Umstand weniger mit. Die von ihm abhängigen Gesell schaften verdanken auch besonderen Gründen (Aufkauf bestehen der Firmen, deren Angliederung an das Hauptgeschäft, meist allerdings aus Konkurrenzrücksichten, erst allmählich erfolgte) ihre Entstehung. Der besseren Uebersicht halber gebe ich nachstehend unter