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        <title>Das Zolltarifgesetz der Vereinigten Staaten von 1913</title>
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            <forname>Frank William</forname>
            <surname>Taussig</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
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          <msIdentifier>
            <idno>88401908X</idno>
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        <pb n="1" />
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[■]

Volkswirtschaftliche  Zeitfragen
Vorträge  und  Abhandlungen
herausgegeben  von
der  Volkswirtschaftlichen  Gesellschaft  in  Berlin
CptiH-j  Jahrgang  35.  Nr.  280  Heft  8
D  —

Das  Zolltarifgesetz
der  Vereinigten  Staaten
von  1913
Von
F.  W.  Taussig
Professor  of  Economics  Harvard  University  Cambridge,  U.  S.  A.  Hass.

Deutsch  von  Dr.  Martin  Weigert,  Berlin.

BERLIN
VERLAG  VON  LEONHARD  S1M10N  NF.

1914

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QUQ
□

Jährlich  erscheinen  8  Hefte  zum  Abonnementspreise  von  6  Mark.
Einzelnreis  für  Jedes  Heft  1  Mark,  Doppelheft  2  Mark
        <pb n="2" />
        Yerlag  von  Leonhard  Simion  Nf.,  Berlin  W 57 ,  Bülowstrafse  56.

Volkswirtschaftliche  Zeitfragen.
Vorträge  und  Abhandlungen
herausgegeben  von
der  Volkswirtschaftlichen  Gesellschaft  in  Berlin.

1.  Das  Schreiben  des  Reichskanzlers  an  den  Bundesrat
vom  15.  December  1878  betreffend  die  Revision  des
Zolltarifs.  Von  Dr.  Ludwig  Bamberger.
2.  Der  Staat  und  die  Volkswirtschaft.  Von  Dr.K.B  rann.
3.  Aus  der  Geschichte  der  englischen  Kornzölle.  Von
Dr.  H.  B.  Oppenheim.
4.  Der  Schutz  in  der  Weltwirtschaft.  Von  Prof.  Dr.  F.
X.  v.  Neumann-Spallart.
6.  Zur  Entwickelungsgeschichte  der  heutigen  reactionären
Wirtschaftspolitik.  Von  Dr.  Th.  Barth.
6.  Die  Bettelplage.  Von  A.  Lammers.
7.  Gegen  die  Verstaatlichung  der  Preußischen  Privatbahnen. ­
  Von  Dr.  Marcus.
8.  Der  Volkswirtschaftliche  Senat.  Von  Dr.  Max
Weigert.
9.  Oie  handelspolitische  Stellung  der  Deutschen  Seestädte. ­
  Von  Dr.  Th.  Barth.
10.  Die  Entlastung  der  Kulturarbeit  durch  den  Dienst  der
physikalischen  Kräfte.  Von  M.  M.  v.  Weber.
1t.  Die  Reichstagsverhandlungen  über  MUnzreform  und
Bankwesen.  (24.  u.  25.  Februar  1880.)  Herausgeg
 eben  und  eingeleitet  von  Dr.  Ludwig  Bame
  r  g  e  r,
12./13.  Ueber  Colonisation.  Von  F.  C.  Philippson.

^-J4.  Die  Amerikanische
Kapp.

Weizenproduktion.  Yon  Fr.

15.  Das  Faustpfandrecht  und  die  Hypotheken-Banken.  Von
Julius  Basch.

16.  Staats-Armenpflege.  Von  A.  Lammers.
17.  /18.  Der  Steuerreformplan  in  seiner  neuesten  Form.
Von  E.  Fitger.
Die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Vereinigten
Staaten  von  Amerika  in  ihrer  Rückwirkung  auf  diejenigen ­
  Europas.  Von  A.  v.  Totis.
20/21.  Die  Männer  des  Zollvereins.  Von  Dr.  K.  Braun-22.
  Deutschlands  Getreideproduktion,  Brodbedarf  und
Brodbeschatfung.  Von  Ch.  Lorenz.
23.  Sparen  und  Versichern.  Von  A.  Lammers.
24.  Das  Rechnungsbuch  der  Hausfrau  und  dessen  Bedeutung ­
  im  Wirtschaftsleben  der  Nation.  Von  Dr.  Ernst
Engel.
25.  Zur  Reform  des  Actiengesellschaftsrechts.  Von  Dr.
F.  Hecht.

26.  Das  Irische  Landgesetz  vom  Jahre  1881.  Von  Dr
Eduard  Wiss.
27.  Wandlungen  im  Welthandel.  Von  Dr.  Th.  Barth
28.  Ziele  und  Bahnen  der  deutschen  Armenpflege.  Von
A.  Lammers.
29.  Unsere  Binnenschifffahrt.  Von  Dr.  A,  y.  Studnitz.

30.  Branntwein-u.  Kafteeschenken.  Von  A.Lammers.
31.  Die  Buchdruckerkunst  und  der  Kulturfortschritt  der
Menschheit.  Von  Dr.  Karl  von  Scherzer.
32.  Die  praktischen  Versuche  zur  Lösung  der  socialen
Probleme.  Von  Dr.  jur.  Victor  Böhmert.
33.  Der  Colportagebuchhandel  und  die  Gewerbenovelle.
Von  Dr.  K.  Baumbach.
34/35.  Der  Währungsstreit  1879—1883.  Von  Dr.  Wolfg
  ang  Eras.
36.  Die  Vagabundenfrage.  Von  Karl  Braun.
37/38.  Der  Werth  des  Menschen.  Von  Dr.  E.  Engel.
X.  Der  Kosten  wert  des  Menschen.
39.  Bemerkungen  zu  dem  Entwurf  eines  Gesetzes  betr.
Commandifgesellschaften  auf  Actien  und  Actiengesellschaften.
  Von  Adelb.  Delbrück.
40.  Armen-Beschäftigung.  Von  A.  Lammers.

41./42,  Gegen  den  Staatssocialismus.  Drei  Abhandlung®®
von  Ludwig  Bamberger,  Th.  Barth,  ÄL *
Broemel.
43/44.  Die  bäuerlichen  Zustände  in  Deutschland.
N.  M.  Witt.
45.  Der  Modeteufel.  Vortrag  von  Julius  Lessih#'
46.  Die  Capitalrentensteuer.  Von  Max  Broemel-47/48.
  Ueber  Lebensmittelversorgung  von  Grolsstädtefl-Von
  E.  Eberti.
49.  Friedrich  Kapp.  Gedächtnisrede  von  Georg  v ° ö
Bunsen.
50/51.  Was  ist  ein  altes  Kunstwerk  werth?  Von  P**  ^
Lessing.
52.  Oeffentliche  Kinder-Fürsorge.  Von  A.  Lamffl 0rä '
63.  Die  Krisis  des  Zwischenhandels.  Von  Dr.
Weigert.
54.  Der  Normal-Arbeitstag.  Von  Karl  Baumbft 0  |
65/56.  Die  Seehäfen  Englands  und  ihre  Ausrüstung  JJ«
Rücksicht  auf  die  Hafenbauten  beim  Zollanschiu
Hamburgs  und  Bremens.  Von  E.  Fitger.
57.  Das  Branntwein-Monopol.  Von  Dr.  Wolfg.  E r ®’/
58.  Die  Kolonisations-Bestrebungen  der  modernen  europ
sehen  Völker  und  Staaten.  Von  Dr.  Karl
59.  Die  socialistische  Gefahr.  Von  L.  Bamberg 6 ^
60.  Die  Seehäfen  im  heutigen  Weltverkehr.  Von  P r *
Marcus.
61/62.  Der  wirtschaftliche  Wert  des  Geschmacks.
Alexander  Dorn.
63/64.  Ueber  Welthandelsstrassen  des  Abendlandes.
Dr.  J.  Jastrow.  ^
65.  Armenrecht  und  Armenwesen.  Von  Adolf  Lass  0
66.  Die  Organisation  des  Binnenschifffahrts  -  Betrieb 6
Von  Dr.  W.  Eras.

67.  Handarbeit.  Von  Dr.  J.  L  es  sing.
(58^  Amerikanisches  Wirthschaftsleben.  Von  Dr.
7  Barth.

rfh-69.

  Zünftlertum.  Ein  Gutachten  des  Freiherr»
Patow.  Von  Karl  Baumbach,  Mitgli e£l
Reichstags.  ^
70.  Erhöhung  der  Kraft  in  Menschen  und  Völkern.
A.  Lammers.
71/72.  Volkswirtschaft  und  Unterricht,  V.  Dr.  E-P er

Von

P*

73.  Scheinbare  und  wirkliche  Socialreform.
Th.  Barth.  A .
74.  Ueber  Altersversicherung  der  Arbeiter.  Von  P r&amp;gt;
Meyer.  Gß -
75/76.  Staatsbürgertum  oder  eine  neue  ständiscn»  p.

tu.  oiuuiauui  yti  iuiii  uuvi  bin«  »tue  OIUMV.--  .  j
Seilschaft  in  Deutschland.  Von  E.  F.  Seel»

in

77/78.  Deutschlands  Waarenhandel  mit  dem  ,
den  Jahren  1872—1887  nach  den  Ergebnisse 11 .  eji ,
deutschen  Reichsstatistik.  Von  Pror.  M*  v
mann.  .  .m»
79.  Die  Präsidentenwahl  und  die  Zollpolitik  der  Vere ,n
Staaten  von  Amerika.  Von  Dr.  Th.  Barth-  ^
80.  Die  Familie  vom  Standpunkte  der  Gesammtwi r * hs
Von  Dr.  Emanuel  Herrmann.  ^
81.  Frauenarbeit  und  Frauenschutz.  Von  K-  P
hach.
82/83.  Unserer  Väter  Werke.  Von  Jul.  P 688 * 3 ^«^
84.  Zur  Beurteilung  des  Verbrauchs  und  der  p**-Abgaben
  bef  verschiedenem  Einkommen.  v

Karl.

85/86.  Der  Kreuzzug  wider  den  Terminhandel.  ^ 0n
87/88.  Das  Interesse  des  Kaufmannsslandes  ^ erfl
gerlichen  Gesetzbuch.  Von  J.  Jastro^-%■
        <pb n="3" />
        Das  Zolltarifgesetz
der  Vereinigten  Staaten
von  1913

Von

F.  W  Taussig
HflTve

Professor  of  Economics  Harvard  cWTversity  Cambridge,  U.  S.  A.  Mass.

Deutsch  von  Dr.  Martin  Weigert,  Berlin.

BERLIN
VERLAG  VON  LEONHARD  SIMION  NF.
        <pb n="4" />
        Universität
Kiel.
        <pb n="5" />
        JVlan  muß  das  kürzlich  von  dem  Kongreß  der  Vereinigten
Staaten  erlassene  Zollgesetz  an  Hand  einer  Reihe  von  Maßnahmen, ­
  die  ihm  vorausgegangen  sind,  betrachten  *).
Der  hohe  Schutzzoll  der  Vereinigten  Staaten  hatte  seinen
Ursprung  in  den  finanziellen  Bedürfnissen  des  Bürgerkrieges
(1861—65).  Damals  wurden  alle  Waren  mit  hohen  Zöllen  belegt,
die  jedoch  späterhin  nur  für  solche  Artikel,  die  im  Lande  selbst
fabriziert  werden  konnten,  beibehalten  wurden.  Dieses  Schutzsystem ­
  erfuhr  dann  durch  den  McKinley-Tarif  vom  Jahre  1890
eine  noch  genauere  und  strengere  Handhabung  **).  Diese  viel  besprochenen ­
  Maßnahmen,  das  Resultat  heftiger  politischer  Kämpfe,
bürgten  der  republikanischen  Partei  für  eine  Politik  des  äußersten
Schutzes.  Nach  einigen  Jahren  trat  jedoch  eine  lebhafte  Reaktion
ein,  der  sogenannte  Wilson-Tarif  vom  Jahre  1894  fand  Annahme
und  mit  ihm  wurde  eine  bemerkenswerte  Ermäßigung  der  Zölle
erwirkt.  Die  Reaktion  schien  aber  vorübergehend  zu  sein.  Bei
den  Wahlen  vom  Jahre  1896  kamen  die  Republikaner  wieder  ans
Ruder  und  im  folgenden  Jahre  (1897)  drückten  sie  den  sogenannten ­
  Dingley-Tarif  durch.  Dieser  stellte  nicht  nur  das
Schutzsystem,  wie  es  im  Tarif  von  1890  bestanden  hatte,  wieder
her,  sondern  erhöhte  sogar  noch  die  Zölle.  Der  Dingley-Tarif
*)  Streng  genommen  ist  der  Tarif  ein  Einkommengesetz.  Es  enthält
4  Abschnitte,  nämlich:
1.  Zolltarif,
2.  Einkommensteuer  (neu  eingeführt),
3.  Verwaltungsvorschriften  betr.  Einziehung  von  Zöllen.
4.  Verschiedene  Vorschriften.  Wir  behandeln  hier  nur  §  i.
**)  Die  Tarifgesetze  der  Vereinigten  Staaten  werden  mit  den  Namen
4er  Vorsitzenden  der  Komitees  bezeichnet,  von  denen  sie  der  gesetzgebenden
Körperschaft  in  öffentlicher  Sitzung  überreicht  werden.  So  ist  das  Gesetz
v °m  Jahre  1890  als  das  McKinley-Oesetz  bekannt,  weil  Mc  Kinley  (nachher
Präsident  McKinley)  in  dem  Jahre,  als  es  durchging,  als  Vorsitzender  der
K'nkünfte-Kommission  fungierte.  Ähnlich  ist  das  Wilson-Gesetz  vom
1*
        <pb n="6" />
        4

*

vom  Jahre  1897  blieb  ohne  Ermäßigung  bis  1909  in  Kraft.]  Die
Republikaner,  die  im  Jahre  19Q9  noch  am  Ruder  waren,  wußten
jedoch,  daß  das  Volksempfinden  gegen  die  sehr  hohen  Zölle  war
und  versuchten  durch  ein  Gesetz  vom  gleichen  Jahre  einige  Ermäßigungen ­
  zu  bewirken.  Diese  waren  jedoch  sehr  geringfügig
und  das  Schutzsystem  selbst  blieb  intakt.^  Man  kann  daher  wohl
behaupten,  daß  mit  Ausnahme  des  kurzen  Bestehens  des  Wilson-Gesetzes
  (1894—97)  vom  Datum  des  Mc  Kinley-Tarifs  vom
Jahre  1890  an  bis  zum  Jahre  1913  ein  strenges  Schutzsystem
geherrscht  hat.J  Die  Demokraten  haben  sich  während  dieses
Zeitraumes  stpts  als  Gegner  des  Schutzsystems  gezeigt.  Ihre
jeweilige  Stellung  wurde  in  den  verschiedenen  Jahren  mehr  oder
minder  von  den  Auffassungen  ihrer  Parteiführer  beeinflußt.  Man
kann  zwar  nicht  schlechthin  behaupten,  daß  sie  dem  Freihandel ­
  das  Wort  redeten;  sie  protestierten  vielmehr  nur  gegen
den  extremen  Schutzzoll.  Ihre  Opposition  wurde  stärker,  nachdem ­
  der  Tarif  vom  Jahre  1909  durchgegangen  war,  den  sie  —
nicht  ganz  mit  Unrecht  —  lediglich  als  eine  nur  vorgetäuschte
Revision  und  Reform  bezeichneten.  Die  Entwicklung  der  Dinge
im  Jahre  1909  ließ  eine  Übereinstimmung  zwischen  dem  Volksempfinden ­
  und  der  demokratischen  Auffassung  erkennen.  Bei
den  Kongreßwahlen  des  Herbstes  1910  erlitten  die  Republikaner
eine  entscheidende,  wenn  auch  nicht  ganz  so  überwältigende
Niederlage,  wie  vor  20  Jahren,  als  das  McKinley-Tarif-Qesetz
von  1890  durchgegangen  war.  Bei  beiden  Wahlen,  im  Jahre  1910
wie  im  Jahre  1890  war  tatsächlich  kein  anderes  Thema  als  der
Tarif  die  Parole  für  den  Wahlkampf  gewesen,  und  das  Ergebnis
zeigte  klar,  daß  das  Verdikt  des  Volkes  sich  gegen  das  eigensinnige ­
  Festhalten  an  einer  rigorosen  Schutzzollpolitik  aussprach.

Jahre  1894  und  das  Dingley-Oesetz  vom  Jahre  1897  nach  den  betr.
Vorsitzenden  benannt  worden.  Das  Gesetz  vom  Jahre  1909  wird  oft
das  „Payne-Aldrich-Oesetz“  genannt,  da  Payne  Vorsitzender  des  Haus-Komitees
  und  Aldrich  Vorsitzender  des  Senats-Komitees  war.  Das
Gesetz  von  1913  wird  wahrscheinlich  unter  dem  Namen  von  Underwoods,
dem  jetzigen  Vorsitzenden  des  Komitees,  bekannt  werden.  Nicht  unerwähnt
sei,  daß  Wilson,  dessen  Name  mit  dem  Zollgesetz  vom  Jahre  1894  zusammenhängt. ­
  mit  dem  jetzigen  Präsidenten  Wilson  nicht  zu  verwechseln ­
  ist,
        <pb n="7" />
        i)

Ohne  Frage  trugen  die  industriellen  Verhältnisse  jener  Zeit
zu  der  Niederlage  der  Republikaner  bei.  Der  Krise  von  1907
folgte  eine  Depression,  die  auch  anhielt,  nachdem  das  Tarifgesetz
von  1909  durchgegangen  war.  Während  der  Hochkonjunktur  und
der  Blütezeit,  die  dem  Tarifgesetz  von  1897  folgte,  bezeichneten
die  Republikaner  ihre  Partei  prahlerisch  als  segenbringend  und
schrieben  das  Gedeihen  des  Landes  der  wunderwirkenden  Schutzpolitik ­
  zu.  Vernünftige,  volkswirtschaftlich  gebildete  Leute  ließen
sich  von  dem  leeren  Gerede  nicht  betören.  Aber  die  Volksnieinung
  wurde  beeinflußt.  Deshalb  war  es  auch  unvermeidlich,
daß,  als  der  Zusammenbruch  und  die  Depression  eintraten,  man
nun  gleichfalls  die  Republikaner  dafür  verantwortlich  machte,  da
sie  sich  ja  auch  alle  vorhergehenden  günstigen  Ereignisse  zugeschrieben ­
  hatten.
Wie  immer  in  schlechten  Zeiten,  so  machte  man  auch  hier
die  Republikaner  mit  ihrer  Zollpolitik  verantwortlich  für  die  erhöhten ­
  Lebensmittelpreise,  wenn  man  auch  vom  Standpunkt  der
volkswirtschaftlichen  Theorien  manche  Einschränkungen  machen
mußte.  Die  Preissteigerung  während  der  ersten  Jahre  des  neuen
Jahrhunderts  war  allgemein.  Nach  Ansicht  der  meisten  Volkswirtschaftler ­
  war  die  Ursache  vornehmlich  auf  den  ungeheuren ­
  Umsatz  und  die  Lieferung  von  Gold  zurückzuführen.  Ohne
Zweifel  hielt  der  Zolltarif  die  Preise  einiger  Waren  in  den  Vereinigten ­
  Staaten  höher  als  in  anderen  Ländern;  aber  dies  war
auch  bei  früheren  Zolltarifen  —  1890  und  1897  —  der  Fall  und  es
es  ist  daher  nicht  erwiesen,  daß  der  Tarif  allein  die  Ursache  der
ständigen  Steigerung  aller  Preise  in  diesen  Jahren  gewesen  ist.
Die  Preissteigerung,  die  am  meisten  Diskussion  und  Bitterkeit
hervorrief,  bezog  sich  auf  die  Lebensmittelbranche,  besonders  auf
Drotgetreide  und  Fleisch;  hieran  dachte  das  Publikum  vor  allen
Dingen,  wenn  es  über  die  wachsenden  Kosten  des  Lebensunterhaltes ­
  beunruhigt  war.  Aber  genau  so,  wie  die  Republikaner  das
Gedeihen  im  Lande  ihrem  Schutztarif  zugeschrieben  hatten,  in  derselben ­
  oberflächlichen  Weise  schoben  die  Demokraten  diesem
Darif  die  Schuld  nicht  allein  für  die  Depression,  sondern  auch  für
c hc  erhöhten  Lebensmittelpreise  zu.  Lange  Jahre  war  das  Glück
'•ier  Schutzzollpartei  günstig  gewesen.  Nach  1907  wendete  es
sich  von  ihr  ab,  und  es  war  nur  natürlich,  wenn  nicht  unaus-  j
        <pb n="8" />
        G

bleiblich,  daß  ihre  Gegner  alle  nur  eben  möglichen  Vorteile  aus
dem  neuen  Wandel  der  Dinge  zogen.
\  Ähnliches  läßt  sich  auch  von  der  Beziehung  des  Tarifs  zu
den  Monopolen  sagen.  Obwohl  das  Trust-Problem  das  Tarif-1
  Problem  berührt,  ist  es  doch  keineswegs  identisch  mit  ihm,  auch
kann  dieses  Problem  nicht  durch  Tarifgesetze  gelöst  werden.
Im  Volke  war  man  fest  überzeugt,  daß  die  Trusts  an  dem  Tarif
eine  Stütze  hatten,  wenn  nicht  von  diesem  geschaffen  worden
sind.  Daß  der  Tarif  den  Trusts  eine  solche  Stütze  verleiht,  kann
demgegenüber  zwar  nicht  geleugnet  werden.  Die  Art,  in  der  der
Tarif  von  1909  behandelt  wurde,  —  der  auffällige  Druck  seitens
großer  Korporationen,  das  Schauspiel  der  Zollmanipulationen  auf
Verlangen  der  heimischen  Produzenten  —  bestärkten  den  Eindruck, ­
  daß  die  „Interessenten“  nach  jener  Richtung  hin  nach
einer  Unterstützung  ausschauten.  Die  Rolle  jedoch,  die  das
Schutzsystem  bei  der  Gründung  und  Erhaltung  der  Trusts  spielte,
wurde  zu  hoch  angeschlagen.  Aber  in  der  Beschuldigung,  daß
die  Trusts  Vorteil  durch  den  Tarif  hatten,  lag  immerhin  Wahrheit
genug,  um  sie  als  ein  wirkungsvolles  Kampfargument  zu  benutzen.
Unter  dem  Einflüsse  dieser  verschiedenen  Ursachen  wurden
die  Republikaner  in  den  Kongreß  wählen  von  1910  besiegt  und  bei
der  Präsidentenwahl  von  1912  völlig  geschlagen.  Zweifellos  ist
ihre  Niederlage  zum  größten  Teil  auf  die  Zersplitterung  in  ihren
eigenen  Reihen  zurückzuführen,  die  durch  die  Zählkandidatur  des
Ex-Präsidenten  Roosevelt  und  die  Gründung  der  neuen  Fortschrittspartei ­
  eintrat.  Aber  auch  ohne  dies  wäre  es  fraglich  gewesen, ­
  ob  die  Republikaner  in  den  Jahren  1910—1912  noch  Aussicht ­
  auf  Sieg  gehabt  hätten.  Die  Unzufriedenheit  mit  der  Partei
und  ihren  Führern,  die  in  den  Kongreßwahlen  von  1910  zutage
trat,  hatte  keine  Abschwächung  gezeigt.  Der  Tag  der  Demokraten ­
  brach  an  *).
*)  Die  Stärke  der  Parteien  im  Kongreß  war:
).  61.  Kongreß  1909—1911  (bei  dem  das  Tarifgesetz  von  1909
durchging):
Repräsentantenhaus:  214  Republikaner,
175  Demokraten.
Senat:  60  Republikaner,
32  Demokraten,
        <pb n="9" />
        Der  63.  Kongreß  (1913—1915)  wurde  vollständig  von  den  Demokraten ­
  beherrscht.  Im  Repräsentantenhaus  war  ihre  MajdPjJffV  ,,
überwältigend:  und  selbst  in  dem  langsam  veränderlichen  Senat"
war  inan  der  Majorität  sicher.  Wie  anzunehmen  war,  berief  Präsident ­
  Wilson  schon  im  Frühjahr  1913  eine  besondere  Session,
die  den  Tarif  sofort  in  Angriff  nahm.  Eine  Vorlage  für  eine  allgemeine ­
  Revision  war  bereits  von  der  Finanzkommission  während
der  Sitzungen  des  vorhergehenden  Kongresses,  der  März  1913
endete,  vorbereitet  worden.  Sie  war  die  Basis  einer  neuen  Vorlage, ­
  die  vom  Hause  sofort  am  8.  Mai  genehmigt  wurde.  Im  Senat
Sing  die  Sache  allerdings  langsamer.  Während  der  ganzen
Sommersession  fanden  langwierige  und  resultatlose  Debatten  statt
and  erst  Ende  September  wurde  die  neue  Vorlage  angenommen.
Am  3^  Oktober  wurde  das  Gesetz  erlassen  und  trat  sofort  in
Kraft~*).
Sowohl  im  Repräsentantenhaus  wie  im  Senat  bewiesen  die
Demokraten  im  krassen  Gegensatz  zu  den  uneinigen  Republikanern ­
  eine  bemerkenswerte  Parteidisziplin.  Der  Parteiausschuß
stimmte  für  die  Vorlagen,  in  der  Form,  wie  sie  von  den  Kommissionen ­
  des  „Hauses“  und  des  Senats  vorbereitet  waren:  Partei-2.
  62.  Kongreß  (1911—1913):
Repräsentantenhaus:  228  Demokraten,
165  Republikaner.
Senat:  51  Republikaner,
43  Demokraten.
3.  63.  Kongreß  1913—1915  (bei  dem  das  Tarifgesetz  von  1913
durchging):
Repräsentantenhaus:  286  Demokraten,
122  Republikaner,
21  Fortschrittler,  Fortschritt!.  Republ,
und  Unabhängige.
Senat;  51  Demokraten,
44  Republikaner,
1  Fortschrittler.
*)  Es  wurde  jedoch  bestimmt,  daß  Wolle  bis  zum  1.  Dezember  1913
nic ht  zollfrei  sein  sollte  und  daß  die  Ermäßigungen  für  Wollwaren  nicht
v or  dem  1,  Januar  1914  in  Kraft  treten  sollten;  auch  die  ersten  Zollermäßi-Sungen
  auf  Zucker  sollten  erst  mit  dem  März  1914  in  Kraft  treten.  Das
kausschieben  dieser  Zollermäßigungen  sollte  den  Importeuren  und  Fabriken ­
  Zeit  geben,  sich  an  die  neuen  Verhältnisse  zu  gewöhnen.
        <pb n="10" />
        8

leitung  und  hergebrachte  Tradition  übten  einen  so  starken  Einfluß ­
  auf  die  demokratischen  Mitglieder  aus,  daß  sie  an  dem  von
der  Majorität  ihrer  Partei  einmal  angenommenen  Programm  festhielten. ­
  Der  Erfolg  wurde  durch  die  Haltung  der  Regierung  wirkungsvoll ­
  unterstützt.  Präsident  Wilson,  der  langsam  aber  fest
die  Zügel  in  die  Hand  genommen  hatte,  gewann  eine  solche  Macht
über  seine  Anhänger,  daß  es  Freund  und  Feind  in  Erstaunen  setzte.
Im  „Hause“  hatten  die  Demokraten  einen  tüchtigen  Führer  in  der
Person  Underwoods,  des  Vorsitzenden  der  Finanzkommission,  und
einen  ausgezeichneten  Parteiführer  in  dem  Präsidenten  der  Republik. ­

Bevor  wir  zu  den  Einzelheiten  des  Gesetzes  übergehen,  betrachten ­
  wir  noch  etwas  den  Charakter  der  Debatten  und  die
Grundsätze  der  Parteien.
Das  neue  Prinzip,  das  in  der  Hauptsache  von  den  Befürwor-\
  tern  des  neuen  Gesetzes  herstammt,  ist  das  eines  „W  e  11  b  e  -
werbs-Tarif  s“.  Bei  dem  Tarif  des  Jahres  1909  erklärten ­
  die  Republikaner,  nach  einem  ganz  anderen  Prinzip  zu
handeln,  nämlich  dem  Prinzip  des  „Ausgleichs  der
Erzeugungskosten“.  Von  diesen  zwei  Prinzipien  sind
die  zwei  Parteien  in  der  Tarif-Kontroverse  ausgegangen.
Die  Idee,  die  dem  „Ausgleich  der  Erzeugungskosten“  zugrunde ­
  gelegt  ist,  ist  die,  daß  es  dem  Erzeuger  einheimischer
Erzeugnisse  möglich  gemacht  werde,  mit  dem  Erzeuger  ausländischer ­
  Erzeugnisse  auf  gleicher  Basis  zu  konkurrieren.  Dies
scheint  aber  auch  im  wesentlichen  die  Idee  eines  „Wettbewerbs-Tarifs“
  zu  sein.  Allerdings  wird  in  den  Angaben  über  das  Prinzip
des  „Ausgleichs“  von  einem  „mäßigen  Verdienst“  des  einheimischen ­
  Erzeugers  gesprochen,  während  die  Demokraten  in  ihrer
Erklärung  über  den  „Wettbewerb-Tarif“  den  „mäßigen  Verdienst“ ­
  verhöhnten,  und  andeuteten,  der  Wettbewerb  müsse  derart
beschaffen  sein,  daß  die  Vorteile  des  Inländers  herabgesetzt  event.
einige  von  ihnen  sogar  ausgeschaltet  würden.  —  Aber  trotzdem
muß  ein  mäßiger  Vorteil  bei  normalen  Erzeugungskosten  in  Betracht ­
  genommen  werden,  obwohl  ein  solcher  bei  den  üblichen
Methoden  der  Kostenberechnung  nicht  Berücksichtigung  findet.
Ein  Wettbewerbs-Tarif  wäre  demnach  ein  Tarif,  unter  dem  der
einheimische  und  der  ausländische  Produzent  so  miteinander  kon ­
        <pb n="11" />
        9

kurrieren,  daß  jeder  seinen  angemessenen  Verdienst  findet.  [  Es
würde  also  im  ständigen  Wortgebrauch  das  Prinzip  des  Wettbewerbs-Tarifs ­
  sich  im  wesentlichen  von  dem  des  Tarifs  zum
Ausgleich  der  Erzeugungskosten  nicht  unterscheiden.
Eine  andere  Phrase,  die  in  den  Debatten  der  damaligen  Session
viel  gebraucht  wurde,  war  die  der  „legitimen  Industri  e“.
„Die  illegitime  Industrie“,  so  hieß  es,  „würde  gefährdet  werden“.
Da  kann  man  mit  Recht  die  Frage  aufwerfen,  was  ist  denn  eigentlich ­
  eine  illegitime  Industrie?  Ist  es  eine  solche,  die  sich  nicht  ohne
Unterstützung  durch  die  Gesetzgebung  halten  kann  oder  eine
solche,  die  ihr  Anrecht  auf  Elnterstützung  verloren  hat,  wegen  der
Methoden,  durch  die  ihre  Gründer  die  Gesetzgeber  vergangener
Zeiten  zu  beeinflussen  versuchten?  Oder  ist  es  eine  solche,
die  sich  ungewöhnliche  Vorteile  durch  Monopole  oder  Halbmonopole ­
  zu  verschaffen  wußte?!  —
Vielleicht  sind  aber  auch  legitime  Industrien  solche,  die  unter
dem  Schutz  des  Tarifes  nur  einen  normalen  oder  mäßigen  Gewinn
gemacht  haben.  Vielleicht  bezieht  sich  die  Phrase  auch  auf  Industrien, ­
  die  sich  bei  einer  verhältnismäßig  niedrigen  Zollstufe
aufrecht  erhalten  können,  die  aber  Industrien,  die  von  einer  Reihe
besonders  hoher  Zölle  abhängen,  ausnimmt.  Es  kann  aber  auch
bedeuten,  daß  solche  Industrien  nicht  behelligt  werden  sollen,
die  in  der  Annahme  gegründet  wurden,  daß  die  so  viele
Jahre  fortgeftihrte  Schutzpolitik  unbegrenzt  weiter  bestehen
würde.  Es  ist  wohl  kaum  anzunehmen,  daß  man  sagen
wollte,  „eine  Industrie  ist  deswegen  illegitim,  weil  sie  auf  Schutz
angewiesen  sei“.  Jedenfalls  wurden  beide  Ausdrücke,  „legitime
Industrien“  und  „Konkurrenz-Industrien“,  niemals  so  gebraucht,
daß  ihre  Befürworter  gezwungen  gewesen  wären,  den  Schutzzoll
abzuschaffen  oder  dem  Freihandel  das  Wort  zu  reden.
Aber  alle  diese  Schlagworte  sind  weniger  wichtig  hinsichtlich ­
  ihrer  tatsächlichen  Bedeutung,  als  in  bezug  auf  die  Wirkung,
die  sie  auf  den  Durchschnittswähler  haben.  Die  Schlußfolgerunsen, ­
  die  sie  zulassen,  sind  keineswegs  die  gleichen.  Sie  verleiten
vielmehr  zu  sehr  verschiedenen  Auslegungen.  Die  Republikaner,
die  angeblich  nur  einen  Ausgleich  der  Erzeugungskosten  wünschen, ­
  gaben  zu  erkennen,  daß  sie  die  Zölle  so  hoch  zu  bemessen
Wünschten,  daß  der  inländische  Erzeuger  die  Situation  beherrschte.
        <pb n="12" />
        10

Die  Demokraten  wollten  mit  ihrem  „Wettbewerb“  nur  andeuten, ­
  daß  die  Zölle  nicht  einem  Einfuhrverbot  gleichen  sollten.
Die  Demokraten  behielten  sich,  wenn  sic  von  Ausgleichszöllen
und  legitimen  Industrien  sprachen,  die  Alternative  vor,  da  wo
politische  oder  ökonomische  Zweckmäßigkeit  es  verlangen  sollte,
von  diesen  Grundsätzen  abzugehen  und  die  Zölle  ohne  Rücksicht
auf  Ausgleich  und  Gesetzmäßigkeit  festzusetzen.
Nichts  erhellte  so  sehr  die  Art,  in  der  sich  die  Parteien  zu
der  Tariffrage  gestellt  hatten,  wie  die  Frage  bezüglich  der  Zweckmäßigkeit ­
  einer  Beibehaltung  des  Tarifausschusses.  Der  Tarif-Ausschuß
  ist  von  den  Republikanern  im  Jahre  1909  eingesetzt
worden.  Er  fertigte  umfangreiche  Berichte  über  wichtige  Industrien ­
  und  ihre  Beziehungen  zum  Zolltarif  an,  besonders  über
Baumwoll-  und  Wollfabrikate.  Dies  hat  unter  den  Demokraten
im  Jahre  1912  aufgehört.  Im  Schutzzollprinzip  liegt  natürlich  die
Notwendigkeit,  detaillierte  Einzelheiten  über  jede  Industrie  zu  erfahren, ­
  beim  Freihandelsprinzip  würde  dies  nicht  notwendig  sein.
Man  braucht  ja  nur  die  importierten  und  die  einheimischen  Erzeugnisse ­
  gleich  zu  behandeln;  entweder  beide  gleich  hoch  zu  besteuern, ­
  oder  beide  steuerfrei  zu  lassen.  Dann  werden  die  Ergebnisse ­
  eines  vollständig  gleichen  Wettbewerbs  zur  Geltung
kommen.  Aber  niemand  schlägt  diese  drastische  Maßnahme  vor,
wenigstens  nicht  zur  allgemeinen  sofortigen  Anwendung.
Mag  die  Basis  des  Ausgleichs  in  den  „konkurrierenden  Bedingungen“ ­
  oder  in  dem  „Ausgleich  der  Kosten“  oder  den  „legitimen ­
  Industrien“  liegen,  in  jedem  Falle  wird  man  die  Frage  aufwerfen, ­
  welche  präzisen  Zollsätze  führen  den  Ausgleich  herbei.
Daher  auch  der  Wunsch  der  Republikaner  nach  einem  sachverständigen ­
  Auschuß,  nach  Prüfungsorganen,  und  die  Beschwerden
über  die  Sorglosigkeit  bei  Industriegründungen  ohne  vorherige  sorgfältige ­
  Untersuchung.  Daß  die  „Mittel-  und  Wegekommission“  der
Repräsentanten  oder  das  Finanz-Komitee  des  Senates  nicht  in  der
Lage  waren,  solche  Prüfung  oder  Untersuchung  vorzunehmen,
wurde  jetzt  von  den  Republikanern  unbedingt  zugegeben.  Sie
leugneten  ihre  eigenen  früheren  Verfehlungen  in  dieser  Beziehung
nicht  ab,  drängten  aber  auf  Abänderungen  der  jetzigen  und  zukünftigen ­
  Zustände.  Es  wurde  viel  darüber  geklagt,  daß  die  „Demokratische ­
  Mittel-  und  Wege-Kommission“  scharf  vorgegangen
        <pb n="13" />
        11

sei,  daß  sic  die  Zölle  nach  Mutmaßungen  festgestellt  habe,  und
daß  sie  Rohstoffe  und  Halbzeug  mit  Zöllen  belegt  habe,  die  nicht
in  Einklang  zu  bringen  seien  mit  denen  auf  fertige  oder  beinahe
fertige  Waren.  Der  neue  Tarif,  so  hieß  es,  sei  kein  „fachmännischer“. ­

Darin  lag  wohl  etwas  Wahrheit.  Die  Zölle  wurden  in  der  Tat
mehr  oder  weniger  schnell  und  oberflächlich  festgelegt.  Die  festgesetzten ­
  Zölle  waren  in  vielen  Fällen  das  Ergebnis  von  Vergleichen, ­
  nicht  aber  das  Resultat  irgend  einer  genauen  Berechnung
oder  Information.  Zweifelsohne  war  es  so  auch  in  früheren  Jahren
gewesen,  jetzt  aber  trat  diese  Erscheinung  noch  in  verstärktem
Maße  auf.  Die  Republikaner  durften  mit  Recht  behaupten,  daß
der  Tarifausschuß  seit  1909  au  der  Arbeit  gewesen  sei,  und  durch
ihn  die  Möglichkeit  eines  mehr  überlegten  und  vorsichtigen  Verfahrens ­
  gegeben  gewesen  sei.  Aber  anderseits  konnte  man  von
den  Demokraten  nicht  verlangen,  daß  sie  dem  Streben  nach  ausgedehnter ­
  Vorbereitung  und  sachverständiger  Untersuchung  eine
größere  Aufmerksamkeit  schenkten.  Denn  erstens  war  der  Tarifausschuß ­
  eine  Idee  der  Republikaner  gewesen!  Wie  gut  auch
immer  seine  Arbeit  gewesen  sein  mochte,  —  und  kein  kompetenter
Beobachter  kann  es  leugnen,  daß  sie  vielfach  Licht  auf  die
geprüften  Punkte  geworfen  hat  —  es  haftete  ihm  doch  der  Beigeschmack ­
  der  Partei,  die  ihn  eingesetzt  hatte,  an,  Gerade  der
Umstand,  daß  die  Republikaner  jene  Idee  gehabt  hatten,  veranlaßte
  die  Demokraten,  sie  zu  verwerfen.  Weiter  war  der  Umstand ­
  wichtig,  daß  detaillierte  und  umfangreiche  Untersuchungen ­
  notwendigerweise  eine  Verzögerung  herbeigeführt  hätten.  Man
konnte  es  den  Demokraten  nicht  verdenken,  daß  sie  glaubten
so  unparteiisch  die  Mitglieder  des  Tarifausschusses  auch  immer
gewesen  sein  mochten,  wie  gut  auch  immer  ihre  Arbeit  gewesen
■^ar  ■—  der  Hauptzweck  der  republikanischen  Führer,  die  wieder
e men  Ausschuß  forderten,  sei  doch  der,  ein  schnelles  Handeln  zu
verhindern,  um  vielleicht  noch  einmal  die  politische  Lage  zu  ihren
Gunsten  zu  wenden.  Ein  Aufschub  bis  zur  Beendigung  der  Arbeiten ­
  des  sachverständigen  Ausschusses  würde  für  die  Demokraten ­
  das  Verpassen  der  günstigsten  Gelegenheit  bedeutet  haben.
Seit  vielen  Jahren  beherrschten  sie  zum  ersten  Male  alle  Zweige
^ er  nationalen  Gesetzgebung,  nicht  allein  im  Repräsentanten ­
        <pb n="14" />
        12

hause  und  in  der  Person  des  Präsidenten,  sondern  sogar  im  Senat.
Ihr  Tag  war  angebrochen,  und  ein  längeres  Warten  wäre  nach
ihrer  Ansicht  mit  politischem  Selbstmord  gleichbedeutend  gewesen. ­

Die  wichtigsten  Änderungen  in  dem  Zollgesetz  von  1913  betreffen ­
  Zju  c  k  e  r  und  Wolle.  Beide  Artikel  werden  in  Zukunft
zollfrei  zugelassen,  und  zwar  Wolle  sofort  und  Zucker  nach  Verlauf ­
  von  drei  Jahren.  Nach  den  Tarifen  von  1897  und  1909  betrug
der  Zoll  auf  Zucker  1%  cents.  Bis  l.Mai  1916  soll  der  Zoll  1%  Cents
pro  Pfund  betragen  und  von  da  ab  wird  er  zollfrei.  Der  Übergangszoll ­
  von  1  Vi  cents  pro  Pfund  unterliegt  einer  Reduktion  von
20%  auf  Zucker  aus  Kuba,  dem  größten  Importland  der  vergangenen ­
  und  zukünftigen  Jahre.  In  der  Bemessung  einer  dreijährigen
Zwischenzeit  liegen  folgende  Vorteile:
Erstens  hat  der  Fiskus  einen  Vorteil  in  dem  Hinausschieben
der  völligen  Freigabe.  Der  Zuckerzoll  trägt  erheblich  zu  den
Zolleinkünften  bei.  Die  Einkommensteuer,  die  den  Verlust  an
Zolleinkünften  ersetzen  soll,  wird  noch  einige  Zeit  in  Anspruch
nehmen,  ehe  sie  voll  zur  Geltung  kommen  wird.  Die  zeitweise
Beibehaltung  des  Zuckerzolls  erleichtert  es  also  dem  Fiskus,  den
Etat  entsprechend  einzurichten.
Zweitens,  wird  den  Zuckererzeugern  Zeit  gegeben,  sich  den
neuen  Verhältnissen  anzupassen.  Die  Produktion  von  Rohzucker,
gleichviel  ob  Rohr-  oder  Rübenzucker  ist  in  unserer  modernen
Zeit  eine  Fabrikations-  wie  auch  eine  Extraktivindustrie.  Die  Abschaffung ­
  des  Zuckerzolls  zeigt  deutlich  das  Problem  der  Wahrung
zu  Recht  erworbener  Interessen  in  einer  Industrie,  in  der  große
Kapitalien  investiert  sind.  In  allen  solchen  Fällen  ist  es  wohl  gerechtfertigt, ­
  Ermäßigungen  hinauszuschieben.  Allerdings  kann
wohl  ein  leiser  Zweifel  bestehen,  ob  ein  solches  Programm  von
Ermäßigungen  bis  ans  äußerste  Ende  durchgeführt  wird  und  ob
die  Vorbereitungen  für  den  Übergang  auch  tatsächlich  getroffen
worden  sind.  Letztere  Erwägung  steht  auch  dem  Plan  entgegen,
der  oft  als  der  beste  zur  Bekämpfung  scheinbar  allzu  hoher
Zölle  empfohlen  wird,  nämlich  dem,  die  Ermäßigungen  über  eine
Reihe  von  Jahren  auszudehnen.  Es  ist  ja  auch  immer  fraglich,
ob  sich  nicht  in  der  Zwischenzeit  die  politische  Lage  ändern  wird.
Selbst  während  der  letzten  zwei  Jahre,  als  es  jedem  unpartei-
        <pb n="15" />
        —  1?.  —
ischen  Beobachter  klar  war,  daß  eine  erhebliche  Beschneidung
des  Schutzsystems  nicht  abzuwenden  war,  haben  interessierte
Produzenten  beständig  gegen  das  Unabwendbare  gekämpft,  indem
sie  sich  einzureden  versuchten,  daß  die  Änderungen  vermieden
oder  hinausgeschoben  werden  könnten.  Die  gleiche  Unwilligkeit
gegenüber  einem  unwillkommenen  Zustande  wird  wohl  auch  in
den  drei  Jahren,  bevor  der  Zucker  ganz  frei  wird,  zutage  treten.
Die  Taktik  der  Protektionisten  deutet  auf  mancherlei  Art  an,  daß
sie  auf  eine  Wiederkehr  der  guten  alten  Zeiten  hoffen.  Unter
solchen  Umständen  kann  man  wohl  kaum  eine  wohlerwogene  Anpassung ­
  an  die  Bedingungen  des  neuen  Tarifs  erwarten  und,  wenn
das  jetzige  Programm  tatsächlich  bis  zum  letzten  Ende  ausgeführt
wird,  so  werden  wohl  die  Zuckerproduzenten  im  Jahre  1916
ebenso  schlecht  darauf  vorbereitet  sein,  wie  es  jetzt  der  Fall  ist.
Die  taktischen  und  politischen  Gründe  für  die  Zollfreiheit  des
Zuckers  bestehen  darin,  daß  man  hierdurch  die  Kosten  des  Lebensunterhalts ­
  zu  ermäßigen  glaubt.  Hier  kommt  eine  Ware  in  Frage,
die  allgemein  gebraucht  und  durch  den  bestehenden  Zoll  verteuert
wird  und  die  ziemlich  sicher  nach  Abschaffung  des  Zolles  billiger
Werden  wird.  Allerdings  können  inzwischen  mißliche  Ernteverhältnisse ­
  die  Wirkung  bis  zum  Jahre  1916  eventuell  in  Frage
Hellen.  In  diesem  Falle  wird  die  Abschaffung  des  Zolles  zwar
wicht  dazu  beitragen,  den  Preis  des  Zuckers  zu  ermäßigen,  wohl
aber  wird  sie  verhüten,  daß  er  noch  teurer  wird.
Wie  verhält  sich  nun  die  Zollfreiheit  des  Zuckers  zu  dem
Prinzip  des  „Wettbewerbs-Tarifs“  oder  der  „illegitimen  Industrien“? ­
  Der  Import  von  Zucker  ist  immer  groß  gewesen.  Soweit ­
  Kohrzucker  in  Betracht  kommt,  hat  stets  eine  Konkurrenz
bestanden  zwischen  den  einheimischen  Produzenten  untere
 'Pander  und  zwischen  diesen  und  den  ausländischen.  Die
Produktion  von  Rohr-  und  Rübenzucker  ist  in  den  Vereinigten ­
  Staaten  so  legitim  gewesen,  wie  dies  nur  bei
e 'Per  hoch  geschützten  Industrie  der  Fall  sein  kann.  Viel-Dicht
  mag  der  Umstand,  daß  die  Zuckerpflanzer  von
Hawaii  und  Porto  Rico  und  in  geringerem  Maße  die  von  Kuba
lm d  den  Philippinen  sich  unter  den  durch  den  Zoll  Begünstigten
befanden,  dazu  beigetragen  haben,  daß  die  Stellung  zu  der  Zolltra
 Se  sich  nicht  änderte.  In  der  Hauptsache  aber  muß  die  Ab-
        <pb n="16" />
        14

Schaffung  des  Zolles,  die  taktisch  gerechtfertigt  ist,  um  die  Kosten
der  Lebensweise  zu  verbilligen,  von  dem  Gesichtspunkt  aus  betrachtet ­
  werden,  daß  billiger  ausländischer  Zucker  besser  ist  als
teurer  einheimischer.  Darin  liegt  ja  der  Kernpunkt  des  Freihandels-Prinzips. ­

Von  keiner  anderen  Änderung  des  Tarifs  werden  wohl  so
erhebliche  wirtschaftliche  Wirkungen  ausgehen,  wie  von  dem
zollfreien  Zucker.  Obwohl  die  Produzenten  in  Louisiana  und  in
den  Rübenzuckerstaaten,  ihre  Abhängigkeit  vom  Schutzzoll  übertrieben ­
  haben  —  wie  dies  einheimische  Produzenten  gewöhnlich
zu  tun  pflegen,  wenn  sie  Gesuche  um  Zollerhöhungen  einreichen
—  so  hat  man  doch  den  Eindruck,  als  wenn  sie  der  ausländischen
Konkurrenz  nicht  auf  gleicher  Basis  begegnen  könnten.  Die  Produzenten ­
  von  Rohrzucker,  wie  auch  von  Rübenzucker  haben  gute
Jahre  hinter  sich,  das  beweist  schon  das  Anwachsen  ihrer  Produktion. ­
  Einige  von  ihnen  können  vielleicht  bei  freiem  Zucker
auch  noch  ihr  gutes  Auskommen  haben.  Dies  wird  besonders
für  einige  im  Westen  günstig  gelegene  Zuckerrübendistrikte  zutreffen. ­
  So  ist  z.  B.  bei  dem  Hawaii-Zucker  anzunehmen,  daß
sich  der  Umsatz  vermindern  wird,  aber  nicht,  daß  die  Zuckerproduktion ­
  eingestellt  werden  wird.  Hawaii  und  Porto  Rico  werden
einen  harten  Schlag  erhalten,  aber  sie  werden  kaum  gezwungen
werden,  den  Betrieb  einzustellen.  Kuba  und  Java  werden  wahrscheinlich ­
  mehr  importieren.  Jedenfalls  werden  die  Veränderungen ­
  in  der  Versorgung  erheblich  sein,
Was  über  freien  Zucker  gesagt  worden  ist,  gilt  auch  für  den
sofortigen  und  vollständigen  Fortfall  des  Zolls  auf  Wolle.  In
ihren  Tarifvorlagen  von  1911  und  1912  hatten  die  Demokraten
es  doch  nicht  gewagt,  in  ihren  Wünschen  soweit  zu  gehen;  sie
schlugen  nur  vor,  den  Wollezoll  auf  20%  herabzusetzen.  Dem
Einfluß  des  Präsidenten  Wilson  ist  es  zu  verdanken,  daß  man
jetzt  noch  weiter  ging  und  diesen  Zoll  ganz  und  gar  beseitigte.
Man  muß  bedenken,  daß  dies  die  einzige  radikale  Änderung  in  dein
unglücklichen  Tarif  von  1894  war.  Durch  diesen  energischen
Schritt  zeigte  Präsident  Wilson  den  unerschrockenen  Mut,  der
ihm  nicht  weniger  die  Achtung  seiner  Gegner  als  seiner  Freunde
gewann.
        <pb n="17" />
        15

Die  republikanische  Formel  von  dem  Ausgleich  der  Erzeugungskosten ­
  hatte  sich  in  der  Anwendung  als  unmöglich  erwiesen.
Der  vorzügliche  Bericht  des  Tarifausschusses  ließ  deutlich  erkennen, ­
  daß  es  unmöglich  war,  die  Kosten  der  Wollerzeugung
unter  den  üblichen  Farmverhältnissen  genau  anzugeben  und  daß
unter  anderen  Verhältnissen  die  Kosten  sich  in  verschiedenen
Gegenden  wieder  ganz  anders  stellten,  so  daß  das  Ausgleichrezept ­
  unbrauchbar  war.  Das  Prinzip  des  „Konkurrenztarifs“  war
ebenso  nutzlos.  Der  Zoll  auf  Wolle  war  seit  vielen  Jahren  konkurrierend ­
  gewesen,  d.  h.  die  Importe  waren  stetig  im  Wachsen
begriffen.  Soweit  Einkünfte  in  Betracht  kamen,  würde  eine
völlige  Abschaffung  des  Zolls  unbedingt  einen  fiskalischen  Verlust
bedeutet  haben.  Man  konnte  auch  nicht  behaupten,  daß  die  Wollzucht
  eine  „illegitime  Industrie“  sei,  ausgenommen  vom  Standpunkte ­
  des  Freihändlers.  Auch  hier  scheint  man  sich  klar  gegen
die  verschleierten  und  apologetischen  Schutzzollargumente  entschieden ­
  zu  haben.
Der  Zoll  auf  Wolle  läßt  sich  nur  vom  Standpunkt  des  flochschutzzöllners
  verteidigen.  Der  Zoll  auf  Wolle  ist  eine  der  Anomalien ­
  in  den  Tarifgesetzen  der  Vereinigten  Staaten  gewesen.
Keins  der  führenden  Länder  hemmt  und  belastet  seine  Fabrikationsindustrie
  durch  Besteuerung  der  Wolle.  Zölle  auf  Rohmaterialien ­
  sind  nicht  allein  mit  den  Grundsätzen  des  Freihandels,  sondern ­
  auch  mit  denen  einer  aufgeklärten  und  vorsichtigen  Schutz-Politik
  unvereinbar.  Trotzdem  ist  in  der  Geschichte  der  Vereinigten ­
  Staaten  während  des  halben  Jahrhunderts,  das  unserem
Bürgerkriege  vorausging,  und  auch  in  der  folgenden  Hochschutz-Zollperiode,
  Wolle  in  den  Vereinigten  Staaten  immer  zollpflichtig
gewesen.  Eine  Erklärung  hierfür  findet  man  vielleicht  darin,  daß
Pian  dadurch  der  Landbevölkerung  einen  Schutz  gewähren  wollte.
Bast  alle  sonstigen  landwirtschaftlichen  Produkte  werden  gewöhnlich ­
  aus  einem  Lande  von  der  Konstruktion  der  Vereinigten
Staaten  exportiert,  nicht  importiert.  Einfuhrzölle  können  daher
hier  keinen  Einfluß  haben.  Allein  Wolle  bildete  eine  Ausnahme;
hier  mußten  die  Vereinigten  Staaten  ständig  zu  ausländischen  Vorräten ­
  ihre  Zuflucht  nehmen.  Die  inländische  Produktion  ist  groß,
Dotzdem  wird  importiert.  So  liegt  also  die  Möglichkeit  vor,  den
Barmer  zu  schützen  und  ihn  dadurch  zum  Anhänger  der  allge-
        <pb n="18" />
        meinen  Schutzpolitik  zu  machen.  Während  der  letzten  Generation, ­
  besonders  seit  1890  ist  die  Woll-  und  Wollwarcn-Position
des  Tarifs  das  Sturrazentrum  der  Schutzzoll-Kontroverse  gewesen.
Die  Eisenzölle,  die  früher  am  stärksten  angegriffen  wurden,  sind
allmählich  weniger  wichtig  geworden.  Bei  dem  Zoll  auf  Wolle
und  Wollwaren  war  auch  diesmal  wieder  der  Zoll  auf  Rohmaterial
der  Angriffspunkt.  Solange  Wolle  zollpflichtig  war,  konnte  man
sich  bei  den  Wollproduzenten,  die  einen  erheblichen  Teil  der  ländlichen ­
  Wählerschaft  bilden,  darauf  verlassen,  daß  sie  für  hohe
Zölle  auf  Wollwaren  stimmen  würden.  Nachdem  nun  einmal  der
Wollzoll  abgeschafft  ist,  gehören  sie  nicht  mehr  zu  den
Anhängern  des  Schutzsystems.  Darum  sind  auch  die  Republikaner ­
  zugunsten  des  Wollzolls  so  unnachgiebig  gewesen.  Der
Wilson-Tarif  von  1894  schaffte  ihn  ab  und  wurde  dafür  um  so
heftiger  angegriffen.  Einer  der  Hauptpunkte  in  dem  Programm
McKinleys,  als  er  im  Jahre  1896  Kandidat  für  die  Präsidentschaft
war,  war  die  Wiedereinsetzung  des  Wollzolls  und  er  wurde  auch
gleich  nach  seiner  Ernennung  in  den  Tarif  von  1897  wieder  aufgenommen
  und  dann  ohne  Abänderung  im  Tarif  von  1909  beibehalten. ­
  Der  jetzige  Tarif  hat  ihn  endlich  gänzlich  abgeschafft.  Die
Demokraten  haben  sich  geweigert,  ein  Kompromiß  zu  schließen:
oder  richtiger  ihr  Führer,  Präsident  Wilson,  weigerte  sich,  einen
i  Vergleich  zu  machen.  Wolle  ist  ein  für  alle  Mal  zollfrei!
Der  Wunsch,  den  Lebensunterhalt  zu  verbilligen,  war  ebenso
maßgebend  für  die  Zollfreiheit  der  Wolle  wie  für  die  schließlichc
Zollfreiheit  des  Zuckers.  Wollene  Kleidung  ist  in  den  Vereinigten
Staaten  teurer  als  in  jedem  anderen  Lande.  Billigere  Wolle  wird
diese  Differenz  vermindern  und  billigere  Konfektion  zur  Folge
haben.  Die  Änderung  wird  zwar  bei  Wolle  nicht  so  auffallend
werden,  wie  bei  dem  Zucker.  Im  Durchschnitt  wird  der  Unterschied ­
  in  den  Preisen  für  Männerkleidung  ungefähr  einen  Dollar
betragen.
Der  Wollzoll  führte  natürlich  insbesondere  zu  hohen  Zöllen
auf  Wollwaren.  Der  amerikanische  Wollfabrikant  mußte
wegen  des  Zolls  auf  Rohwolle  höhere  Preise  für  sein  Rohmaterial
bezahlen,  als  der  deutsche  und  englische  Fabrikant.  Für  diese  Erhöhung ­
  seiner  Fabrikationsunkosten  mußte  er  entschädigt  oder
geschützt  werden  durch  Extrazölle  auf  importierte  Wollwaren.
        <pb n="19" />
        17

Daraus  entstand  dann  ein  sehr  kompliziertes  System,  durch  welches ­
  Zölle  auf  Wollwaren  angesetzt  wurden,  die  (ln  der  Theorie
wenigstens)  nur  entschädigender  Natur  waren,  während  noch
außerdem  Zusatzzölle  zu  Schutzzwecken  erhoben  wurden.  Die
Entschädigungszölle  waren  Spezialzölle  (1  cent  pro  Pfund  auf
wollene  Kleidung),  während  die  Zusatz-  oder  tatsächlich  schützenden ­
  Zölle  als  Wertzölle  berechnet  wurden.  Diese  Schutzzölle
beliefen  sich  in  den  Tarifen  von  1897  und  1909  auf  50—55%.
Rechnet  man  hierzu  die  entschädigenden  Spezialzölle,  so  belief
sich  die  Totallast  auf  Wolle  bis  auf  100%  ihres  Wertes.  In  kaum
einem  anderen  Artikel  waren  die  Sätze  so  hoch.
Die  notwendige  Folge  der  freien  Wolle  ist  jetzt  natürlich  der
Portfall  der  Spezialzölle  auf  Wollwaren.  fNur  die  Wertzölle  auf
Wollwaren  werden  beibehalten,  aber  wesentlich  ermäßigt.  Der
Wertzoll  betrug  in  den  Jahren  1897  und  1909  für  die  meisten  Wollwaren ­
  50—55%.  Bei  den  meisten  Wollfabrikaten  sinkt  der  Satz
in  Zukunft  auf  35%.  Garne  sind  bis  zu  20%  zollpflichtig.  Die
Zölle  auf  Teppiche  bewegen  sich  zwischen  20  und  35%.  Nominell
also  besteht  die  Ermäßigung  auf  Wollwaren  nur  in  dem  ermäßigten
Wertzoll.  Tatsächlich  aber  bedeutet  die  Abschaffung  des  besonderen ­
  Entschädigungszolls  noch  einen  weiteren  Nachlaß.  Diese
Entschädigungszölle  haben  einen  starken,  verborgenen  Schutz  gewährt. ­
  Sie  haben  ihre  nominelle  Aufgabe,  den  Einfluß  des  Wollzolls
  durch  Erhöhung  der  einheimischen  Wollpreise  zu  verbergen,
v ollauf  erfüllt.  Dieser  verborgene  Schutz  war  nicht,  wie  so  oft
behauptet  wird,  die  Folge  willkürlicher  Intriguen  und  Manipulationen, ­
  er  war  vielmehr  das  Resultat  einer  allmählichen  und  in
Mancher  Beziehung  unerwarteten  Veränderung  in  der  Entwickhuig
  der  Industrie.  Wie  es  aber  auch  immer  gewesen  sein  mag,
die  Zölle  auf  Wollwaren  (entschädigende  Spe^ilzölle  und
Wertzölle  zusammen)  beliefen  sich  schließlich  auf  100%  bei
den  wenigen  Waren,  die  weiter  importiert  wurden  und  auf  140  bis
150%  bei  fast  allen  ausländischen  Waren,  die  natürlich  angesichts
solcher  prohibitiven  Zölle  überhaupt  nicht  mehr  importiert
Wurden.
Diese  große  Herabsetzung  der  Zollsätze,  von  100%  oder  mehr
tllJ f  35%  und  weniger,  werden  ein  Fallen  der  Marktpreise  zur
F °lge  haben.
        <pb n="20" />
        18

Allerdings  kann  man  nicht  voraussehen,  bis  zu  welchem  Grade
sich  die  Preise  ändern  werden.  Natürlich  wird  die  Änderung
nicht  so  erheblich  sein,  wie  es  wohl  der  Fall  sein  würde,  wenn
der  Grundsatz  richtig  wäre,  daß  jede  Zollermäßigung  eine  entsprechende ­
  Preisänderung  herbeiführt.  Um  es  noch  einmal  zu
wiederholen,  der  Zoll  auf  Wollzeuge  war  in  der  Hauptsache  ein
Schutzzoll.  Inländische  Wollwaren  behaupteten  das  Feld  und  die
Konkurrenz  unter  den  inländischen  Fabrikanten  hielt  die  Preise
der  meisten  Ware  innerhalb  der  Grenzen  der  Fabrikationsunkosten. ­
  Diese  Fabrikationsunkosten  erhöhten  sich  fraglos  dadurch,
daß  das  Rohmaterial  —  Wolle  —-  durch  den  Zoll  im  Preise  erhöht
wurde.  Inwieweit  die  tatsächlichen  Fabrikationsunkosten  höher
waren  als  in  anderen  Ländern,  ist  schwer  anzugeben.  Wenn  der
35prozentige  Zoll  nur  die  höheren  Fabrikationsunkosten  innerhalb
des  Landes  zum  Ausgleich  bringt,  so  wäre  die  Änderung  im  Zoll
auf  Wollwaren  nur  nominell,  indem  sie  einen  tatsächlich  wirkungsvollen ­
  Schutzzoll  an  Stelle  eines  unnötig  hohen  Prohibitivzolles
setzt.
Scheinbar  haben  die  Demokraten  sich  in  diesem  Falle  bemüht, ­
  das  Wettbewerbsprinzip  anzuwenden.  Die  Untersuchungen
des  früheren  Tarifausschusses  und  einige  weitere  darauf
basierende  Kalkulationen  deuteten  an,  daß  ein  Zoll  von  35%  ungefähr ­
  der  Differenz  in  den  Herstellungskosten  der  amerikanischen ­
  und  ausländischen  Fabrikanten  entsprechen  würde.  Das  ist
aber  nur  eine  oberflächliche  Berechnung.  Bei  einigen  Waren  ist
der  Zollsatz  von  35%  mehr  als  hoch  genug,  so  daß  der  inländische
Fabrikant  sich  behaupten  kann.  Andere  Waren  werden  zum  Nachteil ­
  der  amerikanischen  Produktion  importiert  werden.  Prophezeiungen ­
  eines  allgemeinen  Unglücks,  das  aus  solchen  Änderungen
herrühren  soll,  werden  zwar  ohne  Zweifel  in  gutem  Glauben  gemacht ­
  und  durch  die  entstellenden  Berichte  über  die  Notwendigkeit ­
  des  hohen  Schutzzolls  hervorgerufen,  aber  sehr  oft
auch  nur  mehr  oder  weniger  vorgeschützt.  Denen,  die
solche  Behauptungen  aufstellen,  liegt  hauptsächlich  daran,
die  unwillkommenen  Änderungen  abzuwehren  oder  abzuschwächen. ­
  Der  größere  Teil  der  Woll-  und  Kammwoll-Webereien
  wird  bei  einem  Zollsatz  von  35%  wie  bisher
bestehen  können.  Einige  wenige  schwächere  Webereien  werden
        <pb n="21" />
        —  19

Eingehen.  Es  wird  allgemein  behauptet,  selbst  in  Fabrikationskreisen, ­
  daß  die  Anzahl  jener  schwächeren  Betriebe  dieses  Industriezweiges ­
  nicht  gering  ist.  Diejenigen  Anlagen,  die  gut  ausgerüstet ­
  und  gut  verwaltet  werden,  werden  sich  vielleicht  behaupten ­
  können,  aber  sie  werden  sich  den  neuen  Verhältnissen ­
  anpassen  und  eine  schwere  Übergangszeit  durchmachen
müssen.  Die  Fabrikanten  von  fertigen  Kleidern,  die  am  stärksten
von  den  Webereien  gekauft  haben  und  die  künftig  fraglos  mit
fremden  und  inländischen  Waren  arbeiten  werden,  werden  in
mehr  oder  minder  beschränktem  Maße  kaufen,  je  nachdem  sich
der  tatsächliche  Preis  der  inländischen  und  ausländischen  Konkurrenz ­
  gestaltet,  und  zwischen  den  inländischen  Fabrikanten
selbst  wird  die  Konkurrenz  schärfer  denn  je  werden.  Die  zollfreie ­
  Wolle  wird  die  Verwendung  von  Fasern,  die  bisher  nicht
benutzt  wurden,  gestatten  und  dadurch  die  Produktion  einer  neuen
Warengattung  ermöglichen.  Allerdings  wird  einige  Zeit  vergehen
müssen,  vielleicht  zwei  oder  drei  Jahre,  bevor  sich  die  Fage
in  der  Wollindustrie  unter  den  neuen  Verhältnissen  geklärt  haben
wird.  Einige  Zweige  der  inländischen  Wollfabrikation  werden
wohl  eingehen.  Augenscheinlich  sind  die  Fabrikanten  der
feinsten  Ware  und  der  billigsten  Ware  am  meisten  gefährdet.  Die
sogenannte  Mittelware,  die  am  stärksten  fabriziert  wird,  wird  sich
wahrscheinlich  behaupten  können.  Die-  besten  und  teuersten
Sorten  von  Männer-  und  Frauenkonfektion  werden  voraussichtlich ­
  in  erheblich  größeren  Mengen  importiert  werden  und  die  einheimische ­
  Ware  verdrängen.  Einige  ausländische  Fabrikanten,
besonders  deutsche,  die  durch  die  hohen  Zollsätze  von  1897  und
1909  verführt,  ihre  Fabriken  nach  den  Vereinigten  Staaten  verlegten, ­
  werden  dem  Anschein  nach  schwer  zu  leiden  haben.
Die  Ermäßigungen  auf  Baumwollwaren  sind  in  bezug“
auf  Charakter  und  Wirkung  den  WertsaTzen  der  Zölle  auf  Wollwaren
  nicht  unähnlich.  Die  Änderung  des  Zolltarifes  ist  bedeutend. ­
  Aber  auch  in  diesem  Falle  werden  die  Folgen  für  Handel  und
Industrie  nicht  so  groß  sein,  wie  der  Unterschied  in  den  Ziffern  zu
sagen  scheint.  Der  Zollsatz  auf  die  niedrigste  Sorte  Baumwollgarn ­
  beträgt  nur  5%,  für  die  billigste  Sorte  ungedruckter  und  ungebleichter ­
  Baumwollstoffe  114%.  Für  feinere  Sorten  steigen  die
2*
        <pb n="22" />
        20

Zölle  entsprechend  und  betragen  für  Garn  25%  und  für  einfache
Stoffe  27%%.  Mit  einem  Zollzuschlag  von  2'A%  werden  Stoffe
belegt,  die  gebleicht,  gefärbt,  bedruckt  oder  merzerisiert  sind.
Der  Maximalzoll  auf  Stoffe  beträgt  30%,  für  gewöhnliche  Strumpfwaren ­
  20%,  für  Modestrumpfwaren  sind  verhältnismäßig  hohe
Zölle  beibehalten  worden:  30%,  falls  der  Wert  zwischen  70  cents
pro  Dutzend  oder  weniger  beträgt;  40%,  wenn  der  Wert  zwischen
70  cents  und  1,20  Doll,  schwankt,  und  50%,  wenn  er  1,20  Doll,  übersteigt. ­
  Hier  ist  einer  der  verhältnismäßig  wenigen  Fälle,  in  dem
das  Schutzsystem  (mit  dem  steigenden  Warenwert  entsprechend
progressiven  Sätzen)  beibehalten  wird.  Baumwollene  gestrickte
Waren  sind  im  allgemeinen  mit  20%  zollpflichtig,  und  die  Sammelposition ­
  sieht  für  baumwollene  Waren,  die  nicht  besonders  aufgeführt ­
  sind,  30%  vor.  Baumwollene  Handschuhe  unterliegen
einem  Zoll  von  35%.
Diese  Ziffern  weichen,  wie  schon  einmal  gesagt,  radikal  von
den  im  früheren  Zolltarif  vorgesehenen  ab.  Aber  wie  bereits  erwähnt, ­
  wird  die  Ermäßigung  auf  die  meisten  Waren  nur  nominell
sein.  Die  billigeren  Sorten  von  Baumwollstoffen  werden  in  den
Vereinigten  Staaten  so  billig  wie  in  irgendeinem  anderen  Lande
hergestellt.  Außer  gelegentlichen  Spezialitäten  werden  solche
Waren  nicht  importiert,  sondern  vielmehr  von  den  Vereinigten
Staaten  exportiert.  Waren  mittlerer  Sorte,  obwohl  sie  nicht  exportiert ­
  werden,  würden  wahrscheinlich  selbst  bei  völlig  freier
Einfuhr  nicht  in  erheblichen  Mengen  importiert  werden;  und  der
jetzt  bestehende  Wertzoll  wird  auch  weiter  den  inländischen
Markt  sicher  in  den  Händen  der  amerikanischen  Fabrikanten
lassen.  Wahrscheinlich  werden  nur  die  feineren  Waren  von  den
Änderungen  berührt  werden.  Ein  Import  derselben  hat  trotz  der
früheren  hohen  Zölle  beständig  stattgefunden  und  wird,  infolge  der
niedrigen  Zollsätze,  noch  größer  werden.  Diese  Waren  sind  auch
durch  die  früheren  Spezialzölle  am  meisten  berührt  worden.  Die
Spezialzölle  waren  auf  besonderen  Wunsch  der  inländischen
Fabrikanten  aufgestellt  worden  und  waren  solcher  Natur,  daß
man  der  Konkurrenz  ausländischer  Fabrikanten  wirkungsvoll  begegnen ­
  konnte.  Ohne  Zweifel  waren  diese  Zölle  in  den  meisten
Fällen  unnötig  hoch.  Sie  waren  Prohibitivzölle  wie  bei  den  Wollwaren.
  Die  fortdauernd  importierten  Waren,  die  in  der  Haupt-
        <pb n="23" />
        21

Sache  aus  Spezialitäten  bestanden,  konnten  sich  trotz  der  durch
die  Zölle  erhöhten  Preise  auf  dem  Markt  behaupten.
Bei  feineren  Baumwollwarcn,  wie  auch  bei  feineren  Wollwaren  \
wird  wohl  jetzt  ein  Teil  des  inländischen  Produktes  durch  ausländisches ­
  verdrängt  werden.  Welchen  Umfang  diese  Verdrän-  |
gung  von  inländischer  Ware  annehmen  wird,  bleibt  abzuwarten.  1
Alle  Zölle  auf  Baumwollwarcn  sind  jetzt  nach  dem  Wert  fest-T)
gelegt.  Mit  Ausnahme  der  Beibehaltung  eines  gewissen  Schutzsystems ­
  (fence-system)  auf  Strumpfwaren  erscheint  in  dem  ganzen ­
  Entwurf  kein  Spezialsatz.  Diese  radikale  Änderung  gab  Veranlassung ­
  zur  scharfen  Kritik,  indem  man  behauptete,  daß  Wertzölle ­
  zur  Unterbewertung  und  zur  Hinterziehung  verleiteten.  Eine
solche  Kritik  ist  nicht  grundlos  und  doch  war  die  Annahme  des
Wertsystems  nicht  zu  vermeiden.  Zum  Teil  ist  dies  auf  Mißbräuche ­
  bei  Anwendung  der  früheren  Spezialzölle  zurtickzuführen.
Der  frühere  Baumwolltarif  war  sehr  verwickelt.  Die  Zölle
variierten  je  nach  der  Zahl  der  Fäden  per  Quadratzoll,  der  Anzahl
von  Ellen  pro  Pfund,  dem  Bleichen,  dem  Färben  und  Drucken,
und  schließlich  bestand  noch  ein  genau  ausgearbeitetes  Schutzsystem ­
  mit  vielen  Wertstufen.  Was  das  ganze  komplizierte
Verfahren  bedeuten  sollte,  konnten  nur  diejenigen  wissen,  die  mit
jeder  Einzelheit  der  Industrie  vertraut  waren,  nämlich  die  Fabrikanten. ­
  Man  vermutete,  daß  die  Fabrikanten  in  ihren  Vorschlägen ­
  bei  den  Gesetzgebern  früherer  Tage  die  Sätze  so  gestellt
hatten,  daß  sie  sich  nicht  allein  einen  hohen  Schutz  sicherten,  sondern ­
  einen  viel  höheren  Schutz,  als  man  ihnen  bewilligt  haben
■würde,  wenn  man  die  Tragweite  dieser  Sätze  vollständig
verstanden  hätte.  Klagen  dieser  Art,  obwohl  sie  übertrieben ­
  wurden,  waren  nicht  grundlos.  In  dem  Tarifgesetz
von  1909,  das  eigentlich  die  Zölle  ermäßigen  sollte,  sind
einige  Änderungen  gemacht  worden,  und  man  hat  weiter
"versucht,  die  mißlichen  Spezialzölle  in  einer  nicht  gerade
ganz  ehrlichen  Weise  zu  erhöhen.  Angesichts  dieser  Lage
stand  zu  erwarten,  daß  die  Demokraten  ein  für  allemal  dieses
System  abschaffen  würden  und  dafür  Wertzölle  einsetzen  würden.
Übrigens  wird  die  Versuchung,  Waren  zu  unterbewerten,  bei  den
niedrigen  Zöllen  des  neuen  Baumwolltarifs  nicht  so  erheblich  wer ­
        <pb n="24" />
        den.  Eine  solche  Versuchung  wird  größer,  sobald  die  Zölle  höher
werden,  und  verschwindet,  sobald  sie  niedrig  sind.  Obwohl
man  hierfür  keine  Regel  feststellen  kann,  ist  es  wahrscheinlich,
daß  ein  Wertzoll  von  30%  ebenso  ehrlich  und  wirkungsvoll  auf
Standardwaren  eingezogen  werden  kann,  wie  ausgearbeitete  Spezialzölle. ­
  Die  Gefahr  einer  versuchten  Hinterziehung  wird  erst
dann  akut,  wenn  der  Zoll  40%  und  mehr  beträgt.  Natürlich  ist
die  Gefahr  am  größten  bei  Waren,  die  keinen  Standardcharakter
haben,  weil  deren  laufende  Marktpreise  schwer  zu  kontrollieren
sind.  Zufällig  ist  aber  gerade  Baumwolle  dieser  Art  in  früheren
Tarifen  einem  Wertzoll  unterworfen  gewesen.  Soweit  diese
Sorten  in  Betracht  kommen,  sind  die  Schwierigkeiten  geringer
anstatt  größer  geworden,  da  der  Wertzoll  verringert  worden  ist,
während  bei  den  Waren,  auf  denen  früher  ein  Spezialzoll  lastete,
weder  der  Zollsatz  noch  der  Charakter  der  Ware  ein  solches
System  anwendbar  machen  läßt.
Die  Zölle  auf  Seide  sind  nach  demselben  Prinzip  wie  die
auf  Baumwolle  umgestaltet  worden.  Auch  hier  traten  Wertzölle
an  Stelle  der  Spezialzölle.  Der  allgemeine  Zollsatz  auf  Seidenfabrikate ­
  ist  45%;  auf  Samt  und  Plüsch  50%.  Im  Senat  wurden
Amendements  eingefügt  (obwohl  mit  einigen  Ermäßigungen),  in
denen  man  das  frühere  System  der  Verzollung  pro  Pfund  beibehielt.
  Die  Repräsentanten  weigerten  sich  aber,  diesen  Amendements ­
  zuzustimmen,  und  das  endgültige  Gesetz  strich  fast  alle
Spezialzölle  auf  Seide.
Auch  in  diesem  Falle  ist  die  Abschaffung  des  Spezialzolles
darauf  zurückzuführen,  daß  man  seinen  Zweck  und  seine  Wirkung ­
  anzweifelte.  Das  hochgradig  verwickelte  System  vom
Jahre  1897,  das  im  Jahre  1909  beibehalten  wurde,  ist  nominell  von
Zollbeamten,  aber  doch  unter  dem  Rat  und  der  Mithilfe  von
Fabrikanten  entworfen  worden.  Das  Gesuch  um  Abänderung  des
Wertzolls  in  einen  Spezialzoll  wurde  damit  begründet,
daß  man  nur  durch  diesen  der  Unterbewertung  der  Waren
und  dem  Betrüge  verbeugen  zu  können  glaubte.  Zweifelsohne ­
  waren  frühere  Unterbewertungen  allgemein  und  oft
auffallend  gewesen  und  ebenso  zweifellos  ließ  dies  zwar
im  Jahre.  1897  nach,  hörte  aber  keineswegs  auf,  da  unter
        <pb n="25" />
        23

der  Sammelposition  ein  ganz  erheblicher  Teil  der  Importe
einem  Wertzoll  unterworfen  blieben.  Anderseits  war  die  Klassifizierung ­
  so  verwickelt,  die  Unterscheidungen  der  Spezialzölle  so
fein  und  winzig,  die  Prüfung  inkorrekter  und  oft  betrügerischer
Angaben  so  mühevoll,  das  Bestellen  von  kompetenten  Überwachungsbeamten ­
  angesichts  der  kleinen  Qehälter,  die  die  Regierung ­
  bot,  so  schwer,  daß  das  neue  System  in  der  Praxis  sich
nicht  viel  besser  erwies,  als  das  alte.  Aber  es  waren  nicht  diese
Verwaltungsschwierigkeiten,  die  zu  der  völligen  Rückkehr  zum
alten  Wertsystem  führten.  Es  war  unzweifelhaft  sicher,  daß  das
verwickelte  System  der  Spezialzölle  Unzuträglichkeiten  enthielt.
Der  einzig  sichere  Weg,  diese  unschönen  Zusätze  der  früheren
l’arifgesetze  los  zu  werden,  war  durchweg  den  Wertzoll  in  Anwendung ­
  zu  bringen.
Die  Zollsätze  auf  Seidenfabrikate  sind  verhältnismäßig
hoch  geblieben  —-  bei  den  meisten  Waren  45%.  Die  Ermäßigungen ­
  sind  keineswegs  so  erheblich  wie  bei  Baumwolle  und  Wolle.
k&amp;gt;abei  ist  zu  beachten,  daß  ein  Zoll  von  45%  eher  Veranlassung
zur  Unterbewertung  gibt,  als  ein  solcher  von  30%;  auch  fällt  es
bei  der  ungewöhnlichen  Verschiedenheit  von  Seidenfabrikaten
schwer,  die  Angaben  des  Importeurs  über  den  Marktwert  und
eine  eventuelle  Unterbewertung  zu  prüfen.  Die  inländischen
Seidenfabrikanten  haben  nicht  schlecht  abgeschnitten.  Dies  erklärt ­
  sich  augenscheinlich  dadurch,  daß  Seidenstoffe  als  Luxusartikel ­
  betrachtet  und  deshalb  einem  entsprechend  höheren  Zoll
als  andere  Textilwaren  unterworfen  werden.  Bei  der  Besteuerung
von  Luxusartikeln  mußte  man  allerdings  die  Einkommensverhältuisse
  der  davon  betroffenen  Personen  in  höherem  Maße  berücksichtigen ­
  und  daher  war  es  richtig,  die  inländische  Ware  ebenso
'vie  die  ausländische  zu  besteuern.  Ein  Zollsatz,  der  zum  Zweck
der  Erlangung  von  Einkünften  so  hoch  ist,  daß  er  im  großen  Maßstabe ­
  einen  Import  verhindert  oder  fast  verbietet,  ist  offensichtlich ­
  töricht.  Nicht  mit  Unrecht  vermutet  man,  daß  eine  derartige
Absicht  hei  den  Seidenzöllen  Vorgelegen  hat.  Bei  den  meisten
Seidenstoffen  wirken  die  Zölle  nach  wie  vor  prohibitiv.  Ein
niedrigerer  Satz  würde  vielleicht  mehr  Einkünfte  ergeben  haben,
und  wäre  auch  mit  dem  Wettbewerbsprinzip  besser  in  Einklang
Zu  bringen  gewesen.
        <pb n="26" />
        24

Zufällig  befindet  sich  nun  auch  die  Seidenfabrikation  in  einem
Stadium,  das  —  abgesehen  vom  Standpunkt  der  Erträge  —  alle
Veranlassung  zu  einer  Zollermäßigung  bot.  Seit  einem  halben
Jahrhundert  hat  die  Seidenindustrie  einen  ungewöhnlich  hohen
Schutz  genossen  und  bei  einem  außerordentlichen  Wachstum
große  Dimensionen  angenommen.  Ihr  Charakter  hat  sich  vollständig ­
  geändert.  Die  Entwicklung  war  nicht  allein  quantitativer,
sondern  auch  qualitativer  Natur.  Es  mag  sich  hier  die  Gelegenheit ­
  oder  doch  die  Möglichkeit  geboten  haben,  junge  Industrien
erfolgreich  zu  beschützen.  Die  Zölle  auf  fast  alle  Seidenwaren,
wie  auch  auf  Wollwaren  sind  derart  gestiegen,  daß  sie  die  ausländische ­
  Konkurrenz  ausschließen.  Die  Sätze  hätten  ermäßigt
werden  können,  ohne  daß  der  Stamm  der  Industrie  davon  berührt
worden  wäre.  Die  Frage  ist  jetzt  gewissermaßen  in  ein  akutes
Stadium  getreten,  ob  bei  einer  einschneidenden  Zollermäßigung
solche  jungen  Industrien  sich  jetzt  weniger  als  zu  Anfang  auf
einen  Schutzzoll  stützen  müssen  und  ob  sie  bereits  in  der  Erlangung ­
  einer  event.  Unabhängigkeit  Fortschritte  gemacht  haben.
Eine  andere  Gruppe,  bei  der  die  Zollermäßigung  geringer
war,  als  man  erwartet  hatte,  ist  die  der  Ton-  und  Tonerdenwaren. ­
  Auch  hier  sind  die  Zölle  verhältnismäßig  hoch
geblieben,  wahrscheinlich  aus  fiskalischen  Gründen.  Die  veränderten ­
  Zollsätze  auf  die  betreffenden  Artikel  sind  folgende;

Tarif  1909

Tarif  1913

Irdene  und  Töpferwaren,  nicht  bemalt,  nicht
verziert

55%

35%

Töpferware  bemalt  oder  verziert

60%

40%

China-  und  Porzellanwaren,  nicht  bemalt  oder
verziert  .  .  .

55%

50%

China-  und  Porzellanwaren,  bemalt  oder  verziert ­


60%

55%

Die  billigeren  Sorten,  wie  irdene  und

Töpferwaren  (gleichviel,

  ob  einfach  oder  verziert),  werden  in  großem  Umfange  in
den  Vereinigten  Staaten  hergestellt.  Der  Import  ist  nicht  unerheblich, ­
  aber  die  inländischen  Fabrikanten  behaupten  das  Feld.
        <pb n="27" />
        25

Bei  den  feineren  Sorten  —  China-  und  Porzellanwaren  —,  ist
das  umgekehrte  der  Fall.  Auf  diese  Waren  ist  der  hohe  Zoll
beibehalten.  Sie  werden  hauptsächlich  importiert  und  können
gerechterweise  als  Luxusartikel  angesehen  werden.  Die  auf  diese
Waren  entfallenden  Zölle  sind  Finanzzölle,  und  es  liegt  kein
Grund  vor,  sie  zu  ermäßigen.  Zweifelsohne  bleibt  auch  hier  die
Befürchtung  einer  Unterbewertung  der  Ware  bestehen.  Die
richtige  Bewertung  hat  in  der  Vergangenheit  schon  viel
Mühe  verursacht  und  wird  es  auch  wohl  in  der  Zukunft
tun.  Bei  irdenen  und  Töpferwaren,  bei  denen  der  Zollsatz ­
  von  35  bis  40%  beibehalten  ist,  ist  die  Situation
eine  andere.  Dies  sind  ausgesprochene  Schutzzölle  und  sie
sind  so  hoch,  daß  sie  jede  Einfuhr  verhindern.  Vom  fiskalischen
oder  vom  Standpunkt  des  Wettbewerbsprinzips  aus  betrachtet,
hätten  auch  diese  Zölle,  wie  bei  der  Seide,  eine  größere  Ermäßigung ­
  erfahren  müssen,  als  es  der  Fall  ist.
Bei  den  Zöllen  auf  Eisen  und  Stahl  liegen  die  Verhält-1
nisse  anders,  als  bei  den  meisten  Zöllen  der  anderen  Gruppen
des  Tarifs.  Bei  ihnen  ist  das  Schutzsystem  allmählich  in  den
aufeinanderfolgenden  Tarifen  von  1890  bis  1913  abgebaut  worden. ­
  Der  Wilsonsche  Anti-Schutztarif  von  1894  ermäßigte,  wie
dies  zu  erwarten  war,  die  Zölle  erheblich.  Selbst  das  schutzzöllnerische
  Gesetz  von  1897  behielt  die  ermäßigten  Zölle  bei
und  das  kaum  weniger  schutzzöllnerische  Gesetz  von  1909  fuhr
fort,  die  Zölle  zu  ermäßigen.  Dieses  ungewöhnliche  Verfahren
War  das  Resultat  des  außerordentlichen  Aufschwungs  der  amerikanischen ­
  Eisenindustrie  und  des  nicht  mißzuverstchenden  Umstandes, ­
  daß  sie  eines  hohen  Schutzes  nicht  mehr  bedarf  und
Wahrscheinlich  ohne  Schutz  fertig  werden  kann.  Der  Lauf  der
Ereignisse  in  den  Vereinigten  Staaten  ähnelt  hierbei  in  mancherlei
Beziehungen  der  Entwicklung  in  Deutschland.  In  beiden  Fällen
habe  die  Eisen-  und  Stahlindustrie,  die  1890  quantitativ  beträchtlich
hinter  der  Großbritanniens  zurückstand,  bald  ihren  alten  Nebenbuhler ­
  überholt,  ln  beiden  Ländern  wurde  die  britische  Eisenindustrie ­
  nicht  allein  mit  Bezug  auf  die  Quantität  der  Produktion
überholt,  sondern  wurde  ihr  auch  in  technischer  Beziehung  ebenbürtig. ­
  ln  beiden  Ländern  kann  man  wohl  die  Frage  aufwerfen,
°h  junge  Industrien  mit  Erfolg  beschützt  worden  sind.  Auf  alle
        <pb n="28" />
        Fälle  ist  es  in  den  Vereinigten  Staaten  erwiesen,  daß  die  hohen
früheren  Zölle  nicht  länger  aufrecht  erhalten  zu  werden  brauchen.
Nachstehende  Tabelle  zeigt  die  Veränderung  im  Zoll  auf  Roheisen ­
  während  der  ganzen  Periode:
Roheisenzoll  von  1890  Doll.  6,72  per  Tonne  *)
1894  -  4,—  -
1897  -  4,—  -
1909  -  2,50  -
1913  zollfrei.
Die  Zölle  auf  andere  Arten  von  Eisen  und  Stahl  sind  entsprechend ­
  ermäßigt  worden.  Nicht  allein  Roheisen  ist  zollfrei
geworden,  sondern  auch  Spiegeleisen,  Ferro-manganese  und
|  natürlich  Eisenerz.  Auch  Stahl-Ingots  (die  keinen  Zusatz  enthalten) ­
  sind  zollfrei.  Stachel-  und  galvanisierter  Draht,  wie  er
zu  Zäunen  gebraucht  wird,  ist  gleichfalls  frei,  eine  Konzession  für
die  Farmer.  Auch  Stahlschienen  stehen  auf  der  Freiliste.  Mäßige
Wertzölle  sind  auf  andere  Halbzeuge  gelegt,  die  um  so  höher
steigen,  je  weiter  sich  das  Produkt  vom  Rohstadium  entfernt,
So  unterliegen  z.  B.  Eisenstangen  einem  Zoll  von  5%,  Stahlstangen ­
  von  8%,  Konstruktionsformen  von  10%,  Blechplattcn  von
15%  und  Röhren  von  20%.  Die  Sammelposition  „Eisen-  und
Stahlwaren“  (nicht  besonders  genannt)  ist  mit  20%  belegt,  eine
nicht  geringe  Ermäßigung  gegenüber  dem  früheren  Zollsatz  von
(  45%.  Die  meisten  dieser  Veränderungen  bedeuten  aber  wenig.
Der  Import  gewisser  Spezialitäten  wird  eine  Ausdehnung  erfahren; ­
  vielleicht  importieren  einige  Distrikte  an  der  Secküstc,
die  leichter  von  auswärts  zu  Wasser  als  von  den  Mittelpunkten
der  inländischen  Produktion  zu  Lande  zu  erreichen  sind,  sporadische ­
  Vorräte  von  Roheisen.  Der  Lauf  der  Produktion  innerhalb ­
  des  Landes  jedoch  wie  auch  die  Vorratsquellen  und  die
Preise  werden  davon  nicht  berührt  werden.  Die  Zeit  ist  vorbei,
wo  das  Schutzsystem  für  die  Eisen-  und  Stahlindustrie  von  Bedeutung ­
  war**).
*)  Die  „lange“  Tonne  2240  Pfd.  ist  fast  gleich  der  mßtric  Tonne  (1000
Kilogramm  =  2200  Pfd.).
**)  Wie  bereits  angeführt,  besteht  eine  frappante  Ähnlichkeit  zwischen
den  amerikanischen  und  deutschen  Eisenindustrien  und  ihrem  Aufschwung
        <pb n="29" />
        27

Von  weniger  bedeutenden  Positionen  seien  genannt:  Felle,!
die  im  Tarif  von  1909  nach  heftigen  Debatten  freigegeben  wurden, ­
  bleiben  natürlich  auch  jetzt  frei,  außerdem  sind  Leder,
Stiefel  und  Schuhe  mit  auf  die  Freiliste  gesetzt  worden.
Weizen  und  Mehl,  Vieh  und  Fleisch  sind  gleichfalls ­
  zollfrei.  In  dem  Repräsentantenhause  bemühte  man  sich,
die  Zölle  auf  Vieh  und  Weizen  beizubehalten,  während  man  die
auf  Mehl  und  Fleisch  abschaffen  wollte.  Es  war  ein  Versuch,  den
Konsumenten  zu  entlasten  und  doch  dem  Farmer  gegenüber  den
Schein  des  Schutzes  aufrecht  zu  erhalten.  Schließlich  siegte  der
gesunde  Menschenverstand,  und  die  Zölle  auf  Nahrungsmittel;
Wurden  ein  für  alle  Male  abgeschafft.  Diese  Änderung  ist  für]
die  allernächste  Zeit  von  geringer  Bedeutung  —  mit  Ausnahme
v on  Fällen,  in  denen  Grenzhandel  oder  gelegentliche  Importe  in
schlechten  Zeiten  in  Frage  kommen.  Eier,  Milch  und
Sahne  stehen  ebenfalls  auf  der  Freiliste;  gleichfalls  Artikel,
bei  denen  nur  ein  kleiner  Grenzhandel  seine  Rechnung  findet.
Endlich  sind  auch  Kohlen  und  Brennholz  (lumber)  frei;
die  Überbleibsel  der  im  Jahre  1909  beibehaltenen  Zölle  sind  beseitigt ­
  worden.
Bücher,  hauptsächlich  in  fremden  Sprachen,  sind  zollfrei^
trotz  eines  unverständlichen  Versuchs,  sie  zollpflichtig  zu  machen,
ai &amp;gt;ch  alle  Leitfäden,  die  in  Schulen  und  Erziehungsanstalten  benutzt ­
  werden,  stehen  auf  der  Freiliste.  Kleidungsstücke
u nd  persönliche  Mühseligkeiten  von  Reisenden,  die  zum  Gebrauch
notwendig  sind,  sind  ohne  Ansehung  des  Wertes  völlig  frei.
Außerdem  ist  es  den  Bewohnern  der  Vereinigten  Staaten,  die
v on  außerhalb  zurückkehren,  gestattet,  Artikel  bis  zum  Werte
v on  100  Doll,  für  den  persönlichen  Gebrauch  oder  für  den  Haushalt, ­
  als  Andenken  oder  als  Kuriositäten  zollfrei  einzuführen.

unter  dem  Schutzzoll.  Bezüglich  der  deutschen  Situation  finden  wir  eine
geschickte  Darstellung  in  dem  Werk  von  G.  Goldstein:  „Die  Entwicklung
der  deutschen  Roheisenindustrie  seit  1879“  in  Verh.  des  Vereins  z.  Ford,
d.  Gewerbfleißes  1908  und.„Der  deutsche  Eisenzoll  —  ein  Erziehungszoll“,
Wlkswirtsch.  Zeitfragen  1912.  Bezüglich  der  amerikanischen  Eisenindustrie
beziehe  ich  mich  auf  zwei  meiner  eigenen  Zeitschriften  im  „Quartely
Journal  of  Economics“,  1900.
        <pb n="30" />
        28

Der  Staatssekretär  der  Finanzen  ist  ermächtigt  worden,  Zusatzzölle ­
  einzusetzen,  zum  Ausgleich  von  Liebesgaben  und  Prämien, ­
  die  fremde  Staaten  auf  Exportgüter  nach  den  Vereinigten
Staaten  gewähren.  Die  Bestimmungen  über  Maximal-  und  Minimalzölle, ­
  die  eine  erhebliche  Rolle  in  den  Zolldcbatten  von  1909
spielten,  sind  ganz  in  Fortfall  gekommen.
Die  weitgehende  Anwendung  der  Wertzölle!  hat  eine  Revision ­
  der  Ausführungsanweisungen  notwendig  gemacht.  Dieser
Teil  des  Tarifsystems  hat  von  1789  bis  zum  heutigen  Tage  stets
Anlaß  zu  besonderen  Verbesserungen  gegeben.  Selbst  in  den
Tarifen  von  1890,  1897  und  1909,  bei  denen  Wertzölle,  wo  immer
nur  eben  möglich,  durch  Spezialzölle  ersetzt  wurden,  blieben
so  viele  der  früheren  Anweisungen  dennoch  bestehen,  daß  bei
jedem  folgenden  Gesetze  die  Vorschriften  gegen  Betrug  verschärft
oder  neue  Bestimmungen  getroffen  wurden.  Im  Jahre  1890  wurde
der  „Ausschuß  der  Qeneraltaxatoren“  eingesetzt,  der  ermächtigt
war,  endgültig  über  sachliche  Fragen  zu  entscheiden,  während
diese  Fälle  zuvor  an  die  Gerichte  gegangen  waren  und  diese  belastet ­
  hatten.  Im  Jahre  1909  wurde  das  „Zollberufungsgericht“
eingesetzt  mit  ausschließlicher  Jurisdiktion  über  streng  juristische
Fragen,  die  sich  aus  den  Zollgesetzen  ergaben.  Erstaunlich  ist
es,  daß  angesichts  des  zähen  Bemühens  der  damals  herrschenden ­
  Partei,  das  Schutzsystem  zu  stärken,  die  Vorschriften  bzgl.
Deklaration,  Wertbemessung  und  Machtbefugnisse  der  Zollbeamten ­
  usw.  noch  soviel  Schlupflöcher  für  unehrliche  Importeure
gelassen  haben.  Eine  Änderung  der  Paragraphen,  die  diese  Dinge
behandeln,  wurde  deshalb  1913  gleichfalls  notwendig.  Auch  die
Taftsche  Verwaltung  hat  die  gleichen  Probleme  berücksichtigt
und  Komitees  von  Verwaltungsbeamten  eingesetzt,  die  diesbezügliche ­
  Verbesserungsvorschläge  ausarbeiten  sollten.  Auch  das
demokratische  Komitee  unter  der  Führerschaft  von  Underwood
widmete  den  Ausführungsbestimmungen  große  Aufmerksamkeit.
Die  einschlägigen  Paragraphen  des  Tarifs  sind  im  großen  und
ganzen  umgearbeitet  worden.  Von  Kennern  des  verwickelten
Systems  wird  anerkannt,  daß  tatsächlich  substantielle  Verbesserungen ­
  gemacht  worden  sind.  Die  Betrugsstrafen  sind  nicht  erhöht
worden,  wohl  aber  haben  sie  eine  sichere  Handhabung  erhalten:
        <pb n="31" />
        Prozesse  wegen  „Anteilgcbührcn“  *)  (ein  großer  Mißbrauch)  sind
verboten;  die  Machtbefugnisse  der  Zolleinnehmer  sind  erhöht
worden.  Eine  Klausel,  die  großen  Widerspruch  hervorgerufen
hat,  ging  dahin,  gelegentlich  die  Bücher  der  Importeure  und  ausländischen ­
  Fabrikanten,  denen  man  Unehrlichkeiten  zutraute,  einzusehen. ­
  Nach  vielem  Debattieren  und  lebhaftem  Protest  von
seiten  interessierter  Persönlichkeiten,  wurde  die  Klausel  dann  so
formuliert,  daß  es  der  Machtbefugnis  des  Staats-Schatzsekretärs
überlassen  sein  sollte,  einen  Zusatzzoll  von  15%  zu  erheben  in
Pallen,  wo  die  Einsicht  der  Bücher  und  Belege  verweigert  wird.
Auch  für  andere  Fälle  wird  dem  Schatzsekretär  ähnliche  Vollmacht ­
  erteilt;  eine  Art  des  Verfahrens,  die  besser  ist,  als  wenn
man  mit  rigorosen  gesetzlichen  Bestimmungen  Vorgehen  würde.
Nicht  uninteressant  speziell  für  Volkswirte  und  solche  Personen,
hie  Anlaß  oder  Interesse  haben,  den  Verlauf  des  Außenhandels
zu  verfolgen,  sind  die  Vorschriften  zur  leichteren  Aufstellung  und
Anordnung  der  Importstatistik.  Bisher  hatte  man  begründetermaßen ­
  ernste  Ungenauigkeiten  befürchten  können.
Im  großen  und  ganzen  sind  die  Verwaltungsvorschriften  gut
durchgeführt.  Inwieweit  sie  zu  Erfolgen  des  neuen  Systems  beitragen
  werden,  muß  man  abwarten.  Wie  schon  einmal  gesagt,
Werden  sich  wohl  dort  keine  Schwierigkeiten  ergeben,  wo  die
Zollsätze  30%  nicht  übersteigen.  Wenn  aber  die  Zölle,  wie  bei
seidenen  Stückwaren,  seidenen  Kleidern,  China-Porzellan,  eine
Höhe  von  45,  50,  55  und  60%  erreichen,  ist  die  Versuchung  zur
Hinterziehung  so  groß,  daß  alle  Strafen  der  Welt  sie  nicht  beseitigen ­
  werden.  Nachdem  die  Spezialzölle  abgeschafft  sind,  weil
sie  unpraktisch  waren,  ergibt  sich  als  einzig  sicherer  und  praktischer ­
  Weg  der,  die  Wertzölle  auf  mäßiger  Stufe  zu  halten.
In  dieser  Abhandlung  ist  wiederholt  davon  gesprochen  worden, ­
  daß  die  Zollermäßigungen  des  Gesetzes  von  1913  ohne  effektives ­
  Ergebnis  sein  dürften.  Sie  dienen  wohl  dazu,  die  Zölle  zu

*)  Anteilgebühren  sind  solche  Gebühren,  die  ein  Anwalt  in  einem
p mzeß  bekommt,  in  dem  er  an  dem  eingetriebenen  Betrag  beteiligt  ist.
Gewöhnlich  bekommt  er  50%,  wenn  er  gewinnt  und  nichts,  wenn  er  verübt. ­
  Dieses  Verfahren  ist  schlecht  beleumundet  und  gewöhnlich  verboten.
In  Zollangelegenheiten  ist  es  jetzt  streng  verboten.
        <pb n="32" />
        30

ermäßigen,  die  die  ausländische  Einfuhr  unmöglich  machten,  und
die  Zölle  abzuschaffen,  die  nur  nomineller  Natur  waren.  Die
meisten  der  neuen  Veränderungen  werden  wohl  darauf  hinausgehen. ­
  Ist  die  Herabsetzung  im  ganzen  also
wohl  der  Mühe  wert  gewesen?
Zweifelsohne  werden  die  Folgen  des  Tarifs  für  die  Industrie
und  die  Preisentwicklung  von  beiden  Seiten  übertrieben.  Solche
Übertreibungen  sind  aber  unausbleiblich,  da  der  Tarif  das  Ergebnis ­
  der  Wahlen  gewesen  ist.  Augenscheinlich  läßt  sich  aber
auch  ein  Tarif  nicht  von  der  Parteipolitik  loslösen.  Auch  in  England, ­
  Deutschland  und  Frankreich  hat  er  durch  parteipolitische
Interessen  sein  Gepräge  erhalten  und  auch  in  diesen  Ländern
werden  die  „industriellen  Wirkungen“  des  Zollschutzes  beständig
übertrieben.  In  unserem  eigenen  Lande  sind  die  Hauptkanäle
von  Industrie  und  Handel  durch  das  Tarifsystem  nicht  wesentlich ­
  abgelenkt  worden.  Der  Stamm  des  amerikanischen  Qewerbefleißes
  würde  in  gleicher  Weise,  selbst  bei  völligem  Freihandel, ­
  bestehen  können.  Die  Änderungen  des  jetzigen  Tarifs
werden  nur  in  einem  kleinen  Bruchteil  des  ganzen  Industriegebietes ­
  Änderungen  hervorrufen,  und  aus  demselben  Grunde
werden  auch  die  Preise  nur  verhältnismäßig  wenig  sinken.  Die
Hoffnung,  daß  sich  die  Kosten  des  Lebensunterhaltes  wesentlich
verringern  werden,  wird  stark  enttäuscht  werden.
Aber  trotzdem  waren  die  Herabsetzungen  der  Mühe  wert,
nicht  allein  diejenigen,  die  eine  tatsächliche,  sondern  auch  die,
die  nur  eine  nominelle  Wirkung  haben.  Es  lohnte  sich  schon
deswegen,  um  dem  Aberglauben  ein  Ende  zu  machen,  daß  alles
Hedeihen  nur  der  Aufrechterhaltung  eines  strengen  Schutzzolltarifs
  zuzuschreiben  ist.  Dieser  Aberglaube  wurde  schon  durch
die  Krise  von  1907  und  die  darauf  folgende  Depression  erschüttert.
Aber  es  sind  in  der  Öffentlichkeit  so  viele  alarmierende  Prophezeiungen ­
  in  die  Welt  gesetzt  worden  über  ein  allgemeines  Unglück, ­
  und  über  den  Ruin  aller  Fabrikationsunternehmungen,  daß
cs  wohl  angebracht  war,  zu  beweisen,  daß  der  industrielle  Organismus ­
  wohl  imstande  ist,  auch  diese  Zustände  zu  überstehen.
Es  ist  eigentlich  seltsam,  daß  diese  Ansichten  eine  so  weittragende
Wirkung  haben  konnten.  Nicht  allein  Leute,  die  keine  Erfahrung
in  größeren  geschäftlichen  Dingen  haben,  sondern  auch  eine  er-
        <pb n="33" />
        Qi
•—  OL  —
liebliche  Anzahl  von  Geschäftsleuten  in  führender  Stellung  sind
davon  beeinflußt  worden.  Eine  nüchternere  Betrachtung  der  Zoll-Page
  wird  wohl  erst  dann  erfolgen,  wenn  ihre  verhältnismäßige
Unwichtigkeit  erwiesen  worden  ist,  und  dann  wird  man  den
sozialen  Fragen  mehr  Beachtung  schenken,  die  schließlich  doch
die  unerbittlichen  Probleme  des  Jahrhunderts  sind.
Und  doch  ist  es  möglich,  daß  der  alte,  noch  nicht  ausgestorhene
  Aberglaube  infolge  der  Ereignisse  unter  dem  Tarif  von  1913
wieder  auflebt.  Dies  wird  hauptsächlich  davon  abhängen,  ob
unter  der  Verwaltung  des  Präsidenten  Wilson  „zufällig“  gute  oder
schlechte  Zeiten  eintreten  werden.
Auf  diese  „zufällige“  Entwicklung  wird  der  Tarif  keinen  Einfluß ­
  haben.  Ob  uns  gute  oder  schlechte  Zeiten  beschieden  sein
werden,  hängt  von  ganz  anderen  Umständen  ab.  Obwohl  wir
bezüglich  der  Ursachen,  die  zu  dem  periodischen  Wechsel  von
Hochkonjunktur  und  Depression  führen,  noch  im  Unklaren  sind,
wird  doch  jeder  ernsthafte  Beobachter  die  Ansicht  vertreten,  daß
unter  diesen  Ursachen  die  Tarifgesetzgebung  die  unwichtigste
Rolle  spielt.  Der  Durchschnittsmensch  aber  denkt  anders  darüber ­
  und  fühlt  auch  anders.  Sind  in  den  nächsten  drei  oder  vier
Jahren  schlechte  Zeiten  zu  verzeichnen,  so  werden  die  niedrigen
Zölle  dafür  verantwortlich  gemacht  werden,  sind  die  Zeiten  gut,
s o  wird  man  das  auch  wieder  den  niedrigen  Zöllen  zuschreiben.
Wie  uns  die  Jahre  von  1846  bis  1857  und  wieder  auch  die  von
] 897  bis  1907  gelehrt  haben,  veranlaßt  eine  Zeit  des  Aufschwungs
das  Volk,  den  derzeitig  bestehenden  Tarif  als  den  richtigen  und
zufriedenstellenden  anzuerkennen,  gleichviel  ob  er  hoch  oder
uiedrig  ist.  So  wird  es  auch  mit  dem  Tarif  von  1913
sein.  Deshalb  werden  auch  diejenigen,  die  glauben,  unser  Schutzzollsystem ­
  sei  teilweise  schlecht  gehandhabt  worden,  oder  habe
sich  teilweise  überlebt  —  Zustände,  die  in  geringem  Maße  auf
eine  ungesunde  industrielle  Entwicklung,  mehr  jedoch  auf  politische ­
  Eigensüchteleien  und  aufbauschende  Trugschlüsse  zuriiekzuführen
  sind,  —  gute  Zeiten  in  der  nächsten  Zukunft  wünschen.
Her  Zeitpunkt  scheint  nicht  ungünstig  zu  sein.  Das  Land  ist
uicht,  wie  im  Jahre  1894,  im  Anfangsstadium  einer  Depressions-Periode.
  Es  scheint  im  Gegenteil,  als  wenn  es  sich  in  der  Mitte
des  gewöhnlichen  Kreislaufs  befände  und  zu  einem  Aufschwung
        <pb n="34" />
        bereit  sei.  Meiner  Ansicht  nach  deuten  alle  Anzeichen  auf  eine
Wiederbelebung  in  allernächster  Zeit  hin;  eine  Wiederbelebung,
die  augenscheinlich  dadurch  —  wenigstens  zeitweise  —  eintreten
wird,  daß  die  Tariffrage,  die  doch  eine  gewisse  Unsicherheit
hervorrief,  nunmehr  erledigt  ist.  Es  würde  aber  übereilt
sein,  wenn  man  allzu  vertrauensselig  darauf  hoffen  würde,  daß
sich  die  Erfahrungen  bei  früheren  industriellen  Entwicklungsperioden ­
  unbedingt  anwenden  lassen.  Es  wäre  auch  übereilt,
vorauszusagen,  daß  uns  dieses  Jahr  oder  das  nächste  in  ein
Stadium  der  Hochkonjunktur  und  des  Aufschwungs  hineinführen
wird.  Die  Ereignisse  müssen  abgewartet  werden;  und  dem
Tarif  von  1913  wird  wohl  oder  übel  die  Verantwortung  für  eine
Entwicklung  zugeschoben  werden,  auf  die  er  im  Grunde  genommen ­
  gar  keinen  Einfluß  hat.

Yerantw.  Redakteur:  Dr.  Croner,  Berlin-Grunewald,  Douglasstr.  32.
Druck  von  Leonhard  Simion  Ts r f.,  Berlin  W57.
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        —  29

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i  „Anteilgebühren“  *)  (ein  großer  Mißbrauch)  sind
Machtbefugnisse  der  Zolleinnehmer  sind  erhöht
I  Klausel,  die  großen  Widerspruch  hervorgerufen
gelegentlich  die  Bücher  der  Importeure  und  aus-;
  'ikanten,  denen  man  Unehrlichkeiten  zutraute,  ein-:
  vielem  Debattieren  und  lebhaftem  Protest  von
mter  Persönlichkeiten,  wurde  die  Klausel  dann  so
es  der  Machtbefugnis  des  Staats-Schatzsekretärs
sollte,  einen  Zusatzzoll  von  15%  zu  erheben  in
Einsicht  der  Bücher  und  Belege  verweigert  wird,
je  Fälle  wird  dem  Schatzsekretär  ähnliche  Vollüne
  Art  des  Verfahrens,  die  besser  ist,  als  wenn
sen  gesetzlichen  Bestimmungen  Vorgehen  würde.
5ant  speziell  für  Volkswirte  und  solche  Personen,
■  Interesse  haben,  den  Verlauf  des  Außenhandels
nd  die  Vorschriften  zur  leichteren  Aufstellung  und
Importstatistik.  Bisher  hatte  man  begründeter-Jngenauigkeiten
  befürchten  können.
:j;  und  ganzen  sind  die  Verwaltungsvorschriften  gut
^  nwieweit  sie  zu  Erfolgen  des  neuen  Systems  beimuß ­
  man  abwarten.  Wie  schon  einmal  gesagt,
ohl  dort  keine  Schwierigkeiten  ergeben,  wo  die
rieht  übersteigen.  Wenn  aber  die  Zölle,  wie  bei
waren,  seidenen  Kleidern,  China-Porzellan,  eine
0,  55  und  60%  erreichen,  ist  die  Versuchung  zur
so  groß,  daß  alle  Strafen  der  Welt  sie  nicht  be-.
  Nachdem  die  Spezialzölle  abgeschafft  sind,  weil
waren,  ergibt  sich  als  einzig  sicherer  und  prakr,
  die  Wertzölle  auf  mäßiger  Stufe  zu  halten,
.bhandlung  ist  wiederholt  davon  gesprochen  worllermäßigungen
  des  Gesetzes  von  1913  ohne  effeksein
  dürften.  Sie  dienen  wohl  dazu,  die  Zölle  zu

hren  sind  solche  Gebühren,  die  ein  Anwalt  in  einem
in  dem  er  an  dem  eingetriebenen  Betrag  beteiligt  ist.
nmt  er  50%,  wenn  er  gewinnt  und  nichts,  wenn  er  verehren ­
  ist  schlecht  beleumundet  und  gewöhnlich  verboten,
eiten  ist  es  jetzt  streng  verboten.
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