38 unzweifelhaft einen sehr richtigen Sinn enthalten, der erst den moralischen Schranken den rechten Halt gibt. Wenn z. B. alle reichen Leute auf den Gedanken kämen, denen die weniger haben als sie, soviel von ihrem Kapital zu geben, daß sie ebenso behaglich wohnen und leben können wie die Reichen, dann wäre das zwar scheinbar sitt lich sehr schön, es würde damit auch gewiß für eine kurze Zeit ermöglicht sein, die Volks-Gesamtheit an den Seg nungen der Kultur in starksteigendem Maße teilnehmen zu lassen, aber schließlich wäre das ganze doch nur eine Crispinade großen Stils. Die Gegenwart würde wohltätig sein auf Kosten der Zukunft, es würde der Zukunft das nötige Kapital fehlen, das erforderlich wäre, um einer stei genden Volksziffer Arbeit und Nahrung zu verschaffen, und bald würde es sich zeigen, wie wahr die Prophezeihung Sombarts unter Umständen werden kann. Wenn es die Bestimmung des Menschen ist, immer mehr zur „Kulturmensch-Werdung“ fortzuschreiten, wenn sich nach Gottes Willen „die Herrschaft des Menschen als gottgesetzten Königs der Welt sich mehr und mehr ausdehnen und bestätigen soll“' 1 ), dann wird gerade die Notwendigkeit des ökonomischen Fortschritts mit heran gezogen werden müssen zur Interpretation der Gebote der Moral. Die ökonomische Erkenntnis muß ge geben sein, ehe der Moralist sein Urteil über ökonomische Vorgänge abgeben darf; ist es um- Steigerung des verfügbaren Quantums materieller Güter erleben, besteht eine begründete Aussicht, daß auch alle diejenigen Tendenzen der wissenschaftlichen und künstlerischen Verfeinerung und der sozialen Humanität, die wir als Kultur im engeren Sinne bezeichnen bei uns möglich sein werden.“ 1) Pesch i S. 129.