43 darüber sein, daß er die Grenze zwischen Wissenschaft und Kunstlehre überschritten hat. Es lassen sich gewiß genug gute theoretische Gründe für diese These beibringen, aber ich will es gestehen, daß es vorwiegend praktische Erwägungen sind, die mich ver anlassen, dafür einzutreten, daß der Aufgabenkreis der sozialökonomischen Wissenschaft nach der Seite der prak tischen Politik hin möglichst eingeengt wird, Praktische Erwägungen, die sowohl das Interesse der Wissenschaft wie das der Praxis berühren, die hier solidarisch sind. Der Stoff unserer Wissenschaft an sich bringt schon mancherlei Gefahren mit sich, für den, der seine Unter suchungen in Ruhe führen, der Erkenntnis allein dienen möchte: „Die Theoreme des Euklid würden nicht ein stimmig angenommen sein, wenn sie in unmittelbarer Be ziehung zum Reichtum und Genießen gestanden hätten;“ (Whately) „nirgends urteilt und äußert sich das Publikum so interessiert wie hier. Nirgends wird soviel übertrieben, gelogen wie in sozialökonomischen Debatten 1 ).“ Sollten wir nicht versuchen mit allem Ernste diese Gefahren möglichst zu mindern? Statt dessen scheint man an den natürlichen Schwierigkeiten noch nicht genug zu haben, man zerrt die Wissenschaft in das Getriebe der Tages-Politik und in den Kampf der Weltanschanungen 1) H. Dietzel a. a. O. S. 39. In seinem „Zollvereinsblatt“ sagte Friedrich List einmal: „Nichts ist von so kitzlicher und häckeliger Natur in der ganzen Staatsführung wie die Entscheidung derjenigen Fragen, welche den Nahrungsstand des Volkes, den Wohlstand jedes einzelnen Individuums berühren .... Nichts schadet mehr in der Meinung des untergeordneten Volkes der gegenwärtigen Regierung, nichts ist weniger leicht gut zu machen als falsche nationalökonomische Maßregeln, weil die Wirkungen davon urplötzlich in der Brotlade und dem Küchentopf jedes einzelnen Bürgers sich kund geben.“