42 teil als dem Vollender und Ausführer der Wissenschaft, sondern als dem Vollbringer der höchsten Kunst, die es gibt, dem gesellschaftlichen Wohl zu dienen. Sehr schön drückt diesen Gedanken Ernst Zittelmann aus 1 ): „Der geniale Gesetzgeber ist der, der die wahren Werte der Kultur zu finden und zu schätzen weiß; darum preisen ihn auch die Sagen und Lieder der alten Völker und so groß und so wunderbar erscheint ihrer frühen Fantasie seine Kunst, daß sie aus irdischem Ursprünge sie nicht mehr zu erklären wissen; ihre großen Gesetzgeber lassen sie von Göttern stammen oder doch Rat von ihnen emp fangen.“ Adam Smith, dem seine Gegner so gerne nachsagen, daß er die staatliche Gesetzgebung für nahezu überflüssig erklärt habe, vertritt trotzdem die Meinung: „Die Einsetzung von Gesetz und Regierung ist das höchste Werk der mensch lichen Klugheit und Weisheit“, „der größte und edelste Charakter ist derjenige eines Reformators und Gesetz gebers eines großen Staates 1 2 ).“ Heutzutage kommt noch für den Staatsmann, der Erfolg haben will, die Kunst hin zu, im „Spiel auf dem Instrument der Parlamente und der öffentlichen Meinung“ kein Stümper zu sein 3 ). Praktische Wirtschafts-Politik ist wie alle praktische Politik keine Wissenschaft, sondern eine Kunst und sobald das Gebiet der Politik betreten ist, muß mehr wie irgend ein anderer der Volkswirtschaftslehrer sich vollkommen klar 1) Die Kunst der Gesetzgebung (Neue Zeit- und Streitfragen, herausgegeben von der Gehestiftung) 1904, S. 8. 2) Vergl. Onken, „Das Adam Smith-Problem“, Zeitschrift für Soziai- wissenschaft, Bd. I S. 280. 3) Mit Recht meint Schmoller, daß z. B. Gladstone und Miquel mit ihren Reformen nicht so viel Erfolg gehabt haben würden wenn >,Virtuosen“ in diesem Spiel gewesen seien. Skizze einer Finanz geschichte, Sonderabdruck aus SCMOLLERS Jahrbuch, 1909 S. 61.