12 lischen Schriftsteller mißverstanden habe, von denen man noch heute zuweilen behauptet, daß sie den Egoismus zum regulierenden Faktor im Wirtschaftsleben hätten machen wollen. Marshall mißt die Schuld an diesem Mißver ständnis seinen englischen Landsleuten bei, freilich, mit einer Motivierung, die für das Volk der Denker, so nennt man ja die Deutschen, nicht gerade schmeichelhaft ist: „Es ist eine englische Gewohnheit, dem Nachdenken des Lesers viel zu überlassen“, in diesem Falle sei man aber dabei zu weit gegangen und habe dadurch zu häufigen Irrtümern Anlaß gegeben. Ist man sich über die theoretischen Grundprinzipien unsererer Wissenschaft einigermaßen klar, dann kann man es ruhig dem wissenschaftlichen Taktgefühle des einzelnen überlassen, die Grenze für das Arbeitsgebiet zu ziehen, insbesondere zu entscheiden, ob man sich beschränken soll auf rein wirtschaftliche Vorgänge, oder ob darüber hinaus auch „ökonomisch relevante“ und „ökonomisch be dingte Erscheinungen“ (Max Weber) in den Kreis der Be trachtungen hinein zu ziehen sind •). Die Flauptsache ist nur, daß wissenschaftliche Aufgaben in wissen schaftlichem Sinne gelöst werden. Dabei wird man sich vor allem an den Satz zu erinnern haben: scientia est per causas scire. Mag man immerhin 1) Es zeugt von sehr mangelhaftem Kennen der Klassiker, wenn man behauptet, daß sie bei ihren Argumentationen nur rein wirtschaft liche Ideen und Vorgänge berücksichtigt hätten. So weist z. B. Ricardo auf die natürlichen Abneigung hin, welche jedermann gegen das Ver lassen seines Landes, wo er geboren und bekannt ist; „diese Gefühle, deren Schwinden ich nur bedauern würde, bestimmen die meisten Kapi talisten, sich lieber mit einer niedrigen Profitrate in der Heimat zu be gnügen, als nach einer vorteilhafteren Anlage ihres Vermögens bei fremden Nationen zu suchen.“ Ricardo. Grundsätze, Kap. VII.