41 Aus diesen Beispielen, die sich leicht vermehren ließen, folgere ich, daß es nicht Aufgabe des Sozial Ökonomen sein kann, mit ethischer Brille an seine Pro bleme in der Umgrenzung, die im vorigen Abschnitt an gedeutet wurde, heranzutreten; wohl aber ist es umge kehrt unter Umständen dringende Pflicht des Moralisten eine sozialökonomische Brille aufzusetzen. Weil die Sozial-Ökonomie als Wissenschaft mit der Ethik nichts zu tun hat, darf sie auch nicht mehr sein wollen, als eine Stütze für die Wirtschafts-Politik neben vielen anderen deshalb, weil die Politik auch dann, wenn sie wirtschaftliche Dinge regeln will, keineswegs nur Fol gerungen aus der wirtschaftlichen Erkenntnis zu ziehen hat. Sie hat insbesondere, wie wir schon wissen, der Moral „zu huldigen“ und zu dem Zwecke wird die Politik auf die tiefsten Fragen der Weltanschauung zurückgehen müssen. Jüngst hat wieder Schulze - Gävernitz bei Ge legenheit seiner Studien über britischen Imperialismus und englischen Freihandel zu Beginn des 20. Jahrhunderts gezeigt, „wie die großen Wirtschafts- und machtpolitischen Streitfragen des Tages in letzter Linie auf dem Welt anschauungsgebiete entschieden werden.“ Mit welchem Recht und mit welchen Mitteln will aber nun die sozialökonomische Wissenschaft ein Wert-Urteil über die außerordentlich verschiedenartigen Weltanschau ungen fällen? Ist sie aber dazu unfähig und darüber kann wohl kaum ein Zweifel sein, dann kann sie keine moralische politische Wissenschaft sein. Wenn man nicht überhaupt auf dem Standpunkte steht, daß der Ausdruck „wissenschaftliche Politik“ eine contradictio in adjecto ist. Die ehrfürchtige Bewunderung, die dem erfolgreichen Staatsmanne entgegen gebracht wird, wird ihm nicht zu