27 sie wollte „die Volkswirtschaft wieder in richtigem Zu sammenhänge mit der ganzen übrigen Kultur verstehen lernen.“ Man ging zu dem Zwecke an die „methodische Einzelforschung“ und „realistische Detailforschung in der Wirtschafts-Geschichte“ und 1897 glaubte auch Schmoller an den Erfolg dieser Bemühung: „Die Volkswirtschafts lehre“, so meinte er damals, „ist aus einer bloßen Markt- und Tauschlehre, einer Art Geschäfts-National-Ökonomie, welche zur Klassenwaffe der Besitzenden zu werden drohte, wieder eine große moralisch-politische Wissenschaft geworden.“ Den Erfolg dieser Metamorphose für die wissenschaftliche Erkenntnis, für die Summe der fest stehenden Wahrheiten schätzte Schmoller offenbar sehr hoch ein. Der Bestand dessen, was heute von allen als gesicherte Wahrheit anerkannt werde, sei ganz erheblich gewachsen; viele Kontroversen seien aus der wissenschaft lichen Diskussion verschwunden. Als einziges Beispiel dafür wurde in der Rektoratsrede die Kontroverse „über Schutzzoll und Freihandel“ genannt. — Wenige Jahre später hat es sich ja in so drastisch deutlicher Weise ge rade bei diesem Punkte offenbart, daß Schmoller doch viel zu optimistisch über „feststehende Wahrheiten“ in der deutschen National-Ökonomie urteilte. Im ganzen wird, so glaube ich, kaum ein begründeter Widerspruch laut werden gegenüber folgender Äußerung- Richtung selbst die ungeheuer großen und dauernden Variationen der „empirischen Welt“ hervorhoben; ich zitiere zum Belege nur zwei Sätze aus Schmollers Streitschrift gegen Treitschke: „Ehe und Eigentum sind äußere Formen des positiven Rechts, in welchen die sittliche Idee sich darstellt; aber es sind Formen, die selbst in ewiger Umbildung be griffen sind“. . . „Jede Zunahme der Bevölkerung, jede große Än derung der Technik, des Verkehrs erzeugt notwendig eine andere volks wirtschaftliche Lebensordnung“. . . Grundfragen S. 41 bezw. S. 53.