6 der dem Menschen erreichbaren Güterwelt bleiben. Und da der Mensch der homo sapiens ist, schließt er einen Kompromiß zwischen seinem Können und seinem Wollen dadurch, daß er mit dem, was er hat, und dem, was er kann, „haushälterisch“ verfährt, möglichst wenig hingibt, um möglichst viel dafür zu bekommen. Ein derartiges wirtschaftliches Verhalten finden wir nun zwar durchaus nicht bei jedem Individuum, der Herr X z. B. und die Frau Y mögen sehr dagegen „sündigen“, ja es mag zu gegeben werden, daß eine ganze Generation es unter läßt, wirtschaftlich zu handeln, aber nur mit der Wirkung, daß die folgende Generation die Vorfahren ob ihrer Ge dankenlosigkeit, ihrer Verschwendung anklagt, für die sie nun als Nachkommen büßen muß. So bleibt es jedenfalls wahr, daß der Mensch, wie wir ihn uns vorstellen als Repräsentanten der Menschheit, das Handeln nach dem Wirtschafts prinzip als ein unentbehrliches Ausstattungsstück seiner psychologischen Natur betrachten muß. Er zieht ja nur die Konsequenz aus einer ehernen Notwendigkeit. Verschärft wird die Wirksamkeit des wirtschaftlichen Motivs noch durch soziale Einflüsse!), durch die Tatsache, daß das Gemeinschaftsleben der Menschen den Trieb an regt, über die Mitmenschen empor zu kommen, andere Menschen den eigenen Zweckstrebungen zu unterwerfen, Macht zu gewinnen, die wiederum ganz besonders mit den Reichtümern verknüpft ist, deren Gewinnung sich nicht wohl von dem wirtschaftlichen Prinzip trennen läßt. In der Tatsache dieses Prinzips liegt ein gut Teil Erklärung für die gesamte Kulturentwickelung der 1) Vgl. H. Dietzel, Theoretische Sozialökonomik, 1895, S. 27.