8 Grund von Wertvorstellungen führt, die durch die psycho logische Natur des Menschen bedingt und ihrem Wesen nach gleichartig sind“ 1 ). Wäre das nicht der Fall, dann ließen sich für das wirtschaftliche Leben der Menschen allgemeingültige Erkenntnisse von irgend einem Werte wohl kaum ge winnen; man müßte sich vielmehr schließlich mit der Feststellung begnügen, daß die Menschen von ihrem freien Willen sehr reichlichen und manchmal recht eigen artigen Gebrauch machen. Aber beschreiben ließen sich dann doch die wirtschaft lichen Vorgänge? Man mache den Versuch, man suche die Wirklichkeit eines Gemüsemarktes z. B. erschöpfend zu schildern. Man analysiere die einzelnen Verkäufe und Käufe, die da stattfinden zunächst etwa nach den zu Grunde liegenden psychologischen Motiven: Bei Fall Nr. 1 haben wir es mit einer Marktfrau zu tun, die im Dienste ergraut ist, die ihren Kunden schon an der Nase ansieht, wes Geistes Kind sie sind, sie handelt gerade jetzt mit einem unkundigen Fremden, wir können sicher sein, daß sie ihm mindestens 50% „zu viel“ abnimmt; Nr. 2 ist ein lebenslustiges junges Ding, das nimmt, was es be kommen kann, um rasch auszuverkaufen; denn sie weiß, daß „er“ schon an der nächsten Ecke auf sie wartet; Nr. 3 ein gutmütiger Typus, nimmt eben von einer barmherzigen Schwester einen kräftigen Händedruck entgegen, als Lohn für die Außerachtlassung des ökonomischen Prinzips, Nr 4, eine cholerisch veranlagte Hausfrau, sieht ihre größte Fein din vor einem Marktkorbe feilschen, rasch eilt sie hinzu, und bietet mehr als dem wirtschaftlichen Prinzip entsprechen 1) Philippovich in „Entwickelung der deutschen Volkswirtschafts lehre im 19. Jahrhundert“ (Schmollerfestgabe) II. Teil, XXX, S. 51.