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        <title>Krieg und Banken</title>
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            <forname>August</forname>
            <surname>Weber</surname>
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        </author>
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            <idno>884020851</idno>
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        KRIEG  UND  VOLKSWIRTSCHAFT
Heft  7

Krieg  und  Banken

Von

Bankdirektor  Dr.  Weber
Berlin

BERLIN
VERLAG  VON  LEONHARD  S1MION  NF.
1915
        <pb n="2" />
        Vorwort
zu  den  Sonderheften:  Krieg  und  Volkswirtschaft.

Unter  dem  Donner  der  Geschütze  treten  die  Volkswirtschaftlichen ­
  Zeitfragen  in  ihr  37.  Lebensjahr  ein.  Wie  das  deutsche
Volk  seit  dem  Beginne  des  Weltkrieges  auf  den  Gebieten  des
politischen  Lebens  vielfach  umlernen  mußte,  so  noch  mehr  auf
den  engeren  Pfaden  des  Wirtschaftslebens.  Viele  als  unumstößlich ­
  geltende  Grundsätze  der  Volkswirtschaft  haben  sich  bereits
als  Irrtüraer  erwiesen,  noch  mehr  wird  dies  die  Zukunft  nach
dem  Friedensschlüsse  zeigen.  Es  scheint  daher  gewagt,  wenn
die  Schriftleitung  jetzt,  wo  die  Dinge  noch  alle  im  Flusse  sind,
unter  dem  Gesamttitel
„Krieg  und  Volkswirtschaft“
eine  Reihenfolge  von  Aufsätzen  herausgibt,  die  sich  mit  den  Beziehungen ­
  zwischen  dem  Kriege  und  den  wichtigsten  Zweigen
der  Volkswirtschaft  befassen.  Aber  diese  Schriften  sind  auch  nur
als  Momentbilder  gedacht.  Sie  sollen  zeigen,  welche  Stellung
in  dem  gegenwärtigen  Augenblick,  mitten  im  Kriege,  die  einzelnen
Zweige  der  Volkswirtschaft  eingenommen  haben.  Darüber
hinaus  aber  werden  sie  beweisen,  daß,  ebenso  wenig  wie  Handel
und  Wandel  in  Deutschland  während  des  Krieges  auch  nur  eine
kurze  Zeit  zum  Stillstand  gekommen  sind,  auch  die  Wissenschaft
ihre  Pflicht,  die  Ereignisse  —  unbekümmert  um  Krieg  oder
Frieden  —  zu  beobachten,  vernachlässigt  hat.
        <pb n="3" />
        \Y/enn  wir  heute,  nachdem  zehn  Monate  seit  Ausbruch  des
*  *  Weltkrieges  ins  Land  gegangen  sind,  unsern  Blick  in  die
Julitage  des  vorigen  Jahres  zurücklenken,  so  haben  wir  freimütig
zuzugeben,  daß  auf  allen  wirtschaftlichen  Gebieten  die  Entwicklung ­
  der  Dinge  einen  vielfach  anderen  Verlauf  genommen  hat,
als  angenommen  wurde.  Manche  Befürchtungen  sind  durch  die
Tatsachen  beseitigt.  Dazu  haben  in  erster  Linie  die  Erfolge
unserer  Heere  und  das  Hinübertragen  des  Krieges  in  die  Länder
unserer  Feinde  beigetragen.  Denn  hätten  sich  die  Kämpfe
der  verflossenen  Kriegsperiode  in  wesentlich  stärkerem  Maße
als  dies  geschehen  ist,  in  unseren  Grenzen  abgespielt,  so  wäre
eine  mehr  oder  minder  starke  Erschütterung  unseres  Wirtschaftsgebäudes ­
  nicht  abwendbar  gewesen.  Es  hat  sich  aber  auch  die
Grundlage  unserer  nationalen  Gesamtwirtschaft  als  im  Kern
gesund  erwiesen.  Ein  Land,  das  wie  das  unserige,  im  höchsten
Maße  dem  internationalen  Verkehr  angeschlossen  ist,  hätte  die
plötzliche  fast  vollständige  Isolierung  und  die  damit  verbundene
Unterbindung  des  ausgedehnten  Ein-  und  Ausfuhrhandels  nicht
so  leicht  überwunden,  wenn  der  Kern  unseres  Wirtschaftslebens
und  unseres  Kreditsystems  angefault  gewesen  wäre.  Schäden
besonderer  Art  oder  von  größerer  Tragweite  haben  sich  nirgends
gezeigt.  Industrie  und  Handel  haben  sich  überraschend  schnell
den  neuen  Verhältnissen  angepaßt,  die  Geldinstitute  im  Reiche,
von  der  Reichsbank  bis  zur  kleinsten  Sparkasse,  Genossenschaft
oder  Bank  haben  im  großen  und  ganzen  ihren  Aufgaben  gerecht
werden  können.  Gewiß  sind  hier  und  da  Fehler  gemacht  worden;
wen  könnte  das  bei  der  eingetretenen  enormen  Umwälzung  aller
Verhältnisse  wundernehmen.  Von  Ausnahmen  abgesehen,  haben
aber  die  deutschen  Banken  ununterbrochen
        <pb n="4" />
        6

weiter  gearbeitet,  und  wie  wir  heute  wissen,  ihre  Verpflichtungen ­
  voll  erfüllen  können.  Es  kam  ihnen  zustatten,  daß
der  Krieg  in  einer  Zeit  begann,  in  welcher  Deutschland  im
Zeichen  einer  niedergehenden  Konjunktur  stand.  Bereits  seit
dem  Jahre  1912  war  auf  den  verschiedensten  Gebieten  unseres
Wirtschaftslebens  eine  stärkere  Einschränkung  eingetreten.  Die
Banken  waren  dadurch  in  die  Lage  versetzt  worden,  eine  größere
Liquidität  zu  zeigen,  als  in  den  Tagen  hochgehender  Konjunktur.
Die  Zunahme  des  Qüterexportes  im  Jahre  1913  und  im  ersten
Semester  1914  war  unserer  Zahlungsbilanz  zustatten  gekommen
und  hatte  nicht  unerhebliche  Barbeträge  ins  Land  geführt,  die
den  Banken  zuflossen,  ohne  von  diesen  im  Inlande  in  vollem  Umfange ­
  nutzbringend  angelegt  werden  zu  können.
Die  vom  Ausland  seitens  der  deutschen  Bankwelt  hereingenommenen ­
  befristeten  Gelder  hatte  diese  zurückgezählt  und
darüber  hinaus  ihrerseits  nicht  geringe  Beträge  hinausleihen
können,  so  daß  bei  Kriegsausbruch  ■—  im  Gegensatz  zu  früheren
Jahren  —  die  deutschen  Großbanken  fast  ausschließlich  Geldgeber ­
  gegenüber  dem  Auslande  waren.
Wenn  auch  diese  Summen  heute,  soweit  sie  im  feindlichen
Auslande,  besonders  also  in  Rußland,  angelegt  sind,  der  deutschen ­
  Qeldwirtschaft  fehlen,  so  fällt  dieser  Umstand  nicht  so
stark  ins  Gewicht,  da  auf  der  anderen  Seite  naturgemäß  viele
fällige  Forderungen  unserer  Feinde  an  unsere  Importindustrie
und  den  Einfuhrhandel  nicht  befriedigt  werden  können  und  dürfen.
Alles  in  allem  betrachtet,  war  die  Lage,  in  welcher  sich  die  Bankwelt ­
  und  insbesondere  die  leitenden  Institute  befanden,  nicht
ungünstig  und  im  Vergleich  zu  derjenigen  der  großen  Häuser  in
Frankreich  und  Rußland  außerordentlich  kräftig.  Auch  die  führenden ­
  englischen  Banken  haben  in  dieser  kritischen  Zeit
ihrer  Nationalwirtschaft  keine  bessere  Stütze  sein  können,  als  die
unsrigen.  Wenn  das  englische  Banksystem  vielen  deutschen
Wirtschaftpolitikern  gegenüber  dem  unserigen  als  das  bessere
erschienen  ist,  wobei  auch  unsererseits  nicht  bestritten  werden
soll,  daß  vom  rein  banktechnischen  Standpunkt  aus  die  Verbindung
von  Depositen-  und  Emissionsbank,  wie  sie  bei  uns  durchweg
besteht,  gewiß  kritisierbar  ist,  so  hat  sich  diese  in  unserer  wirtschaftlichen ­
  Entwicklung  begründete  und  aus  ihr  hervorgegangene
und  erklärliche  Konstruktion  unserer  Banken  im  Kriege  als  segens ­
        <pb n="5" />
        reich  erwiesen.  Die  Tatsache  steht  fest,  daß  heute  alle  Banken
bei  uns  im  alten  Gleise  weiterlaufen  und  die  ihnen  obliegenden
Funktionen  ausüben,  und  niemand  zweifelt  ernsthaft,  daß  dies  auch
dann,  wenn  der  Krieg  noch  lange  dauert,  der  Fall  sein  wird.  Es
ist  unbestritten,  daß  bei  uns  die  hervorragende  kommerzielle  und
industrielle  Entwicklung  in  erster  Linie  auf  die  weitblickende
Tätigkeit  der  deutschen  Banken  zurückzuführen  ist.  Wäre  durch
ausgiebige  Kreditgewährung  die  deutsche  Industrie  nicht  in  den
letzten  Jahrzehnten  gefördert  worden,  hätten  die  Banken  nicht  in
jeder  Weise  ihre  Aufgabe  darin  erblickt,  dem  gewerblichen  Leben
im  Reiche  ihre  Aufmerksamkeit  zuzuwenden,  so  würde  heute  die
Versorgung  der  Heeresverwaltung  mit  allem  Notwendigen  nicht
durchführbar  sein.  Die  bewundernswerte  Intelligenz  unserer
Industrie  hat  in  staunenerregender  Weise  überall  Mittel  und  Wege
gefunden,  um  allen  Anforderungen  des  Heeres  zu  genügen;  sie
hätte  das  aber  nicht  können,  wenn  die  erforderlichen  Anlagen  und
Betriebe  und  die  in  ihnen  erfolgte  Schulung  nicht  vorhanden  war.
Ohne  die  Banken  wäre  das  alles  nicht  gewesen.  Gewiß,  die  Landwirtschaft ­
  hat  ihre  Pflichten  gegenüber  dem  Staate  genau  so
erfüllt,  wie  die  anderen  Kreise  der  Bevölkerung;  ohne  ihre  große
Leistungsfähigkeit  stände  es  schlecht  um  uns.  Sie  hat  sich  aber
in  den  verflossenen  Jahren  stets  der  weitgehendsten  finanziellen
Unterstützung  und  Fürsorge  seitens  des  Staates  erfreut,  während
Industrie,  Handel  und  Gewerbe  nur  auf  sich  angewiesen  waren
und  daher  Rückhalt  an  den  Banken  suchen  mußten.  Daß  hier
ab  und  zu  Fehler  gemacht  worden  sind,  wer  wollte  das  bestreiten!
Letzten  Endes  aber  hat  die  heutige  schwere  Zeit  den  Beweis
erbracht,  daß  im  großen  und  ganzen  der  Gang  der  Dinge  richtig
und  durch  die  Verhältnisse  gegeben  war.  Hinter  diesen  großen
Gesichtspunkt  treten  nunmehr  viele  der  Einwände,  die  von  den
verschiedensten  Seiten  gegen  unser  Bankwesen  erhoben  wurden,
zurück.  Der  Vergleich  des  deutschen  Banksystems  mit  demjenigen ­
  Englands  fällt  nicht  zugunsten  des  letzteren  aus;  besonders
in  den  ersten  Tagen  nach  Kriegsausbruch  hat  in  England  die
Kreditwirtschaft  mindestens  nicht  besser  gearbeitet  als  bei  uns;
der  Diskontsatz  der  Bank  von  England  war  weit  höher  als  unser
Reichsbanksatz,  und  durchgreifende  gesetzgeberische  Maßnahmen
waren  in  England  notwendig,  um  den  Banken  behilflich  zu  sein.
Mit  Recht  schreibt  Bernhard  im  „Plutus“  (1914  S.  610),  daß  der
        <pb n="6" />
        8

Fall  der  Kreditgewährung  größeren  Umfanges  für  industrielle
Zwecke  in  England  ein  Ausnahmefall  sei:
„Infolgedessen  ist  das  ganze  englische  Banksystem  —  nicht  nur  das
der  Bank  von  England,  sondern  auch  die  Privatbanken  —  nicht  darauf
eingerichtet.  Wenn  plötzlich  eine  größere  Zahl  von  Unternehmungen
solchen  Kredit  beansprucht,  ist  er  nicht  da.“
Diesem  richtig  dargestellten  Zustande  gegenüber  ist  das  Bild
bei  uns  ein  anderes.  Unsere  Industrie  und  der  Handel  haben  in
den  ersten  Wochen  mangels  Absatzes  auch  gestockt;  ebenso
haben  die  Banken  bei  Kriegsbeginn  Krediterhöhungen  nicht  vorgenommen, ­
  ohne  aber  Kredite  zu  kündigen.  Als  aber  die  Heeresverwaltung ­
  bei  der  nie  vorausgeahnten  ungeheuren  Ausdehnung
aller  Bedürfnisse,  bedingt  durch  die  starke  Einberufung  der  Soldaten ­
  und  den  Kampf  an  drei  Fronten,  an  den  Markt  die  notwendigen ­
  Anforderungen  stellte,  hat  weder  der  erforderliche  Bankkredit ­
  gefehlt  noch  die  Industrie  versagt.  In  der  Bankequetekommission
  der  Jahre  1908/1909  nahm  die  Erörterung  der  Frage  der
Umgestaltung  des  Depositenwesens  unserer  Universalbanken  einen
breiten  Raum  ein-  Das  Wort  „finanzielle  Kriegsbereitschaft“  hat
seit  Jahren  im  Vordergründe  jeder  Diskussion  auf  diesem  Gebiete
gestanden.  Man  verlangte,  die  Banken  sollten  größere  Barbestände
halten  oder  aber  ihren  Reservefonds  in  Staatspapieren  anlegen;
sie  sollten  gehalten  sein,  einen  gewissen  Prozentsatz  ihrer  Depositengelder ­
  bei  der  Reichsbank  zu  hinterlegen  und  anderes  mehr.
Vieles  von  dem,  was  von  Fachleuten,  Sachverständigen  und
Schriftstellern  hierüber  gesagt  und  geschrieben  worden  ist,  ist  über
den  Haufen  geworfen-  Es  hat  sich  bei  uns  in  Deutschland
gezeigt,  daß,  wie  bereits  betont  wurde,  auch  das  Kreditwesen
besser  gearbeitet  hat  als  in  den  uns  feindlichen  Ländern.  Indessen
bleibt  es  selbst  in  dem  jetzigen  Stadium,  in  dem  man  naturgemäß
irgendein  abschließendes  Urteil  nicht  abgeben  kann,  sehr  interessant, ­
  diese  Frage  der  Liquidität  der  deutschen  Banken,  Sparkassen ­
  und  Genossenschaften  kurz  zu  erörtern.  In  einem  sind  auch
heute  Freunde  und  Kritiker  des  deutschen  Kreditwesens  einig:  die
Maschine  hat  funktioniert.  Nur,  warum  das  so  gewesen  ist,  darüber ­
  ist  Meinungsverschiedenheit.  Speziell  zwei  bekannte  und  als
sachverständig  allgemein  anerkannte  Männer,  Georg  Bernhard
und  Alfred  Lansburgh,  urteilen  heute  trotz  der  glatten  Abwicklung
der  nötigen  Geschäfte  genau  so  scharf  wie  früher,  speziell  über
        <pb n="7" />
        9

die  Liquidität  der  Banken.  Beide  kommen,  ersterer  u.  a.  im
„Archiv  für  Sozialwissenschaft“  (BdL  40  S.  43  ff.),  letzterer  in
seiner  Zeitschrift  „Die  Bank“  (BdL  1914,  S.  819  ff.),  in  Übereinstimmung ­
  und  in  unveränderter  Anlehnung  an  ihre  früheren  Anschauungen ­
  zu  dem  Resultat,  daß  überall  da,  wo  das  Füllhorn  der
Reichsbank  nicht  hinreicht,  Kreditnot,  Zahlungsunfähigkeit,  Qesohäftsstockung
  und  Arbeitslosigkeit  geherrscht  haben.  Der
Bundesrat  habe  von  der  ihm  bei  Kriegsbeginn  erteilten  Ermächtigung, ­
  Notverordnungen  zu  erlassen,  einmal  über  das  andere  Gebrauch ­
  machen  müssen,  um  zu  verhindern,  daß  ganze  Berufszweige ­
  in  Vermögensverfall  geraten.  Grundsätzlich  stehen  sich  in
diesem  wie  ja  auch  in  vielen  anderen  Punkten  die  Meinungen  diametral ­
  gegenüber,  weil  jene  beiden  Vertreter  „staatssozialistischer“
—  wenn  man  so  sagen  darf  —  Anschauungen  den  privatwirtschaftlichen
  Charakter  der  Bank  absolut  hintanstellen  oder  gar
nicht  gelten  lassen  wollen.  „Die  deutschen  Banken“,  heißt  es  an
einer  anderen  Stelle  („Plutus“  1914,  S.  614),  „hätten  genau  so  versagt, ­
  wie  die  Banken  der  ganzen  Welt,  wenn  unsere  Reichsbank
das  gleiche  Fiasko  wie  die  übrigen  Zentralnotenbanken  gemacht
hätte.“
„Die  praktische  Konsequenz  davon  wird  wahrscheinlich  sein,  daß
nach  dem  Friedensschluß  die  Verhandlungen  über  die  Erhöhung  der  Bareinlagen ­
  der  Banken  bei  der  Reichsbank  in  etwas  schnellerem  Tempo
vor  sich  gehen  werden  als  bisher.“
Die  Aufgaben  der  deutschen  Reichsbank  im  modernen  Wirtschaftsleben ­
  werden  seitens  jener  Herren  gerade  für  kritische
Zeiten  anders  aufgefaßt,  als  dies  seitens  der  Reichsbankleitung
selbst  bei  Ausbruch  des  Krieges  geschehen  ist  und  u.  E.  auch  zu
geschehen  hat.  Wenn  die  Privatbanken  in  Friedenszeiten  in  dem
Umfange,  wie  es  erforderlich  wäre,  um  allen  bei  Kriegsausbruch
an  sie  herantretenden  Anforderungen  genügen  zu  können,  sich  auf
schwere  kritische  Zeiten  oder  auf  einen  Krieg  einriohten  würden,
wäre  das  bei  der  in  den  letzten  beiden  Jahrzehnten  gewesenen  und
nach  dem  Friedensabschluß  hoffentlich  wieder  einsetzenden  wirtschaftlichen ­
  Entwicklung  im  Reiche  hemmend  und  schaden-.
bringend  gewesen.  So  starke  Barvorräte  zu  halten,  wie  sie  nötig
sind,  um  in  solchen  Tagen  höchster  Erregung  allen  Anforderungen
ohne  Zuhilfenahme  des  Reservoirs  der  Reichsbank  zu  willfahren,
        <pb n="8" />
        10

ist  unmöglich  und  auch  nicht  erforderlich.  Denn  in  derartigen
Tagen  ist  die  Notenbank  dazu  da,  helfend  einzugreifen,  da  alles
nach  öffentlichem  Oelde  ruft  und  die  Reichsbank  letzten  Endes
die  einzige  Quelle  ist,  aus  welcher  dieses  geschöpft  werden  kann.
Daß  eine  solche  Belastung  der  Reichsbank  eine  nur  vorübergehende ­
  sein  darf,  und  im  vorliegenden  Falle  auch  nur  gewesen
ist,  ist  sicher,  daß  sie  aber  erfolgen  muß  und  erfolgen  darf,  ohne
dem  Zweck  einer  Notenbank  zuwilder  zu  laufen,  ist  auch  klar.
In  diesem  Sinne  ist  die  Reichsbank  dann  auch  vorgegangen;  hätte
sie  anders  gehandelt,  würde  sie,  abgesehen  von  schweren  Nachteilen, ­
  die  dann  sicher  eingetreten  wären,  ihrer  Zweckbestimmung
nicht  entsprochen  haben.  Im  übrigen  sind  die  Notenbanken  in  den
Staaten  England,  Frankreich  und  Rußland  genau  so  vorgegangen,
wie  dies  bei  uns  geschah.  Daß  sie  dabei  nicht  so  erfolgreich  sein
konnten,  wie  dies  die  deutsche  Zentralnotenbank  war,  hat  in  den
anderen  kriegführenden  Staaten  verschiedene  Gründe.  Bei  uns
hat  die  von  Havenstein  verfolgte  weitsichtige  und  dabei  liberale
Reichsbankpolitik  unverrückbar  die  beiden  großen  Ziele  verfolgt»
dem  Reiche  die  für  die  Kriegsführung  notwendigen  Mittel  zu  verschaffen ­
  und  daneben  in  ausgedehnterem  Maße  den  Einzelwirtschaften ­
  zur  Verfügung  zu  stehen.  In  der  Geschichte  dieses  Krieges ­
  wird  neben  den  großen  Heerführern  als  einer  der  klügsten
und  in  seinem  Wirken  erfolgreichsten  Köpfe  Havenstein  genannt
werden  müssen,  dem  das  sichere  Weiterarbeiten  unserer  Wirtschaftsmaschine ­
  mit  zu  verdanken  ist.  Er  hat  die  Mission  einer
Zentralnotenbank  richtig  erkannt  und  durchgeführt  und  die  Entwicklung ­
  der  Ziffern  unserer  Reichsbank  bestätigt  sein  zielbewußtes ­
  Arbeiten.
Ihr  Status  zeigte  im  Vergleiche  mit  früheren  Ziffern  Ende
März  1915  folgendes  Bild:

Aktiva  (in  1000  Mk.)

31.  März
1915

gegen  23.
1915

März

31.  März
1914

gegen  23.  März
1914

Metallbestand

.  2  377  690

+

2

694

1  579  445

—  73  851

davon  Gold

2  337  528

+

7

640

1  259  980

—  62101

Kassenscheine

563  427

|

388

002

58  896

—  21  358

Noten  anderer  Banken

18  642

+

6

695

10164

—  29  714

Wechsel  und  Schecks  .  .

6  859  900

+

1  984

468

1  361  818

+  497  255

Lombardforderungen  .  .

16  742

—

19

038

84  168

+  21  594

Effekten

16  870

—

9

721

292  376

+  92122

Sonstige  Aktiva

226  689

—

59

479

220  486

—  45  983
        <pb n="9" />
        11

Passiva  (in  1000  Mk.)

31.  März
1915

gegen  23.  März
1915

31.  März
1914

gegen  23.  März
1914

Grundkapital

180  000

unv.

180  000

unv.

Reservefonds

80  550

+

6  071

74  479

unv.

Notenumlauf

5  624  026

+

679  959

2  427  670

+  642  628

Sonstige  täglich  fällige
Verbindlichkeiten  .  .  .

4  036  988

+

165  668

890  487

—  203  997

Sonstige  Passiva  ....

158  396

—

49  067

34  717

+  1  434

Gesamter  Status

—

282  568

.

767  551

Die  Notendeckung  durch  Metall  und  Reichsund ­
  Darlehnskassenscheine  stellt  sich  in  Prozenten
ausgedrückt  je  am  31.  März  wie  folgt:
1912  1913  1914  1915
56,62  52,65  67,48  52,30
Die  Beanspruchung  der  deutschen  Reichsbank  in  den  verschiedenen ­
  Monaten  seit  Ausbruch  des  Krieges  geht  aus  folgenden ­
  Ziffern  hervor:

Zu-  oder  Abnahme
(in  1000  Mk.)

Metallbestand

Goldbestand

Kassenscheine

Noten  anderer
Banken

23.-31.  Juli  1914  .  .

+

163  372

—

103  658

—

32  036

—

28  593

1.—31.  August  1914

+

78  896

+

303  300

+  149  716

—

2  171

1.—30.  Sept.  1914.  .

+

130  523

+

159  572

+  153  316

—

1  995

1—31.  Oktob.  1914.

+

152  899

i
"T

142  243

+  533  355

i

3  236

1—  30.  Nov.  1914.  .

+

145  232

+

132  940

—

126  425

—

1  307

1.—31.  Dez.  1914  .  .

+

94100

+

101  557

_i_
i

131  595

—

3  964

1.—31.  Januar  1915  .

+

84  305

+

70  942

—

609  515

—

201

1.—28.  Februar  1915

4

100274

+

106  879

—

49  465

I

1  083

1—31.  März  1915  .

+

63  435

+

66  896

+  428  597

+

14  004

Wechsel

Lombard

Effekten

Sonst.  Aktiva

23.—31.  Juli  1914  .  .

+  1  330  183

+

151  990

+

65  784

+

17  671

1.—31.  August  1914

+  2  668  992

—

97  261

—

233  277

—

6  583

1.—30.  Sept.  1914  .  .

+

5  703

—

74  348

—

57  420

+

17  032

1.—31.  Okt.  1914  .  .

—

1  982  227

+

5  011

—

67  476

—

4152

1.—30.  Nov.  1914  .  .

+

158  821

+

232

—

10  018

—

12  649

1.—31.  Dez.  1914  .  .

+  1  004  204

—

12  594

+

5  560

+

3  286

I.—31.  Januar  1915  .

—

152  622

+

19  497

—

18213

—

4  826

1.—28.  Februar  1915

+

310  678

+

982

+

2  738

—

27  912

1.—31.  März  1915  .

+  2  765  256

—

26  607

—

79  245

—

163  372

Noten-Umlauf

Giro-Guthaben

Sonst.  Passiva

Gesamtstatus

23.—31.  Juli  1914  .  .

+  1  018  527

+

314  502

+

8  598

—

1  242  528

1.—31.  August  1914

+

1  325  451

-f-  1  182  871

4-49

  990

—

1  099  010

1.—30.  Sept.  1914.  .

+

256  020

—

90  619

+

7  410

25  824

1.—31.  Okt.  1914  .  .

—

320  106

—

1  045  223

+

5  975

+  1  009  596

1.—30.  Nov.  1914  .  .

+

34  576

+

91  948

+

27  362

—

17  076

1.—31.  Dez.  1914  .  .

+

840  536

+

359  464

+

21  827

—

618  805

1.—31.  Januar  1915  .

+

387  311

—

304  295

+

10  031

—

138100

1.-28.  Februar  1915

+

204116

+

128  915

+

5  347

—

152  224

1.—31.  März  1915.  .

+

761  322

+  2  455  461

+

80  026

—

340  834
        <pb n="10" />
        12

Die  Ziffern  zeigen  eine  ständige  Zunahme  des
Metallbestandes  nur  aus  den  im  Lande  befindlichen  Einzelbeständen ­
  heraus,  die  selbst  am  31.  März  1915,  trotz  Quartalstermines,
  noch  in  die  Reichsbank  geflossen  sind.  Dieser  Qoldzufluß
  hat  der  Reichsbank  die  Mitwirkung  bei  der  Finanzierung
des  Krieges  wesentlich  erleichtert  und  daneben  die  Möglichkeit
geboten,  der  Privatwirtschaft  ihre  volle  Unterstützung  zu  leihen.
Daß  dieses  geschehen  ist  und  geschehen  konnte,  ist  sehr  verdienstvoll. ­
  Soweit  die  Beziehungen  der  deutschen  Banken  und
Bankiers  zur  Reichsbank  in  Frage  kamen,  ist  die  letztere  den  ersteren
  weitgehend  entgegengekommen.  Sie  konnte  und  mußte  es
aber  auch  tun,  da  ihr  nicht  unbekannt  war,  daß  das  Fundament ­
  der  deutschen  Banken  und  Bankiers  festgefügtundgesundwar,
  und  es  ist  nicht  bekannt  geworden,
daß  die  bei  Kriegsbeginn  einsetzende  starke  Inanspruchnahme  der
Reichsbank  seitens  der  Banken  durch  Diskontierung  von  Wechseln ­
  sowie  von  Ziehungen  eines  Teiles  der  Debitoren  auf  die
Banken,  durch  welche  diese  vorübergehend  ihre  Liquidität  verstärkten, ­
  der  Reichsbank  Verluste  gebracht  hätte.
Darum  ist  es  auch  falsch,  den  Banken  jede  Mitwirkung  bei
der  Aufrechterhaltung  der  deutschen  Wirtschaft  abzusprechen.
Die  Reichsbank  brauchte  nicht,  wie  dies  in  Frankreich  in  einschneidenden ­
  Fällen  nötig  war,  Bankinstitute  zu  stützen.  Der
Verlauf  der  finanziellen  Mobilisierung  wäre  bei  uns  auch  kaum
ein  anderer  gewesen,  wenn  die  Banken  noch  größere  Barbestände
oder  Guthaben  bei  der  Reichsbank  gehabt  hätten  als  sie  tatsächlich
bei  Kriegsausbruch  hatten.  Es  ist  doch  ohne  weiteres  klar,  daß,
wenn  die  deutsche  Bankwelt  an  Stelle  ihres  großen  Wechselportefeuilles ­
  größere  Bargeldbestände  ansammelte,  die  legitimen  im
Wechsel  verkehr  zum  Ausdruck  kommenden  Ansprüche  des  Handels ­
  und  der  Industrie  an  dem  Geldmarkt  an  irgendeiner  anderen
Stelle  ihre  Unterkunft  suchen  und  finden  müßten.  Wahrscheinlich
wäre,  wenn  anders  man  der  geschäftlichen  Entwicklung  keine
schädlichen  Hemmungen  bereiten  wollte,  die  Reichsbank  die
direkte  Zuflucht  für  jene  legitimen  Wechselankäufe  geworden.
Dadurch  wäre  zwar  auf  der  einen  Seite  ein  größerer  Bestand  an
Bankkreditoren  bei  der  Reichsbank,  auf  der  anderen  Seite  aber
auch  eine  stärkere  Belastung  ihres  Wechselportefeuilles  erzielt
worden,  und  nichts  wäre  gebessert  gewesen:,  bei  Kriegsausbruch
        <pb n="11" />
        13

hätten  die  Banken  ihre  Guthaben  bei  der  Notenbank  abgezogen
und  der  Status  der  Reichsbank  wäre  nicht  liquider  gewesen.  Man
hat  nicht  die  Möglichkeit,  wenn  man  eben,  wie  betont,  die  glänzende ­
  Entwicklung  unseres  Wirtschaftslebens  nicht  zu  sehr  stören
oder  auf  Jahre  unterbinden  will,  den  privatwirtschaftlichen  Charakter ­
  unserer  Banken  zu  sehr  zu  verwischen.  Soweit  sie  den
Staat,  das  ist  die  Reichsbank,  zu  unterstützen  und  zu  kräftigen
haben,  soll  das  gewiß  geschehen;  es  kann  auch  vielleicht  in
manchen  Fällen  auf  eine  kurzfristigere  Anlage  der  fremden  Gelder
hingearbeitet  werden,  obwohl  auch  in  dieser  Beziehung  die  Annahmen ­
  mancher  Kritiker  übertrieben  sind.  Im  übrigen  ist  es  die
Hauptaufgabe  der  leitenden  Banken,  soweit  sie  die  ihnen  anvertrauten ­
  Gelder  anzulegen  haben,  hierbei  vorsichtig  und  mit  Umsicht
zu  verfahren,  und  zwar  so,  daß  die  Aktiven  im  wesentlichen  jederzeit ­
  liquide  zu  machen  sind.  Wie  hätten  sich  die  Herren,  welche
nicht  in  der  Praxis  stehen,  den  Gang  der  Dinge  denn  bei  Kriegsausbruch ­
  gedacht?  Glaubt  jemand,  daß  es  möglich  gewesen  wäre,
in  den  ersten  Wochen  der  Erregung  auch  nur  den  geringeren  Teil
der  Aktiven  anders  als  mit  Hilfe  der  Notenbank  zu  realisieren?
Die  Börsen  waren  geschlossen,  Wertpapiere  also  nicht  zu  verkaufen, ­
  ausländische  Guthaben  nicht  realisierbar,  soweit  sie  in  den
bekanntermaßen  nicht  geringen  Beträgen  in  Rußland  und  den
anderen  Staaten,  oder  aber  auch  in  Österreich-Ungarn,  Italien  und
den  Balkanstaaten  angelegt  waren.  Die  Kassebestände  bei  den
Banken  reichten  nicht  entfernt  aus,  um  allen  in  der  ersten  Angst
gestellten  Ansprüchen  zu  genügen.  Um  das  zu  können,  hätten
sie  eine  Höhe  haben  müssen,  die  nicht  allein  irrationell  im  Hinblick
auf  die  Erwerbstätigkeit  der  Banken,  sondern  auch  mit  Rücksicht
auf  die  Allg'emeinwirtschaft  gewesen  wäre.  Und  bei  Beginn  des
Krieges  Debitoren  kündigen?  Bernhard  sagt  an  irgendeiner  Stelle
mit  Recht:
„Wer  die  Aufgabe  hat,  die  Wirtschaft  mit  Kredit  zu  versorgen,  darf
in  dem  Moment  nicht  stoppen,  in  dem  Kredit  gerade  am  nötigsten  ist.“
Größere  Kassenbestände  oder  Guthaben  bei  der  Reichsbank
sind  kein  Allheilmittel.  Vorsichtige,  aber  auch  weitsichtige  Kreditgewährung ­
  und  gute  Aktiven  jeder  Art  sind  das  beste  Schutzmittel
auch  für  Kriegszeiten.  Übt  diesem  System  gegenüber  die
Reichsbank  die  ihr  zugewiesenen  Funktionen  richtig  aus,  so  wird
eine  Stockung  vermieden,  wie  sie  in  dem  so  oft  und  so  viel  ge ­
        <pb n="12" />
        14

priesenen  England  eintrat.  Die  alte  volkswirtschaftliche  Theorie,
daß  das  dem  unseren  gegenüber  weit  eingeschränktere  Kreditsystem ­
  in  England  den  deutschen  Wirtschaftsregeln  unbedingt
vorzuziehen  sei,  ist  nunmehr  wohl  überholt.  Die  Reiohsbank  allein
hätte  uns  nicht  halten  können;  das  wäre  ihr  wohl  vorübergehend
gelungen;  nach  wenigen  Monaten  würde  sich  aber  gezeigt  haben,
wenn  das  Kreditsystem  und  vor  allem  die  deutschen  Banken  nicht
bis  in  den  Kern  gesund  gewesen  wären,  daß  selbst  die  Notenbank
durch  weitsichtiges  Entgegenkommen  eine  Fäulnis  bei  uns  nicht
hätte  beseitigen  können.  Dann  wäre  es  mit  den  Erfolgen  unserer
Kriegsanleihen  nichts  gewesen  und  eine  schwere  Zeit  wäre  über
uns  hereingebrochen.  Nach  dem  Kriege  wird  über  die  Frage  noch
manches  Wort  gewechselt  werden.  Heute  nur  die  eine  Feststellung: ­
  es  ist  bei  uns,  wie  allseitig  anerkannt  wird,  besser
gegangen  als  in  anderen  Staaten.  Das  ist  das  Verdienst  der
Reichsbankleitung,  aber  auch  der  übrigen  Faktoren,  die  am  Wirtschaftsleben ­
  Deutschlands  beteiligt  sind.
Neben  die  Banken  traten  bei  Kriegsausbruch  dieDarlehensk
  a  s  s  e  n  als  staatliche  Einrichtung.  Abhängig  von  der  Reichsbank ­
  und  bestimmt,  das  Kreditbedürfnis  von  Handel  und  Gewerbe ­
  zu  befriedigen  und  der  Qeldzirkulation  neue  Mittel  zuzuführen, ­
  haben  sie  im  Anfang  des  zweiten  Semesters  des  verflossenen ­
  Jahres  von  Anbeginn  an  ihre  Tätigkeit  in  vollem
Umfange  aufnehmen  können  und  wesentliche  Dienste  geleistet.
Die  Darlehenskassen  beleihen  nicht  allein  Wertpapiere  nach
bestimmten  Grundsätzen,  sondern  auch  Waren,  und  sind  dadurch
ein  wirksames  Zwischenglied  in  unserer  Kreditorganisation  geworden. ­
  In  welchem  Umfange  dieselben  vom  Publikum  in  Anspruch ­
  genommen  sind,  ergeben  die  folgenden  Ziffern.  Die  Höhe
der  erteilten  Darlehen  stellte  sich:
am  30.  September  1914  auf
am  31.  Oktober  1914  auf.
am  30.  November  1914  auf
am  31.  Dezember  1914  auf
am  31.  Januar  1915  auf  .
am  27.  Februar  1915  auf.
am  31.  März  1915  auf  .  .
am  23.  April  1915  auf  .  .
am  31.  Mai  1915  auf  .  .

.  477,8  Millionen  Mark,
.  1  110,9  Millionen  Mark,
.  1  062,5  Millionen  Mark,
.  1  317,2  Millionen  Mark,
.  745  Millionen  Mark,
.  758,7  Millionen  Mark,
.  1  185,1  Millionen  Mark,
.  1  423,9  Millionen  Mark,
.  1  134  Millionen  Mark.
        <pb n="13" />
        i  •  rvw.v.

—  15  —

Außer  den  Darlehenskassen  sind  in  manchen  Orten  des
Reiches  noch  auf  privater  Hilfe  beruhende  Krieg  skreditb
  a  n_k_ejiins  Leben  gerufen,  die  aber  sehr  wenig  von  dem  kreditsuchenden ­
  Publikum  beansprucht  wurden  und  daher  bei  unserer
Betrachtung  ohne  Erörterung  bleiben  können.
Bei  der  Frage,  welche  Einwirkung  der  Krieg  auf  die  Geschäfte ­
  der  deutschen  Banken  ausgeübt  hat,  müssen
wir  vorausschicken,  daß  naturgemäß  unter  der  Einwirkung  der
kriegerischen  Verwicklung,  bei  der  Unterbindung  eines  großen
Teiles  des  internationalen  Verkehrs,  bei  dem  fast  völligen  Aufhören ­
  der  Ausfuhr  und  dem  starken  Rückgang  der  Einfuhr  nach
Deutschland  eine  völlige  Verschiebung  in  der  Tätigkeit  der  Banken ­
  eintrat.  Zunächst  wurden  im  Anschluß  an  die  Schließung
ausländischer  Börsen  die  deutschen  Börsen  geschlossen. ­
  Damit  hörte  vom  August  des  vorigen  Jahres  ab  die  Arbeit
auf  diesem  Gebiete  für  die  Banken  auf.  Den  großen  Nachteilen,
welche  der  Schluß  der  Börsen  für  Publikum  und  für  Banken
mit  sich  gebracht  hat,  steht  auf  der  anderen  Seite  das  wichtige
Moment  gegenüber,  daß  flüssige  Kapitalien  für  die  nötige  Geldbeschaffung ­
  des  Reiches  zur  Verfügung  bleiben.  Die  glänzenden
Resultate  der  Kriegsanleihe,  die  im  wesentlichen  auf  die  Mitwirkung ­
  der  deutschen  Bankwelt  zurückzuführen  sind,  legen
Zeugnis  hierfür  ab.

lq]y

ln  jüngster  Zeit  haben  sich  nun  Bestrebungen  geltend  gemacht,
dem  Börsenverkehr  größere  Ausdehnung  zu  geben,  obwohl  die
Börse  offiziell  geschlossen  ist.  Bisher  hat  der  Verkehr  an  dieser
inoffiziellen  Berliner  Börse  sich  fast  lediglich  zwischen  den  Privatbankiers ­
  abgespielt,  da  die  Banken  sich  von  dem  Handel  bis  auf
verschwindende  Ausnahmen  (Kriegsanleihe  usw.)  fernhielten.
Während  in  den  ersten  Monaten  seit  Kriegsausbruch  der  Verkehr
ganz  ruhte,  hat  sich  allmählich  doch  ein  lebhafterer  Umsatz
gezeigt.  Das  Interesse  des  Publikums  hat  sich  zunächst  und
naturgemäß  Unternehmungen  zugewandt,  die  direkt  oder  indirekt
aus  Lieferungen  für  das  Heer  Nutzen  ziehen  konnten:  Waffenund
  Munitionsfabriken,  Lederindustrie,  Elektrizitätswerke  usw.
Eine  kleine  Zusammenstellung  derjenigen  Wertpapiere,  welche
im  Vordergründe  des  Interesses  der  Börse  gestanden  haben,  läßt
gleichzeitig  erkennen,  welche  Art  Bedürfnisse  die  Heeresverwal-
        <pb n="14" />
        16

tung  an  die  Industrie  gestellt  hat.  Daneben  werden  selbstverständlich ­
  und  in  allererster  Linie  deutsche  Anleihen  bevorzugt,
auch  Bank-  und  Schiffahrtsaktien  sind  mehr  oder  weniger  gehandelt ­
  worden.
Bei  Anleihen  handelt  es  sich  im  wesentlichen  um;

Kriegsanleihe,
Deutsche  Reichsanleihe,
bei  Bankaktien  um:
Deutsche  Bank-Aktien,
bei  Schiffahrtsaktien  um:
Hamburg-Amerika-Paketfahrt-Aktien,

Norddeutscher  Lloyd-Aktien,
bei  Industrie-Aktien  um:
Accumulatorenfabrik-  Aktien,
Bergmann-Elektrizitäts-Aktien,
Allgemeine  Elektrizitäts-Gesellschaft-Aktien,

Siemens  &amp;amp;  Halske-Aktien,
Berliner  Anilin-Aktien,
Badische  Anilin-Aktien,
Höchster  Farbwerke-Aktien,
Elberfelder  Farbwerke  Aktien,
Deutsche  Erdöl-Aktien.
Steaua-Romana-Aktien,
Mix  &amp;amp;  Genest-Aktien
Adler  &amp;amp;  Oppenheimer  Leder-Aktien,
Gustav  Oenschow  &amp;amp;  Co.  Aktien,
Gothaer  Waggon-Aktien,
Busch-Waggon-Aktien,
Adler-Fahrradwerke-Aktien,
Daimler-Motoren-Aktien,
R.  Frister-Aktien,
Horch-Motoren-Aktien,

Preuß.  Cons.  Anleihe

|  Disconto-Commandit-Anteile

Hansa-Dampfschiffahrts-Aktien,
Hamburg  -  Südamerikan.  Dampfschiffahrts-Aktien,

Bismarckhütte-Aktien,
Deutsch-Luxemburg  Bergbau-Aktien,

Laurahütte-Aktien,
Oelsenkirchen  Bergbau-Aktien,
Phönix-Bergbau-Aktien,
Oberschles.  Eisenindustrie  (Caro)-Aktien,

Deutsche  Waffen-Aktien,
Dy  na  m  it-Trust-Aktien,
Rhein.  Metallwaren-Aktien,
Rheinische  Sprengstoff-Aktien,
Ver.  Cöln-Rottweder  Pulverfabriken-Aktien,

Hirsch-Kupfer-Aktien,
Hackethal-Draht-Aktien,
Deutsche  Wolle-Aktien,
Norddeutsche  Wolle-Aktien,
Stettiner  Vulkan-Aktien,
Bremer  Vulcan-Aktien.

Die  Kurse  haben  bei  einigen  Unternehmungen  stark  steigende
Tendenz  gezeigt,  ein  Beweis  auch  für  das  große  und  unerschütterliche ­
  Vertrauen  im  Lande  auf  einen  glücklichen  Ausgang  des
Krieges.  Die  große  Zahl  der  in  Frage  kommenden  Papiere  legte  es
den  Banken  nahe,  wiederholt  ihre  Stellungnahme  gegenüber  dem
Börsenhandel  in  Erwägung  zu  ziehen.  Es  stellten  sich  im  Ver-
        <pb n="15" />
        17

kehr  Unbequemlichkeiten  heraus;  das  Publikum  war  jederzeit
in  der  Lage,  durch  Privatbankiers  Wertpapiere  zu  kaufen  oder
zu  verkaufen,  und  die  Kunden  der  großen  Aktienbanken  konnten
durch  diese  über  ihr  Depot  nicht  verfügen.  Daß  dies  zu  Ungelegenheiten ­
  führen  mußte  und  vielfach  geführt  hat,  liegt  auf  der
Hand.  Das  Leitmotiv  der  Aktienbanken  aber  dafür,  sich  am
Börsengeschäft  zu  beteiligen,  lag  weniger  in  dem  durch  diesen
Börsenhandel  ihnen  entgehenden  Gewinn;  denn  der  ist  bei  dem
doch  immerhin  beschränkten  Umsätze  nur  klein.  Viel  wichtiger
war  der  Umstand,  daß  der  Markt  an  der  Börse  durch  die  Nichtbeteiligung ­
  der  Aktienbanken  sehr  beschränkt  war  und  daß  bei
diesem  geringeren  Markte  unnatürliche  Kursbewegungen  nicht
vermieden  werden  konnten.  Selbst  kleines  Angebot  oder  geringe
Nachfrage  haben  starke  Rückgänge  oder  Steigerungen  in  einzelnen ­
  Wertpapieren  hervorgerufen,  obwohl  irgend  welche  anderweiten ­
  Gründe  für  solche  Schwankungen  nicht  Vorlagen.  Es
fehlte  also  auch  hinsichtlich  ihrer  eigenen  Kundschaft  den  großen
Banken  die  Möglichkeit  der  Kurskontrolle,  da  ja  bei  dem  Fehlen
jeder  Börsenusance  und  eines  Kurszettels  jede  Kontrolle  unmöglich ­
  war.  Wenn  die  Banken  sich  späterhin  an  dem  Geschäft
an  der  Börse  wieder  beteiligen  werden,  tritt  tatsächlich  eine  Erweiterung ­
  des  Verkehrs  ein,  und  wenn  die  großen  Banken,  wie  es
den  Anschein  hat,  dahin  Übereinkommen,  auf  Grund  gemeinschaftlicher, ­
  die  einzelnen  Mitglieder  der  Berliner  Stempelvereinigung
bindender  Abmachungen  zwar  als  Eigenhändler  an  der  Börse
aufzutreten,  den  Eigennützen  aber  nur  in  ganz  minimalen  Provisionszuschlägen ­
  zu  erblicken,  so  hat  damit  das  Publikum  auch  die
Gewißheit,  daß  hiergegen  seitens  irgendeines  Mitgliedes  der
Stempelvereinigung  nicht  verstoßen  wird.  Die  Banken  sind  aber
durch  die  Teilnahme  an  Geschäften  in  der  Lage,  starken  unberechtigten ­
  Schwankungen  wirksam  entgegenzutreten  und  dadurch ­
  das  Publikum,  und  zwar  nicht  allein  die  eigene  Kundschaft
der  Banken,  vor  Schäden  zu  bewahren.  Wenn  man  also  den
inoffiziellen  Verkehr  an  der  Börse  auch  weiterhin  zulassen  will
und  zuläßt,  so  wird  die  Beteiligung  der  Banken  jedenfalls  nur
vorteilhaft  wirken.  Derselben  Ansicht  ist  auch  „Die  Bank“  auf
Seite  94  ihres  Maiheftes,  die  behauptet  (was  im  übrigen  ja  nicht
richtig  zu  sein  braucht),  daß  während  der  Zeit  des  bankenlosen
Börsenverkehrs  „ganz  schmählich  übervorteilt,  oft  geradezu  aus-Weber,
  Krieg  und  Banken.  2
        <pb n="16" />
        18

geraubt  worden  sei,  daß  die  Banken  aber  sich  den  Vorteil  des
kontrollelosen  Verkehrs  nicht  in  diesem  krassen  Maße  zunutze
machen  werden“.  So  wünschenswert  nun  die  Beteiligung  der
Großbanken  im  inoffiziellen  Börsenhandel  sein  mag,  so  fragt  sich
dennoch,  ob  man  ihn  beibehalten  will.  Nach  unserer  unmaßgeblichen ­
  Meinung  ist  der  Zustand  ungesund.  Entweder  schließt  man
die  Börse,  oder  man  öffnet  sie.  Ein  Zwitterzustand,  wie  der  seit
Monaten  bestehende  Verkehr  ihn  darstellt,  ist  und  bleibt  stärkster
Kritik  unterworfen.  Gegen  die  volle  Öffnung  der  Börse  bestehen
noch  die  alten  Bedenken,  die  nicht  zu  unterschätzen  sind  und
die  bei  einem  so  empfindlichen  Instrument,  wie  es  eben  die  Börse
ist,  in  derartig  kritischen  Zeiten,  wie  wir  sie  heute  haben,  doppelt
zu  beachten  sind.  Auch  die  Gründe,  die  für  den  inoffiziellen
Verkehr  sprechen,  sind  gewiß  beachtlich;  es  wird  u.  a.  auch
vielen  ehrenwerten  Existenzen  dadurch  die  Möglichkeit  eines
Verdienstes  geschaffen.  Rein  objektiv  aber  vom  staatlichen
und  auch  vom  geschäftlichen  Standpunkt  aus  betrachtet,  kann
mari  sich  dem  Gedanken  nicht  verschließen,  daß  dieser  inoffizielle
Verkehr  an  der  Berliner  Börse  tiefere  Schäden  mit  sich  bringt
und  gegen  die  Börse  einejjroße  Animosität  in  weiten  Kreisen
wachgerufen  hat.  Wer  mit  seiner  ganzen  Überzeugung  für  eine
Befreiung  der  Börse  von  lästigen  Fesseln  eintritt,  wer  der  Meinung ­
  ist,  daß  sie  ein  unbedingt  notwendiges  Bindeglied  in  unserem
gewaltigen  Wirtschaftsgebäude  darstellt,  der  muß  auch  den  Mut
besitzen  und  feststellen,  daß  das  inoffizielle  Verfahren,  wie  es
geübt  wird,  unrichtig,  schädlich  und  dazu  verführerisch  für  nicht
ganz  gefestigte  Elemente  wirkt.  Das  große  politische  Staatsinteresse ­
  verlangt  heute  den  Schluß  der  Börse,  und  es  gibt  viele
ernsthafte  Männer,  auch  in  den  am  Börsenhandel  interessierten
Kreisen,  die  der  Meinung  sind,  daß  die  Schäden,  welche  der  inoffizielle ­
  Verkehr  mit  sich  bringt,  für  die  Zeit  nach  Beendigung
des  Krieges  bei  weitem  den  Nutzen  überwiegen  werden,  welchen
er  den  beteiligten  handelnden  Firmen  bringt.  Der  durchaus  legitime ­
  Verkehr  in  Devisen  und  Sorten  und  der  Handel  in  Wechseln
oder  Reichsschatzschcincn  und  Kriegsanleihen  brauchte  deshalb
nicht  ausgeschlossen  zu  sein  und  könnte  nach  wie  vor  stattfinden.
Vermieden  aber  werden  muß,  daß  die  vorhandenen  Betriebsmittel
im,  Reiche  für  Spekulationen  festgelegt  und  damit  den  notwendigeren ­
  Aufgaben  des  Staates  entzogen  werden.
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        19

Auch  der  Wechselverkehr  hat  fast  vollständig  aufgehört. ­
  Dieser  große  Geschäftszweig  der  Banken  erfuhr  eine
völlige  Unterbindung  und  hat  auch  heute  noch  keine  Belebung
erfahren.  Vielmehr  spielt  sich  der  deutsche  Geld-  und  Kreditverkehr ­
  jetzt,  besonders  soweit  Lieferungen  für  den  Heeresbedarf ­
  in  Betracht  kommen,  im  wesentlichen  in  der  Form  der
Regulierung  in  bar  oder  durch  Scheck  ab.  Das  Fehlen  der  Einfuhr ­
  vieler  Arten  von  Rohstoffen  zwang  die  deutsche  Industrie,
ihre  Läger  aufzuarbeiten,  und  bewirkte  dadurch  eine  starke  Qeldflüssigkeit,
  die  sich  naturgemäß  in  den  Kassen  der  Banken  zeigte.
Die  großen  Geldvorräte  suchten  im  Laufe  der  Monate  wiederum
Anlage  und  fanden  sie  in  der  fünfprozentigen  deutschen  Kriegsanleihe, ­
  die  auch  dem  verwöhnten  Kapitalisten  neben  unbedingter  ,
Sicherheit  ausgezeichnete  Verzinsung  bot.  Alle  diese  Umstände
zeigen  sich  in  den  am  31.  Dezember  1914  vorgelegten  Bilanzen
der  Banken.  Wir  geben  nachstehend  eine  Übersicht  der  acht
Berliner  Großbanken  im  Vergleich  mit  den  Endziffern  des  Jahres
1913,  die  ein  sinnfälliges  Bild  des  kräftigen  Standes  unserer
führenden  Bankinstitute  ergeben.  Wir  beschränken  uns  auf  die
Berliner  Institute,  um  nicht  zu  sehr  ins  Detail  zu  gehen,  zumal
auch  bei  der  gesamten  übrigen  Bankwelt  das  Bild  dem  nachfolgenden ­
  entspricht,  soweit  dies  die  erschienenen  Berichte  ererkennen
  lassen  (Tabelle  Seite  20  u.  21).

Die  flüssigen  Mittel  haben  eine  große  Steigerung  erfahren. ­
  Die  Kreditoren  sind  wesentlich  angewachsen,  ebenfalls ­
  allerdings  auch  die  Debitoren^  letztere  zum  großen
Teil  wohl  deswegen,  weil  die  Heereslieferungsgeschäfte  sich  bei
der  langsamen  Zahlweise  der  in  Betracht  kommenden  Ämter  in
starkem  Maße  der  Banken  als  Vermittlung  bedienen  mußten.  Das
Reinerträgnis  der  acht  Großbanken  bleibt  hinter  demjenigen  des
Jahres  1913  nur  um  20  Millionen  zurück,  ein  Beweis  dafür,  daß
durchweg  trotz  des  Krieges  die  Entwicklung  der  Banken  gesund
geblieben  ist.  Hervorzuheben  ist  aus  den  Ziffern  schließlich  noch
der  nicht  unerhebliche  Rückgang  des  Akzeptkontos,
der  im  wesentlichen  darauf  zurückzuführen  ist,  daß  der  in  der
Form  des  Akzeptes  in  normalen  Zeiten  durchgeführte  Rembourskredit ­
  im  Auslandsverkehr  in  Wegfall  gekommen  ist  und  die
laufenden  Akzepte  aus  früherer  Zeit  zur  Abdeckung  gelangt  sind.

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zusammen  .  .  .

Deutsche  Bank  ....
Disconto-Gesellschaft  .  .
Dresdner  Bank  ....
Bank  für  Handel  und
Industrie
Berliner  Handels-Gesellschaft ­

Nationalbank  für  Deutschland ­

Commerz-  und  Discontobank

Mitteldeutsche  Creditbank

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148  981
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45  346
17  646
11  065
7  765
8  834
6  445

Kasse,  fremde  Geldsorten ­
  und  Coupons

294  341

134  386
16132
53  581
45  844
12  697
13  587
18  114

Guthaben  bei  Noten-  u.
Abrechnungsbanken

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47  832

insgesamt

Wechsel

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3588  5137

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62  354
53  154
12  822
14  899
31  640
11  450

Nostroguthaben
bei  Banken  und  Bankfirmen ­


794  423

741  296

254  399
109  038
95  502
96  945
62  031
40  841
66  104
16  436

Reports  und  Lombards
gegen  börsengängige
Wertpapiere

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insgesamt

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Staatsanleihen

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sonstige  bei  den
Reichsbank  beeihbare
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20  507
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18  099
6  652

sonstige
börsengängige
Effekten

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3  548
3  267
3  557
7  280
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4  322
5  047
1270

sonstige  Wertpapiere ­


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336  882

54  933
60  765
63  593
40  628
53  767
33  032
22  479
7  685

Konsortialbeteiligungen ­


271  801

356  500

58  411
221  671
37  861
9  434
9  991
4  932
12  332
1  868

Dauernde  Beteiligungen
bei  anderen  Banken
und  Bankfirmen

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3  219176

971  949
427  848
574  116
455  243
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180  610
214  360
169  592

insgesamt

Debitoren

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316  578
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362  937
182  812
146  930
163  919
136  344

davon  gedeckt

217  680
111  270
149  945
92  305
42  646
33  680
50  440
33  247

ungedeckt

to
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CO

4k
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CD

43  000
21  133
31  263
18  334
8  750
5  100
7  570
8  016

Bankgebäude

8341

14984

7000
1902
308
3309
1890
575

Sonstige  Immobilien

10  947

23  726

6  790
15  121
818
997

Sonstige  Aktiva

394  945

475  683

172  497
57  634
81  745
49  100
50  128
22  684
31  000
10  895

Aval-  und  Bürgschaftsdebitoren ­

bezw.  -Verpflichtungen

Aktiva.  Aktiva.
        <pb n="19" />
        22

Die  Flüssigkeit  der  Banken  hat  auch  im  laufenden
Jahre  keine  Abnahme  erfahren,  und  selbst  die  gewaltigen  Zeichnungen ­
  auf  die  Kriegsanleihe  haben  hierin  eine  Änderung  nicht
hervorgerufen.  Das  Ultimogeld  an  der  Berliner  Börse  stellt  sich
in  den  letzten  Monaten  auf  rund  4  %,  Guthaben  in  täglicher
Scheckrechnung  werden  mit  2  %,  in  provisionspflichtiger  Rechnung ­
  mit  2/4  %  verzinst,  ein  Beweis  dafür,  daß  die  Banken  Geld
nicht  suchen.  Niemand  wird  bestreiten,  daß  man  noch  im  August
und  September  vorigen  Jahres  diese  Sätze  für  unmöglich  gehalten
haben  würde;  sie  geben  uns  aber  die  beruhigende  Gewißheit,
daß  auch  für  weitere  Bedürfnisse  unseres  Reiches  die  notwendigen ­
  Mittel  in  vollem  Umfange  zur  Verfügung  sein  werden.  Im
übrigen  muß  auch  an  dieser  Stelle  wieder  betont  werden,  daß,
wie  in  manchen  anderen  Fragen,  so  auch  über  diejenige  der
Liquiditätsberechnung  bei  den  Aktienbanken  eine  Änderung  in  den
Anschauungen  einzutreten  hat.  Wenn  man  sich  nicht  dahinter
verstecken  will,  daß  der  Krieg  in  dem  Wirtschaftsleben  einer
Nation  einen  Ausnahmezustand  darstellt,  und  wenn  man  den
Dingen,  wenn  auch  von  einem  verschiedenen  Standpunkte  aus,
freimütig  ins  Auge  sieht,  so  hat  man  anzuerkennen,  daß  man  zu
den  jederzeit  flüssigen  Mitteln  einer  Bank  Guthaben  der  Banken
im  Auslande  nicht  ohne  weiteres  zuzählen  darf.  Andererseits
werden  unsere  Bilanzkritiker  mit  Rücksicht  auf  die  bei  uns  doch
sicher  feststehende  Tatsache,  daß  das  Kreditgebäude,  wie  es
unsere  Banken  geschaffen  haben,  gesund  ist,  zugestehen  müssen,
daß  Debitoren  nicht  durchweg,  wie  das  bisher  geschah,  als
illiquide  zu  bezeichnen  sind.  Man  wird  also  für  die  Folge  die
Bankbilanzen  jedenfalls  unter  ganz  anderen  Gesichtspunkten
betrachten  müssen,  als  dies  bisher  geschah,  und  wird  in  erster
Linie  in  der  Qualität  der  Kundschaft  und  der  übrigen  Anlagen
einer  Bank  das  bessere  Kriterium  für  dieselbe  sehen  als  in  der
künstlich  aufgemachten  mehr  oder  minder  richtigen  Liquilditätsberechnung
  eines  Instituts.  Wechsel,  Lombards,  auch  kursfähige
solide  Wertpapiere  sind  selbst  in  Kriegszeiten  in  mehr  oder
minder  großem  Umfange  liquide  Werte.  Wir  sind  allerdings
überzeugt,  daß  hierin  die  Meinungen  auch  in  Zukunft  auseinandergehen ­
  werden,  und  daß,  wie  wir  ja  schon  eingangs  hervorgehoben
haben,  letzten  Endes  nur  Kassenbestände  und  Guthaben  bei  der
Reichsbank  als  liquide  Werte  und  als  sicherstes  Mittel  gegen
        <pb n="20" />
        23

wirtschaftliche  Erschütterungen  von  verschiedenster  Seite  betrachtet ­
  werden  dürften.  Das  ist  und  bleibt  ein  Irrtum  und  hat
gerade  bei  dem  Kriegsausbruch  und  in  den  ersten  Wochen  nach
Aufnahme  der  Feindseligkeiten  die  stärkste  Widerlegung  durch
die  englischen  Zustände  erfahren.  Gerade  in  England  haben  die
Banken  stets  große  Kassenbestände  gehalten,  und  trotzdem  hat
dort  das  Weltereignis  größere  Kreise  gezogen  als  bei  uns.  Der
fortgesetzte  Hinweis  darauf,  daß  ohne  die  Hilfe  des  Staates  und
der  Reichsbank  bei  uns  eine  Erschütterung  eingetreten  wäre,
kehrt  immer  wieder,  weil  die  Anschauungen  über  die  Aufgaben
der  Privatbanken  und  diejenigen  einer  Zentral-Notenbank  auseinandergehen. ­
  Es  muß  immer  wieder  betont  werden,  daß  der
Staat,  dem  wir  letzten  Endes  auf  irgendeine  Weise  alle  dienen,
dessen  Grenzen  wir  mit  unseren  Leibern  schützen,  auf  wirtschaftlichem ­
  Gebiete,  wenn  nötig,  mit  seinen  Machtmitteln  einzugreifen
  hat,  weil  er,  wenn  er  die  einzelnen  Privatwirtschaften
schützt,  sich  damit  selbst  den  besten  Schutz  gewährt.  Die  Hauptsache ­
  bleibt  nach  wie  vor,  daß  trotz  aller  Kritiken  an  den  deutschen ­
  Bankbilanzen,  trotz  aller  auseinandergehenden  Meinungen
über  Anlagemöglichkeiten  und  über  Liquiditätsberechnungen  das
Wirtschaftsleben  heute  bei  uns  besser  funktioniert  als  in  allen
anderen  kriegführenden  Staaten.  Nicht  allein  durch  die  Hilfe  des
Staates  und  der  ihm  unterstellten  Notenbank,  sondern  durch  das
verständnisvolle  Ineinanderarbeiten  aller  Wirtschaftsfaktoren  und
das  im  großen  und  ganzen  absolut  gesunde  Kreditsystem  bei  uns
in  Deutschland.

Ein  kurzer  Überblick  über  die  Hypothekenbanken  ergibt ­
  auch  deren  durchaus  gesunde  Lage.  Selbstverständlich
haben  dieselben  unter  dem  Krieg  gelitten,  da  ihr  Pfandbriefabsatz
schon  mit  Rücksicht  auf  die  hochverzinsliche  Kriegsanleihe  stockt
und  sie  zwingt,  sich  passiv  zu  verhalten.  Überall  aber  hört  man,
daß  die  Hypothekenbanken  in  durchaus  verständnisvoller  Weise
die  alten  Hypothekendarlehen  durchhalten  und  den  Schuldnern
keine  besonderen  Schwierigkeiten  machen.  Die  36  deutschen
Hypothekenbanken  zeigen  Ende  1914  folgendes  Bild  (siehe  Tabelle ­
  S.  24).
Auch  hier  also  keine  besonderen  Veränderungen  gegenüber
dem  verflossenen  Jahre.  Wie  weit  sich  das  im  laufenden  Jahre
verschiebt,  werden  die  späteren  Ziffern  lehren.
        <pb n="21" />
        24

Aktien-Reser-







Gesamtzu

  4  %
uud
darüber

zu  3&amp;gt;/.  7.
und
37*  7o

in
eigen.
Besitz

Kapital

ven

Umlauf

in  Millionen

Mark

Ende  1913.  .

775,5

—

12  060,31

11  474,86

7  737,17

3  737,68

93,32

Ende  1914.  .

776,75

345,75

12  203,32

11  632,34

7  987,78

3  644,56

60,11

Immobilien-Zinsrückstände



Durch-Rein

 ­


Vortrag

Zwang
verkäu

Besitz
ohne  Bankgebäude ­


in
Mark

in
Vo

schnittszins
der
Hypotheken

(in  lOOOMk.)
auf  1915

Ende

1913.  .

2752

4  810  000

6  070  000

1,18

4,40

94  269

12  738

Ende

1914.  .

1778

5  310  655

12  353  472

2,47

4,39

89  417

13  334

Schwierig  und  teilweise  unerfreulich  gestaltete  sich  der
Zahlungsausgleich  mit  dem  Auslande.  Das  Fehlen
jeglicher  Ausfuhr,  hervorgerufen  durch  das  brutale  Vorgehen
Englands  gegenüber  den  neutralen  Staaten,  soweit  solche  in  ihren
Gebieten  nicht  an  unser  Reich  angrenzen,  hat  die  Wechselkurse
stark  zu  unseren  Ungunsten  verschoben.  Es  war  selbstverständlich, ­
  daß  Deutschland  versuchte,  aus  den  nächstliegenden
Staaten  an  Materialien  noch  heranzuziehen,  was  zu  haben  war,
und  da  unsere  Notenbank  bestreibt  sein  mußte,  ihren  Qoldbesitz  zu
vergrößern,  ergab  sich  mit  Naturnotwendigkeit  ein  starkes  Steigen ­
  der  für  uns  jetzt  im  wesentlichen  in  Frage  kommenden  Devisen ­
  Amerika,  Schweden,  Dänemark,  Holland  und  Schweiz-Daß
  die  Wechselkurse  eine  für  uns  ungünstige  Höhe  erreicht
haben,  liegt  nicht  begründet  in  dem  Status  unserer  Reichsbank
oder  in  unserer  Währung.  Wir  haben  eben  mehr  aus  allen  diesen
Staaten  an  Waren  und  Rohstoffen  bezogen,  als  wir  ihnen  liefern
konnten,  und  sind  nicht  in  der  Lage  gewesen,  diese  großen  Bedürfnisse ­
  durch  den  Verkauf  ausländischer  Wertpapiere  völlig
decken  zu  können.
Fast  vollständig  in  Wegfall  gekommen  ist  der  sogenannte
Rembours  verkehr  mit  dem  Auslande.  Es  ist  bekannt,  daß
unsere  Importeure  zur  Bezahlung  der  Verbindlichkeiten  im  Ausland ­
  sich  des  deutschen  Bankakzeptes  bedienen.  Der  Verkäufer
der  Waren  im  Auslande  zieht  auf  eine  ihm  genannte  erste
        <pb n="22" />
        25

deutsche  Bank,  die  ihrerseits  dem  Importeur  den  dazu  benötigten
Kredit  zur  Verfügung  stellt.  Der  starke  Rückgang  des  Akzeptkontos ­
  bei  den  drei  größten  Banken  Deutschlands  gibt  schon  den
Nachweis,  daß  dies  Geschäft  aufgehört  hat.  Warenverschiffungen
  finden  zwar  noch  in  beschränktem  Umfange  statt,  werden
aber  nicht  mehr  im  Wege  des  Akzeptes,  sondern  in  bar  reguliert.
Es  sei  gestattet,  an  dieser  Stelle  die  Frage  zu  berühren,  ob  es
nicht  möglich  sei,  nach  Beendigung  des  Krieges  diesem  lohnenden ­
  und  für  die  Allgemeinheit  nützlichen  Geschäft,  einem  der
legitimsten,  das  sich  im  wirtschaftlichen  Leben  überhaupt  abspielt, ­
  unsererseits  eine  größere  Aufmerksamkeit  speziell  gegenüber ­
  der  Londoner  Konkurrenz  zuzuwenden.  Der  Geschäftszweig ­
  hat  bei  uns  in  Deutschland,  wenn  man  die  Londoner  Ziffern ­
  in  Vergleich  zieht,  nur  einen  ganz  geringen  Umfang.  Die  weit
verbreitete  englische  Valuta  (mit  dem  Pfund  Sterling  kommt  man
bekanntlich  durch  die  ganze  Welt)  hat  dahin  geführt,  daß  ein
größerer  Teil  des  deutschen  Einfuhrhandels  nicht  mit  deutschem
Bankakzept,  sondern  mit  demjenigen  erster  englischer  Firmen
geregelt  wurde.  Das  hat  uns  in  eine  gewisse  Abhängigkeit  von
England  gebracht,  und  mit  Recht  ist  wiederholt  in  den  letzten
Monaten  die  Frage  erörtert  worden,  ob  es  nicht  möglich  sei,  uns
unabhängiger  vom  Londoner  Akzept  zu  machen.  Mit  dem  Willen
allein  ist  es  nun  nicht  getan.  Es  sprechen  hier,  abgesehen  von
historischen  Momenten,  rein  kaufmännische  und  währungspolitische ­
  Gründe  mit,  die  nach  dem  Kriege  nicht  ohne  weiteres
beiseite  zu  schieben  sind.  Was  sich  aber  machen  läßt,  ist  eine
Ermäßigung  der  deutschen  Akzeptprovision,  die  bis  zum  Kriegsausbruch ­
  allgemein  höher  war  als  die  der  englischen  Häuser.
Auch  wäre  vielleicht  in  Erwägung  zu  ziehen,  daß  die  deutsche
Reichsbank  derartige  reine  Remboursakzepte,  die  ja  niemals  den
Charakter  eines  Finanzpapiers  tragen  und  stets  bei  Fälligkeit  zur
Einlösung  gelangen,  unter  ihrem  offiziellen  Satz  diskontiert,  um
die  billigere  Diskontmöglichkeit  in  England  auszuschalten.  Dann
aber  müßte  vor  allen  Dingen  der  Fiskus  auf  die  Stempelung  derartiger ­
  Wechsel  verzichten,  was  bei  den  Anschauungen  unserer
Regierung  und  auch  des  Parlaments  über  derartige  Fragen  (man
vergleiche  die  unsinnige  Einführung  eines  Scheckstempels  in
Deutschland  in  einem  Moment,  wo  man  bestreibt  war,  den  bargeldlosen ­
  Verkehr  zu  heben)  nicht  leicht  sein  dürfte.  Mit  diesen  Ände ­
        <pb n="23" />
        26

rungen  allein  ist  es  aber  nicht  getan.  Es  gehört  zunächst  eine
ausgedehnte  Propaganda  im  Auslande  dazu,  um  den  Markwechsel
ebenso  populär  zu  machen,  wie  den  Sterlingwechsel;  für  eine
bessere  Bewertung  der  Mark  in  manchen  Auslandsstaaten  ist
Sorge  zu  tragen;  die  deutschen  Banken  und  ihre  Kritiker  werden
sich  daran  gewöhnen  müssen,  daß  die  Akzeptkonten  bei  uns  dann
allmählich  eine  enorme  Steigerung  erfahren  müssen,  da  es  sich
nicht  um  Millionen,  sondern  um  viele  Hunderte  von  Millionen
vierteljährlich  handelt.  Diese  Art  des  Kreditgeschäftes  ist  eine
der  diffizilsten,  die  wir  haben.  Es  wird  mit  enorm  niedrigen
Verdienstsätzen  gerade  in  London  auf  diesem  Gebiete  gearbeitet,
während  man  bei  uns  gewöhnt  ist,  größere  Provisionen  in  Ansatz
zu  bringen.  Eine  weitsichtige  Geschäftspolitik  unserer  führenden
Bankinstitute  Hand  in  Hand  mit  der  Peichsbank  wird  manches
auf  diesem  Gebiete,  aber  erst  im  Laufe  der  Jahre,  erreichen
können.  Wenn  in  der  Presse  wiederholt  noch  andere  Mittet
genannt  wurden,  z.  B.  die  Errichtung  einer  großen  Akzeptbank
in  Deutschland  und  andere  mehr,  so  mögen  verschiedene  von
diesen  Vorschlägen  nützlich  sein,  sie  treffen  aber  nicht  ins
Schwarze.  Deutschland  ist  draußen  nicht  beliebt  und  ist  ein
großer  Konkurrent  auf  allen  Gebieten  in  allen  Staaten  der  Erde.
Nur  eine  großzügige  Propaganda  und  eine  dauernde  Bearbeitung
der  ausländischen  Staaten  mit  ruhig  gehaltenen  objektiven  Berichten ­
  aus  und  über  Deutschland  und  seine  Entwicklung  wird
hier  gut  Vorarbeiten  können.  England  hat  es  meisterhaft  verstanden, ­
  durch  geeignete  Vertretung  im  Auslande,  durch  mustergültige ­
  Bedienung  der  ausländischen  Presse  und  durch  die  Anlegung ­
  seines  großen  Kabelnetzes  sich  als  ausschließlichen  Herrn
überall  hinzustellen,  und  man  muß  seinem  kaufmännischen  Qeschäftsgebahren,
  soweit  die  Zeit  vor  dem  Kriege  in  Betracht
kommt,  auch  das  Zeugnis  ausstellen,  daß  es  nie  kleinlich,  sondern
immer  weitsichtig  und  großzügig  war.  Daran  müssen  wir  uns
alle,  auch  unsere  Regierung,  ein  Beispiel  nehmen  und  müssen  vor
allen  Dingen,  worauf  schon  oft  und  energisch  hingewiesen  worden
ist,  für  eine  bessere  Vertretung  unserer  wirtschaftlichen ­
  Interessen  im  Aus  lande  Sorge  tragen.
Mit  unserer  politischen  Diplomatie  muß  auch  unsere  konsularische
Vertretung  erneuert  und  verbessert  werden,  und  mehr  Fühlungnahme ­
  im  Auslande  mit  der  Presse  und  mit  dem  Volke,  ener ­
        <pb n="24" />
        27

gischere  und  nicht  bureaukratische  und  staatsbeamtenmäßige  Behandlung ­
  und  Vertretung  unserer  Geschäfte  im  Auslande  sind
nach  Beendigung  des  Krieges  nötig.  Dann  wird  und  muß  es  bei
verständnisvoller  Mitarbeit  aller  Faktoren  gelingen,  auch  unserer
deutschen  Mark  und  dem  deutschen  Markakzept  größere  Ausbreitung ­
  im  Auslande  zu  verschaffen.
Dies  wird  eine  der  vielen  Aufgaben  sein,  die  nach  Beendigung
des  Krieges  den  deutschen  Banken  obliegen.  Wir  wollen  und  wir
müssen  ernstlich  bestrebt  sein,  den  deutschen  Handel  und  die
deutsche  Industrie  vom  Londoner  Geldmarkt  unabhängiger  zu
machen.  Das  Vorgehen  der  englischen,  französischen  und  russischen ­
  Regierung  gegen  deutsche  Niederlassungen  im  Auslande  ist
bekannt.  Auch  führende  Banken  Deutschlands  sind  hiervon
betroffen  worden.  Wir  werden  uns,  abgesehen  von  ins  Auge
zu  fassenden  finanziellen  Entschädigungen  gerade  England  gegenüber ­
  für  diese  Handlungsweise  nicht  besser  revanchieren  können,
als  dadurch,  daß  wir  seinem  Geldmärkte  die  führende  Stellung
nehmen.
Im  übrigen  werden  nach  Friedensschluß  an  die  Banken  noch
anderweite  sehr  große  Anforderungen  gestellt  werden.  Sie
werden  vor  der  Notwendigkeit  stehen,  ebenso  wie  während  des
Krieges  auch  nachher  dem  Reiche,  den  Bundesstaaten,  den  Kreisen ­
  und  Kommunen  für  deren  große  Qeldbedürfnisse  zur  Verfügung ­
  zu  sein.  Darüber  hinaus  werden  Industrie  und  Handel
enorme  Anforderungen  an  sie  stellen.  Es  leuchtet  ein,  daß  das
Aufarbeiten  sämtlicher  Rohstoffläger  und  das  Abstoßen  des  größten ­
  Teiles  alter  Bestände  an  fertigen  Waren  einen  Hunger  nach
Rohstoffen  hervorrufen  wird.  Viele  Werte  sind  vernichtet  worden
und  harren  der  Ergänzung.  Heer  und  Marine  müssen  in  großem
Umfange  in  ihren  sämtlichen  Materialien  aufgefrischt  werden,
kurz,  starke  Beträge  werden  verlangt  werden,  sobald  Ruhe  auf
der  Erde  eingetreten  sein  wird.
Der  Krieg  wird  voraussichtlich  noch  eine  Weile  dauern.  Das
eine  ist  sicher:  Wie  bisher,  so  werden  die  deutschen  Banken ­
  auch  für  den  weiteren  Verlauf  der  kriegerischen ­
  Operationen  und  genau  so  nach  Beendigung ­
  des  Weltkrieges  ihre  Funktionen  in  vollem
Umfange  erfüllen  können.  Sie  stehen  nach  wie  vor  kräftig  da,
        <pb n="25" />
        28

und  nirgends  hat  sich  in  ihren  Reihen  eine  Erschütterung  gezeigt.
Ziffern,  wie  sie  die  Deutsche  Bank  zeigt,  bei  größter  Liquidität
und  allererster  Fundierung,  finden  wir  bei  keiner  ausländischen
Bank.  Die  Kraft,  welche  auf  allen  Gebieten  das  deutsche  Volk
beseelt  und  zum  schließlichen  Siege  führen  wird,  hat  sich  auch  bei
den  deutschen  Banken  gezeigt,  die  die  schwerste  Erschütterung,
welche  je  ein  großes  modernes  Wirtschaftsgebäude  betroffen  hat,
in  sicherer  Ruhe  überwunden  haben.
Bereits  im  Verlaufe  unserer  kurzen  Betrachtung  konnten  wir
an  verschiedenen  Stellen  Hinweise  darauf  geben,  daß  die  finanzielle ­
  Lage  in  den  mit  uns  im  Kriege  stehenden  Mächten  schlechter ­
  sei  als  bei  uns.  In  die  Zeit  des  Erscheinens  dieser  Zeilen
fällt  die  neue  Kriegsanleihe  der  englischen  Nation,  und  es  wird
für  die  Leser  nicht  ohne  Interesse  sein,  in  einem  kurzen  Ueberblick
  die  wesentlichen  Momente  dieser  Anleihe  und  ihre  voraussichtliche ­
  Einwirkung  auf  die  Qesamtwirtschaft  Englands  erörtert ­
  zu  sehen.  Hängt  doch  selbstverständlich  jede  Anleiheemission ­
  direkt  und  indirekt  mit  der  Lage  der  Banken  der  betreffenden ­
  Nation  zusammen,  die,  wie  wir  sahen,  bei  uns  in
Deutschland  eine  gute  gewesen  ist.
Am  23.  Juni  1915  waren  auf  die  zweite  deutsche  Kriegsanleihe ­
  insgesamt  8502,7  Millionen  Mark,  das  sind  93,4  %  der  Gesamtzeichnung, ­
  eingezahlt.  Die  erste  Einzahlung  auf  diese  Anleihe ­
  hatte
mit  30  %  am  14.  April,
mit  20  %  am  20.  Mai
und  mit  20  %  am  22.  Juni
zu  erfolgen,  so  daß  festgestellt  werden  darf,  daß  das  seitherige
Ergebnis  von
93,4  %  gegenüber  70  %  Erfordernis
als  sehr  günstig  zu  bezeichnen  ist.  Dabei  ist  hervorzuheben,
daß  von  den  bisher  gezahlten  S 1 /^  Milliarden  Mark  nur  etwa
500  Millionen  Mark  durch  die  Vermittlung  der  deutschen  Darlehnskassen ­
  aufgebracht  sind.
Wenn  wir  in  die  Tage  der  Zeichnung  unserer  zweiten
deutschen  Kriegsanleihe  zurückblicken,  so  wissen  alle,  daß  gleich
        <pb n="26" />
        29

nach  Eröffnung  der  Subskription  enorme  Millionenzeichnungen
eingingen  und  daß  alle  Klassen  der  Bevölkerung  mit  Begeisterung
sich  an  der  Anleihe  beteiligten.  Der  5  %  Anleihetypus  hat  bei
uns  trotz  der  gewaltigen  Inanspruchnahme  des  Geldmarktes  die
Kurse  der  alten  Anleihen  nicht  gedrückt.  Im  Gegenteil,  auch
die  alten  Anleihen  sind  bei  uns  zu  steigenden  Kursen  umgesetzt
worden,  und  nach  dem  Kriege,  dessen  günstiger  Ausgang  für
uns,  nach  den  glänzenden  Erfolgen  in  Galizien,  nunmehr  wohl
auch  unseren  Gegnern  zur  Gewißheit  geworden  sein  wird,  werden
die  Kurse  sämtlicher  Anleihetypen  bei  uns  ebenso  gewiß  steigende
Richtung  haben  wie  bisher.
Der  Not  gehorchend,  nicht  dem  eigenen  Drange,  opfert  dagegen ­
  die  englische  Regierung  alle  Traditionen  der  finanziellen
Wirtschaft  des  Reiches,  und  wer  die  englischen  Verhältnisse
kennt,  sieht  staunend  diese  Revolution  auf  dem  englischen  Geldmärkte. ­
  Die  neue  englische  Anleihe  ist  gegenüber  dem  englischen
Durchschnittszinssatz  von  2)4  %  auf  einen  4)4  %  Typus  eingestellt. ­
  Sie  soll  bei  diesem  Zinssätze  mit  Pari  ausgegeben  werden,
und  der  Staat  hat  das  Recht,  ihre  Tilgung  (bei  uns  sind  die
Kriegsanleihen  in  längstens  zehn  Jahren  zu  tilgen)  bis  zum  1-  Dezember ­
  1945  hinauszuschieben.  Bietet  dies  auch  einen  großen  Anreiz ­
  für  neue  Zeichner,  so  haben  die  letzten  Junitage  bereits
gezeigt,  daß  diese  Idee  den  Kurs  der  alten  Anleihe  stark  gedrückt ­
  hat;  der  Mindestkurs  der  2*4  %  englischen  Konsols  mußte
sofort  von  66)4  %  auf  65  %  heruntergesetzt  werden,  und  dabei
hatte  der  neue  englische  Finanzminister  Mc.  Kenna  eine  Relation
geschaffen,  auf  Grund  deren  je  100  Pfund  Sterling  zum  Preise
von  66 2 /s  Pfund  Sterling,  nachdem  von  dem  betreffenden  Einreicher ­
  100  Pfund  Sterling  der  neuen  Anleihe  gegen  bar  gezeichnet ­
  wurden,  von  den  alten  2)4  %  Konsols  in  Zahlung  genommen
werden  sollen.  Ebenso  ungünstig  stellt  sich  das  Verhältnis  für  die
erste  SVz  %  Kriegsanleihe,  welche  in  Höhe  von  400  Millionen
Pfund  Sterling  herausgebracht  wurde.  Auch  sie  wird  gegen  Zuzahlung ­
  von  5  %,  allerdings  ebenfalls  in  der  Voraussetzung  der
vollen  Barzahlung  eines  gleich  hohen  neuen  Betrages,  in  Zahlung
genommen,  und  wenn  die  alte  Kriegsanleihe  bei  diesem  nicht  ungünstigen ­
  Verhältnis  anfangs  auch  eine  Kurssteigerung  zeigte,  so
ist  sie  bereits  kurz  darauf  auf  den  alten  Stand  bei  Bekanntwerden
dieses  Vorschlages  zurückgegangen.  Man  kann  diese  Verände ­
        <pb n="27" />
        30

rung  der  englischen  Qeldmarktverhältnisse  nicht  eingehend  genug
verfolgen;  denn  es  ist  klar,  daß  eine  so  einschneidende  Hinaufkonvertierung ­
  der  gesamten  englischen  Anleihen  auf  einen  in
diesem  Lande  unerhörten  Satz  von  4^2  %  ihre  Rückwirkung  nicht
allein  auf  die  Zeit  der  Kriegführung,  sondern  auch  auf  diejenige
nach  dem  Kriege  unter  allen  Umständen  haben  muß.  Wenn  auch
über  den  ursprünglichen  Rahmen  dieser  Ausführungen  hinausgehend, ­
  ist  dennoch  diese  Erörterung  von  der  größten  Bedeutung
auch  für  die  deutschen  Banken  für  die  Zeit  nach  Beendigung  des
Krieges.  Der  englische  Kredit  muß  erheblich  unter  solchen  Regierungsmaßnahmen ­
  leiden,  zumal  hinzukoramt,  daß  auch  der
Qoldvorrat  Englands  eine  stark  rückläufige  Kurve  eimgeschlagen
hat.  In  den  letzten  6  Monaten  ist  der  Barvorrat  der  Bank  von
England  um  18  Millionen  Pfund  Sterling,  das  heißt  um  360  Millionen ­
  Mark,  zurückgegangen,  wobei  überdies  zu  berücksichtigen
ist,  daß  die  Bank  von  England  große  Geldbeträge  aus  den  ihr
befreundeten  Staaten,  Frankreich,  Rußland  und  Belgien,  die  man
wohl  mit  60  bis  70  Millionen  Pfund  Sterling  nicht  zu  hoch  einschätzt, ­
  herangezogen  hat.  Während  bei  uns  in  Deutschland  die
Golddeckung  der  Noten  und  fremden  Gelder  bei  der  Reichsbank
vom  31.  Juli  1914,  an  welchem  Tage  dieselbe  31,1  %  betrug,  sich
auf  34,9  %  gehoben  hat,  ist  dieselbe  bei  der  Bank  von  England
von  38,5  %  auf  22,5  %  zurückgegangen.  Das  kann  und  darf  die
englische  Regierung  nicht  länger  mit  ansehen,  und  die  ernste
Sorge,  die  sie  in  diesem  Punkte  erfüllen  muß,  dürfte  dem  englischen ­
  Finanzminister  und  seinen  Beratern  den  Gedanken  nahegelegt ­
  haben,  den  4 x /2  %  Anleihetypus  zu  wählen,  um  insbesondere ­
  die  Amerikaner  zu  veranlassen,  sich  an  der  Anleihe  zu  beteiligen. ­
  Die  Bezüge  Englands  und  seiner  verbündeten  Kriegführenden ­
  aus  Amerika  steigen  fortdauernd.  Die  Handelsbilanz  der
Engländer  wird  immer  ungünstiger,  und  damit  verschlechtert  sich
in  verstärktem  Maße  die  Zahlungsbilanz.  Es  würde  zu  weit  führen, ­
  dies  im  einzelnen  an  dieser  Stelle  zu  erörtern.  In  den
Monaten  Januar  bis  April  1915  stellt  sich  im  Vergleich  zu  derselben ­
  Zeit  des  Vorjahres  nach  dem  „Board  of  Trade  Journal“
vom  13.  Mai  1915  Seite  459/460
die  Einfuhr  auf:  £  281  676  312—.—  im  Jahre  1915  gegen
£  258  618  963.—.—  im  Jahre  1914
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die  Ausfuhr  auf:  £  116  770  328.—.—  im  Jahre  1915  gegen
£  173  533  445.—.—  im  Jahre  1914
Was  diese  Ziffern  zu  bedeuten  haben,  liegt  auf  der  Hand,  und  der
Hochmut  der  Engländer,  welche  hofften,  uns  finanziell  niederringen ­
  zu  können,  ist  längst  dahingeschwunden.  Bei  uns  in
Deutschland  sind  die  deutschen  Reichsschatzwechsel  auch  heute
noch  sehr  beliebte  Kaufobjekte,  am  Londoner  Geldmarkt  verlangt
man  heute  dagegen  bei  englischen  Schatzwechseln  4  bis  4^  %,
während  man  die  Privatbankwechsel  mit  3  bis  3 1 /s  %  hereinnimmt. ­
  Der  englische  Wechselkurs  verliert  in  New  York  gegenüber ­
  dem  Qoldpunkte  reichlich  2  %,  alles  in  allem  betrachtet  Signale, ­
  die  uns  Deutschen  die  beruhigende  Gewißheit  geben,  daß
unsere  finanzielle  Lage  doch  anscheinend  im  Laufe  des  Krieges
gegenüber  derjenigen  der  Engländer  eine  immer  bessere  wird.
Auch  unsere  Valuta  ist  und  bleibt  für  uns  zurzeit  keine  günstige.
Wen  kann  das  indessen  Wunder  nehmen  bei  der  durch  die  englische ­
  Machtpolitik  gänzlich  unterbundenen  Ausfuhr  aus  Deutschland. ­
  Was  uns  die  feste  Basis  gibt,  ist  der  Umstand,  daß  wir
nicht  allein  mit  Lebensmitteln,  sondern  mit  dem  gesamten  Heeresbedarf ­
  uns  selbst  versorgen  können  und  nicht  auf  das  Ausland
angewiesen  sind.  Es  gibt  aber  auch  den  Banken  die  tröstliche
Gewißheit,  daß  die  eingangs  unserer  Abhandlung  erörterte
Frage  der  Ausschaltung  des  englischen  Pfundwechsels  im  Weltmarktverkehr ­
  sich  für  uns  doch  im  Laufe  der  Monate  der  Kriegsdauer ­
  immer  aussichtsreicher  gestaltet.  Dabei  ist  allerdings  zu
berücksichtigen,  daß  der  amerikanische  Geldmarkt  sich  jetzt  anscheinend ­
  nicht  ohne  Erfolg  an  die  englische  Stelle  schiebt.  Je
länger  der  Krieg  dauert,  desto  mehr  werden  einsichtige  Kreise  in
England  einsehen,  daß  für  ihr  Land  auch  in  finanzieller  Beziehung
der  Krieg  weit  schädigender  sein  wird,  als  für  uns.  Dabei  sind  die
drei  Verbündeten  des  englischen  Reiches  so  eng  finanziell  mit
England  verknüpft,  in  ihrem  finanziellen  Fundament  aber  allmählich ­
  so  schwach  geworden,  daß  auch  hieraus  für  Großbritannien
schwere  Nachwehen  nicht  ausbleiben  werden.  Für  die  verantwortlichen ­
  Leiter  unserer  deutschen  Finanzen  indessen  ergibt  sich
die  Gewißheit,  daß  in  dieser  Beziehung  bei  uns  Sorgen  nicht
angebracht  sind.  Von  dem  verantwortlichen  Leiter  unserer  Qesamtpolitik
  darf  wohl  der  Schluß  gezogen  werden,  daß  bei  dieser
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mehr  als  günstigen  wirtschaftlichen  Lage  unseres  Reiches  keine
Veranlassung  vorliegt,  die  glänzenden  militärischen  Erfolge  politisch ­
  dadurch  in  Frage  zu  stellen,  daß  dem  zurzeit  durchaus  unangebrachten ­
  und  die  ganze  Entwicklung  unserer  Nation  eventuell
in  Frage  stellenden  Friedensgedanken  des  Vorstandes  einer
großen  Partei,  deren  Anhänger  in  ihrer  Mehrzahl  auch  gewiß
anderer  Meinung  sein  werden,  in  diesem  ungeeigneten  Momente
zum  Schaden  der  Allgemeinheit  Rechnung  getragen  wird.

Veranhv.  Redakteur:  Dr.  Croner,  Berlin-Grunewald,  Douglasstr.  32.
Druck  von  Leonhard  Simion  Nf.,  Berlin  W  57.
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»  —  29  —
ng  der  Subskription  enorme  Millionenzeichnungen
1  daß  alle  Klassen  der  Bevölkerung  mit  Begeisterung
jAnleihe  beteiligten.  Der  5  %  Anleihetypus  hat  bei
J““  gewaltigen  Inanspruchnahme  des  Geldmarktes  die
Iten  Anleihen  nicht  gedrückt.  Im  Gegenteil,  auch
|  eihen  sind  bei  uns  zu  steigenden  Kursen  umgesetzt
nach  dem  Kriege,  dessen  günstiger  Ausgang  für
n  glänzenden  Erfolgen  in  Galizien,  nunmehr  wohl
Gegnern  zur  Gewißheit  geworden  sein  wird,  werden
**  ntlicher  Anleihetypen  bei  uns  ebenso  gewiß  steigende
)en  wie  bisher.
4  gehorchend,  nicht  dem  eigenen  Drange,  opfert  dav
  iglische  Regierung  alle  Traditionen  der  finanziellen
es  Reiches,  und  wer  die  englischen  Verhältnisse
staunend  diese  Revolution  auf  dem  englischen  Qeldreue
  englische  Anleihe  ist  gegenüber  dem  englischen
»Zinssatz  von  2*4  %  auf  einen  %  Typus  eingell ­
  bei  diesem  Zinssätze  mit  Pari  ausgegeben  werden,
at  hat  das  Recht,  ihre  Tilgung  (bei  uns  sind  die
n  in  längstens  zehn  Jahren  zu  tilgen)  bis  zum  1-  Dehinauszuschieben.
  Bietet  dies  auch  einen  großen  Ane
  Zeichner,  so  haben  die  letzten  Junitage  bereits
diese  Idee  den  Kurs  der  alten  Anleihe  stark  ge-,1er
  Mindestkurs  der  2)4  %  englischen  Konsols  mußte
|  5)4  %  auf  65  %  heruntergesetzt  werden,  und  dabei
_ie  englische  Finanzminister  Mc.  Kenna  eine  Relation
H uf  Grund  deren  je  100  Pfund  Sterling  zum  Preise
und  Sterling,  nachdem  von  dem  betreffenden  Ein-.
  ’fund  Sterling  der  neuen  Anleihe  gegen  bar  gezeichvon
  den  alten  2y 2  %  Konsols  in  Zahlung  genommen
1.  Ebenso  ungünstig  stellt  sich  das  Verhältnis  für  die
--  Kriegsanleihe,  welche  in  Höhe  von  400  Millionen
g  herausgebracht  wurde.  Auch  sie  wird  gegen  Zu-5
  %,  allerdings  ebenfalls  in  der  Voraussetzung  der
klung  eines  gleich  hohen  neuen  Betrages,  in  Zahlung
X  nd  wenn  die  alte  Kriegsanleihe  bei  diesem  nicht  unrhältnis
  anfangs  auch  eine  Kurssteigerung  zeigte,  so
kurz  darauf  auf  den  alten  Stand  bei  Bekanntwerden
hlages  zurückgegangen.  Man  kann  diese  Verände-
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