26 verbreitet und wurde somit zu einem Grunde für die „Über windung“ des Klassizismus, der allerdings namentlich durch die Form der Darstellung, das gilt insbesondere für Ricar do, Mißverständnissen mancherlei Art Tür und Tor öffnete. Allgemein bekannt ist, daß die klassische National ökonomie in Deutschland enttront wurde, wenn sie bei uns überhaupt jemals auf dem Trone gesessen hat, durch die „historisch-ethische“ Richtung. Bekannt ist auch, daß diese Richtung bis in die Gegenwart hinein namentlich aber in der Zeit 1870—1900 sozusagen „omnipotent“ war. Der anerkannte Meister dieser Schule, Schmoller, trug trotz seiner fast sprichwörtlich gewordenen Vorsicht in der Ausdrucksweise kein Bedenken, 1897 bei Antritt des Rektorats der Berliner Universität den Satz zu ver künden: „Es hieße sich dem Fortschritt und der Entwick lung entgegenstellen, wenn man absterbende, überlebte Richtungen und Methoden den höher stehenden und ausgebildeteren gleichstellte“: „Weder strikte Smithianer noch strikte Marxianer können heute Anspruch darauf machen, für vollwertig gehalten zu werden. Wer nicht auf dem Boden der heutigen Forschung, der heutigen gelehrten Bildung und Methode steht, ist kein brauchbarer Lehrer.“ Ein stolzes Siegesbewußtsein klang aus diesen Worten hervor. Ein kühneres Votum über die Entwicklungsmög lichkeit einer in vollem Flusse befindlichen Wissenschaft dürfte wohl selten von einem geistigen Führer ausge sprochen worden sein. Die historisch-ethische Schule wollte historisch, ethisch, psychologisch mehr bieten als die Klassiker; sie strebte eine „breitere, sicherere Kenntnis der Wirklichkeit an“ >), 1) Dieser Optimismus hinsichtlich der wissenschaftlichen Möglich keiten ist umso erstaunlicher, weil die Führer der in Rede stehenden