37 Das materielle Gemeinwohl, so wie Pesch es auffaßt, soll gewiß Ziel der Volkswirtschaft sein, aber es kann darüber nicht von dem Sozialökonomen allgemein gültig geurteilt werden; denn das Urteilen über Ideale, über Welt anschauungen gehört nicht zum Ressort der sozialökono mischen Wissenschaft. Das führt uns unmittelbar zu den Betrachtungen über die politischen Aufgaben der Volks wirtschaftslehre als Wissenschaft. II. In Kants Schrift zum ewigen Frieden kann man den durchaus richtigen und beherzigenswerten Satz lesen: „Die wahre Politik kann keinen einzigen Schritt tun, ohne zuvor der Moral gehuldigt zu haben.“ Und ein Ethiker unserer Tage, der Züricher Professor Förster meint nicht minder zutreffend: „Die staatliche Organisation ist ange wiesen auf einen ungeheuren Fonds von selbstlosem Opfersinn, von moralischer Widerstandskraft gegenüber den Instinkten und Begierden und endlich von jenem empfindlichen Rechtsgefühl, das uns treibt, lieber auf alles zu verzichten, als daß wir den Mitmenschen aus seinem Besitze drängen. Nur auf solchem Fundament kann die ganze ungeheuer komplizierte Lebens- und Ar beitsgemeinschaft stehen, die im modernen Staate orga nisiert ist!“ Man ist versucht, diesen Gedanken ein vielzitiertes Wort Sombarts gegenüber zu stellen, das leicht mißver standen werden kann: „Sittlich sein sollen auf Kosten des ökonomischen Fortschritts ist der Anfang vom Ende der gesamten Kultur-Entwicklung“ 1 ). Diese Ansicht kann 1) Fr. Naumann schrieb kürzlich (10./4. 09) in der Frankfurter Zeitung: „Nur solange als wir auf den Kopf der Bevölkerung eine