Nicht nur jeder National-Ökonom, sondern wohl jeder, der etwas Sinn hat für das, was man gemeinhin „Anstand“ nennt, wird die Art und Weise, wie der so sympathische Nestor der deutschen sozialökonomischen Wissenschaft, Adolf Wagner, in einer Versammlung von Politikern nach Zeitungsmeldungen und seinen eignen Aussagen behandelt worden ist, als eine Schmach empfunden haben, zumal es sich um just dieselben Leute handelt, die vor noch nicht langer Zeit in ihrem Kampfe gegen den Freihandel die brauchbarsten Waffen von demselben Adolf Wagner er hielten, den sie mit Stolz zu den ihrigen zählten. Aber man wird doch etwas nachdenklich gestimmt, wenn man sieht, daß nicht nur von einer Seite unsere Wissenschaft „zurecht gewiesen wird.“ Im Februar ds. J. brachte z. B. das Hamburger Fremdenblatt von dem freisinnigen Dr.Door- mann, M. d. R., einen Leitartikel mit der Überschrift „Finanz- Wissenschaft und Finanz-Reform“, worin er sich lustig macht über die „beliebten Sticheleien“ der Vertreter der nationalökonomischen Wissenschaft auf die Zerfahrenheit der politischen Parteien im allgemeinen und besonders in steuerpolitischen Fragen. „Wo in aller Welt“, fragt er, „gibt es denn zwei oder gar drei deutsche Professoren der National-Ökonomie, die über den ganzen Komplex finanz politischer Fragen, wie sie uns gegenwärtig beschäftigen, die gleiche Meinung hegen? 1 ) Oder wenn dies zuviel 1) So sehr groß sind die Meinungsverschiedenheiten gerade hin sichtlich der finanzpolitischen Fragen der Gegenwart unter den National- Web er. Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft. 1