30 hat. Einst nannte er Adam Smith etwas mitleidig einen „Stubengelehrten“, dagegen rühmt er in einem jüngst 1 ) in der Internationalen Wochenschrift veröffentlichten Aufsatze Adam Smiths „unendlich feine Beobachtung des täglichen Lebens“ und nennt ihn „einen der großen Sterne der Aufklärung“, kein National-Ökonom nach ihm habe so mächtig auf das Leben gewirkt wie er. Ricardo und Say bekommen zwar in demselben Artikel noch eine wenig gute Zensur, sie haben nach Schmoller den „wissen schaftlichen Geist des großen Lehrers über Bord geworfen“. Ein Urteil, dem sich schon heute nur noch sehr wenige wissenschaftliche Vertreter der Volkswirtschaftslehre an schließen werden. Es ist gewiß nicht wissenschaftliche Überlegen heit, die dem „Historismus“ 1 2 ) den „Sieg“ über den Klassi zismus so leicht machte; wobei gar nicht geleugnet werden soll, daß der Historismus uns durch Darbietung einer Überfülle von Tatsachen in geistvoller Gruppierung man cherlei wertvolle Aufschlüsse gebracht hat, die freilich viel leicht noch mehr bedeuten für die Geschichte, die Ethno graphie, die Soziologie, die Verwaltungslehre etc. als für die Wirtschafts-Wissenschaft. Trotz der hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen des Historismus bleibt es doch wahr, daß er dem Klassi zismus auf wissenschaftichem Gebiete einen ent scheidenden Kampf nicht einmal angeboten, viel weniger einen solchen Kampf ausgefochten hat. Sieht man von 1) 15. Juni 1907. 2) Nur der Kürze halber wird dieses allgemein übliche Wort hier gebraucht, es ist sehr wenig präzise, namentlich für die Vorstellung, wie Verfasser sie sich von dem Wesen und der Bedeutung der „Anti klassiker“ in Wissenschaft und Leben zurechtgelegt hat.