32 gleichzeitig eine früher kaum geahnte Unsicherheit der Exi stenz mit in den Kauf nehmen mußte. Allmählich kam man ja vorwärts, aber niemand konnte sich des Sieges recht freuen, die Opfer waren zu groß. Nach außen sah man zunächst nur den Gegensatz zwischen Fortschritt und Armut, der wie ein Hohn zu der Lehre von der Harmonie der Interessen paßte. Diese Tatsachen und Gedanken mußten der Generation, die nun allmählich zur Rüste geht, in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. In jener Übergangszeit war es auch, wo Carl Marx seine Lehre verkündigte, die den Kausalnexus zwischen Fortschritt und Armut aufzudecken schien und darüber hinaus noch das Mittel bot, „die Erkenntnis über das gegenwärtig Bestehende hinaus zu leiten, aus dem Gegen wärtigen die Keime des Zukünftigen zu erkennen und danach Forderungen zu stellen.“ Es war in der Tat gleich sam „das Selbstverständliche“, „das Nächstliegende“, das Marx in seiner Zeit entdeckte und offenbarte. Das „Sein“ wollte er erkennen, nicht das „Seinsollen.“ Gerade daraus hätten die wissenschaftlichen Sozial-Ökonomen reiche An regung schöpfen können, um den wissenschaftlichen Klassi zismus nicht zu besiegen, aberweiter zu bilden; sie brauch ten deshalb gewiß keine Marxisten zu werden. Aber man sah in dem Marxismus nur die „Umsturzgefahr“, man las aus ihm das heraus, was eigentlich gar nicht in ihm enthalten war, die Kritik der bestehenden Gesellschafts und Wirtschafts-Ordnung. Man betrachtete es als die vor nehmste Aufgabe der Wissenschaft zu retten, was noch zu retten war: die Politik ließ die Wissenschaft nicht auf- kommen. „Das letzte Ziel aller Erkenntnis ist eben ein prak tisches. Der Wille bleibt immer der Regent und Herrscher