39 gekehrt, dann wird dadurch das Urteilen nur zu leicht vorschnell, ungerecht, unmoralisch Einige Beispiele: Das Zinsnehmen war einst aus nicht unberechtigten Gründen verboten, es heute verbieten zu wollen, würde in höchstem Maße töricht sein. Ferner: Seit über 2000 Jahren war es innerste Rechtsüberzeugung aller Kulturvölker, so erzählte Schmoller auf der General versammlung des Vereins für Sozial-Politik in Mannheim, daß alle Parteiverabredungen im Sinne der Preiserhöhungen auf dem Markte strafbar seien, bis tief ins 19. Jahrhundert reichten derartige Gesetze. . . . Wenn wir trotzdem heute in den Kartellen mit ihren Preisverabredungen an und für sich durchaus nichts moralisch Verwerfliches sehen, so zeigt sich eben, daß andere ökonomische Verhältnisse, eine andere ökonomische Einsicht den Inhalt der Moral änder ten. Endlich noch ein Beispiel, das ein heiß umstrittenes Problem der Gegenwart berührt: „Der bekannte Ethiker und Pädagoge Professor W. Rein in Jena hat vor einigen Jahren eine kleine Schrift veröffentlicht unter dem Titel „Ethik und Volkswirtschaft“ f). Die Schrift ist bestimmt, bodenreformerischen Ideen Geltung zu verschaffen und beschäftigt sich demgemäß auch mit dem Kapitel „Ethik und Spekulation“. Es wird da gefordert, daß die Speku lationen, die auf schnelle, mühelose Weise Reichtümer anzuhäufen suchten, von der öffentlichen Meinung viel schärfer als dies jetzt noch geschieht, verurteilt werden müßten, „sie dürfen nicht zu den Operationen gerechnet werden, die man für anständig hält“.... Unser Autor fährt alsdann fort: „Wenn es wahr ist, daß die Grundstück- 1) Soziale Streitfragen, herausgegeben von Adolf Damaschke, Heft XIII.